| 20:35 Uhr

Saubere Stromreserve für 500 000 Menschen

So sieht eine Turbine aus. Wartungsarbeiten im luxemburgischen Kraftwerk Vianden. TV-Foto: Archiv
So sieht eine Turbine aus. Wartungsarbeiten im luxemburgischen Kraftwerk Vianden. TV-Foto: Archiv
Schweich/Ensch. Die Stadtwerke Trier (SWT) planen ein riesiges Energieprojekt: Auf den Moselhöhen zwischen Schweich und Ensch (Kreis Trier-Saarburg) soll ein Pumpspeicherkraftwerk entstehen. Ziel ist die optimale Nutzung der regional produzierten regenerativen Energie. Am gestrigen Dienstag haben die SWT in Schweich den Stand des Projekts erläutert. Friedhelm Knopp

Schweich/Ensch. Die Nachricht schlug vor knapp einem Jahr wie eine Bombe ein: Die SWT planen in der Verbandsgemeinde Schweich ein Pumpspeicherkraftwerk (PSKW), das mit 300 Megawatt Leistung den Strombedarf von rund 500 000 Menschen gewährleisten kann (der TV berichtete). Das auf rund 400 Millionen Euro geschätzte Projekt ist als Ergänzung zu den in der Region erzeugten, regenerativen Energien aus Wind und Sonne gedacht. Wind- und Sonnenstrom stehen nicht immer gleichmäßig und zu den Zeiten des Spitzenbedarfs zur Verfügung - mit Hilfe eines Speicherkraftwerks lässt sich dieser Nachteil ausgleichen. Als Standort für zwei Speicherbecken und ein unterirdisches Wasserkraftwerk ist ein Höhenzug oberhalb der Mosel im Dreieck Schweich, Ensch und Bekond vorgesehen.

Als die SWT im April 2011 ihren Plan offenbarten, waren die Reaktionen in den Moselgemeinden unterhalb des angedachten Standorts durchwegs positiv. Sowohl die Kommunalpolitik wie die Anwohner sprachen sich für das Projekt aus. Seit dem ersten Schritt in die Öffentlichkeit ist inzwischen ein Jahr vergangen. In einer Informationsveranstaltung in Schweich-Issel, die sich insbesondere an die künftigen Anrainer richtete, erläuterten am Dienstag Landschaftsplaner Bernhard Gillich sowie Rudolf Schöller und Sandra Folz vom SWT-Projektteam den aktuellen Stand und wesentliche technische Details:

Geeignete Standorte für die beiden Speicherbecken sind der Hummelsberg (Bereich Mehringer Berg oberhalb Longen) und das 200 Meter tiefer liegende Kautenbachtal (oberhalb Ensch). Als wichtigste Standortkriterien werden genannt: ausreichender Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterbecken, günstige Verkehrsverbindung, insbesondere während der Bauzeit (direkter A-1-Anschluss über AS Schweich), Nähe zum Stromnetz (380-Kilovolt-Fernleitung vorhanden), keine raumordnerischen Ausschlusskriterien (etwa nahe Wohnbebauung).

Die technischen Eckdaten des PSKW sind beeindruckend: Rund 300 Megawatt beträgt die Gesamtleistung. Die beiden Becken können jeweils rund sechs Millionen Kubikmeter Wasser speichern (zum Vergleich: der Riveris stausee hat fünf Millionen Kubikmeter). Die Fläche des Oberbeckens Hummelsberg umfasst rund 70 Hektar (sieben Fußballfelder), das Unterbecken Kautenbachtal misst rund 45 Hektar. Dieses Unterbecken wird talabwärts von einem 60 Meter hohen Damm abgeschlossen.

Ist das Oberbecken mit sechs Millionen Kubikmetern Wasser voll gefüllt, reicht diese Menge für einen zehnstündigen Volllastbetrieb. Das Wasser schießt dann durch eine unterirdische Druckleitung zum 200 Meter tiefer liegenden Unterbecken. Dabei strömt es durch die Turbinenanlagen, die in Kavernen unterhalb des Oberbeckens installiert sind. Diese Anordnung gleicht dem bekannten PSKW bei Vianden/Luxemburg. Während des Zehn-Stunden-Dauerbetriebs werden insgesamt 3400 Megawattstunden Strom erzeugt. Die unterirdischen Maschinenhallen sind über einen Versorgungstunnel erreichbar, der aus Richtung A-1- Ausfahrt Schweich/Leinenhof , an die Anlage herangeführt wird.

Als Vorstufe zum erforderlichen Raumordnungsverfahren wurden nach Angaben von Projektentwickler Schöller seit Frühjahr 2011 insgesamt 20 verschiedene Fachgutachten eingeholt. Auf dem Prüfstein standen die Auswirkungen des Projekts auf die Anrainerorte und mögliche Einwirkungen auf Flora, Fauna, Wasserwirtschaft, Tourismus und Landschaft. Auf dieser Basis soll im April von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord das Raumordnungsverfahren eingeleitet werden. Mit Baurecht, so hoffen die Verantwortlichen, sei bis 2013 zu rechnen und 2015/2016 mit Baubeginn. Günstigenfalls könne das PSKW 2019/2020 in Betrieb gehen.Extra

Das Raumordnungsverfahren (ROV) ist ein Vorgutachten über die Verträglichkeit von Großprojekten, die von überörtlicher Bedeutung sind. Dies kann die Trassenführung einer Autobahn sein, die Ansiedlung eines Einkaufszentrums oder der Bau einer Industrieanlage. Dabei wird im ROV geklärt, ob ein Projekt mit den Zielen der regionalen Raumordnung (etwa in Hinblick auf Tourismus, Landwirtschaft und Landschaftsbild) vereinbar ist. Das ROV hat keine rechtliche Wirkung und kann nicht verwaltungsgerichtlich angefochten werden. Die Erkenntnisse aus dem ROV müssen aber bei allen nachfolgenden Genehmigungsverfahren als Maßstab berücksichtigt werden.

Funktionsweise Pumpspeicherkraftwerk (PSKW): Das PSKW nutzt die Kraft des Wassers im Gefälle zwischen zwei auf unterschiedlicher Höhe liegenden Becken. Herrscht im Leitungsnetz ein Stromüberangebot (durch hohe Produktion bei geringer Nachfrage) wird mit dem überschüssigen Strom das Wasser vom unteren Becken ins Oberbecken gepumpt. Übersteigt die Stromnachfrage die Stromproduktion, läuft das Speicherwasser vom Oberbecken zurück ins Unterbecken und treibt dabei die Turbine mit Generator an. Zusätzlicher Strom fließt nun ins Netz. In der Regel reicht ein Maschinensatz für beide Funktionen: Beim Speichervorgang drückt eine riesige Elektrokreiselpumpe das Wasser vom Unter- ins Oberbecken. Bei der Stromerzeugung werden die Pumpe und ihr Elektromotor zu Turbine und Generator "umgepolt". f.k.