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Infrastruktur
Schulzentrum Schweich: Neubau stockt, Platz für Kinder knapp

Die Raumnot ist groß und der Putz blättert von der Fassade: Die Grundschule Schweich stößt an ihrem Standort am Bodenländchen schon länger an ihre Grenzen.
Die Raumnot ist groß und der Putz blättert von der Fassade: Die Grundschule Schweich stößt an ihrem Standort am Bodenländchen schon länger an ihre Grenzen. FOTO: Albert Follmann
Schweich. Die Verzögerungen beim Bau des neuen Schulzentrums in Schweich bringen zwei Einrichtungen an ihren bestehenden Standorten arg in die Bredouille.
Albert Follmann

Im Jahr 2018 sollte es richtig abgehen auf der Schulbaustelle in Schweich. Arbeiter sollten die Kellen schwingen und die Mauern der Grundschule Schweich und der Treverer-Förderschule hochziehen, damit die Partnerschulen samt gemeinsamer Großsporthalle zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 am neuen Standort im Schweicher Norden in Betrieb gehen können.

Soweit die Planung für das 44-Millionen-Euro-Projekt.

Die Realität im Herbst 2018 sieht anders aus, trostlos: Das Gelände hinter dem Bauzaun ist wie leergefegt. Weder Menschen noch Baufahrzeuge sind zu sehen. Nur ein Bauschild, das vor einigen Wochen aufgestellt wurde, lässt darauf schließen, dass hier einmal ein Schulzentrum entstehen soll.

Wann die Bauarbeiter tatsächlich loslegen können? Niemand weiß es genau. Eine einjährige Verzögerung wird erwartet, ob es aber damit getan ist?

Die beiden Schulträger, das sind der Kreis für die Förderschule und die Verbandsgemeinde Schweich für die Grundschule, hatten in diesem Frühjahr die Ausschreibung der Hochbauarbeiten im letzten Moment gestoppt (der TV berichtete). Grund: Dem Zweckverband „Integratives Schulprojekt Schweich”, in dem sich Kreis und VG zwecks Bau und Betrieb der Schulen zusammengeschlossen hatten, war die Finanzierung zu unsicher.

Das Land hatte zwar grundsätzlich eine Förderung zugesagt, aber noch keinen Bewilligungsbescheid geschickt und auch noch keinen festen Zahlungszeitpunkt genannt.

Doch das ist nicht die einzige noch offene Baustelle in dem Millionenprojekt. Wie Landrat Günther Schartz kürzlich in einer Zweckverbandsversammlung mitteilte, hat der Landesrechnungshof noch Klärungsbedarf. Er hat das Vorhaben geprüft, der Abschlussbericht ist laut Schartz weitgehend fertig und soll demnächst dem Bildungsministerium vorgelegt werden. Danach hofft der Landrat auf „ein Gespräch bei Ministerin Hubig, das den Durchbruch bringt”.

Bei Schartz macht sich aber auch Erleichterung breit: „Gut, dass wir den vorzeitigen Baubeginn nicht umgesetzt haben. Das wäre ein Hochrisiko-Spiel geworden.”

Gesprächsbedarf zwischen Zweckverband und Ministerium gibt es reichlich,  nicht nur,  was die Finanzierung angeht. Wie die Ministerin dem Landrat schriftlich mitgeteilt hat, kommt eine vom Zweckverband beantragte höhere Förderung für den Fall, dass der Bund dem Land zusätzliche Schulbaumittel zur Verfügung stellt, nicht in Frage (Stichwort Besserstellungsklausel). Ob zusätzliche Fördermittel über das Landesfinanzausgleichsgesetz möglich sind, ist fraglich. Den angestrebten gemeinsamen Betrieb der Schulen als Zweckverband hält die Ministerin für unvereinbar mit dem Schulgesetz.

Angesichts der Zunahme schulicher Inklusionsprojekte seien Lösungen wie ein Zweckverband pragmatisch, sagt Landrat Schartz. Die Verbandsversammlung beschloss einstimmig, die Verwaltung möge beim Land eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen beantragen. Ersatzweise solle der Zweckverband aufgrund der aktuellen Rechtslage bis zum Abschluss der Bauphase bestehen bleiben.

Die betroffenen Schulen wurden vom Zweckverband über mögliche weitere Verzögerungen beim Bauprojekt informiert. Für Leiterin Christina Steinmetz von der Grundschule Schweich heißt das, es muss weiter improvisiert werden: „Für uns am Ende der Kette ist die Situation sehr unbefriedigend, aber die Schuldfrage zu stellen, bringt ja nichts. Wenn das so weitergeht, brauchen wir dringend einen Ausweichplatz. Wir haben uns schon in Schweich umgeschaut, aber es wird schwierig.”

Es stehen am jetzigen Standort Bodenländchen bereits zwei Container für vier Klassen. Und die Raumnot für die Lehrer und die knapp 350 Schüler könnte noch größer werden. Dazu Steinmetz: „Die unteren Jahrgänge sind schon voller als die oberen. Wenn der Bauboom in Schweich anhält, wovon auszugehen ist, werden wir weitere Klassen aufmachen müssen.”

Auch in der Treverer-Schule in Trier ist die Situation prekär. Stellvertretender Leiter Wolfgang Weber: „Jedes Jahr, das wir später umziehen, wird schwieriger.” Wie in Schweich macht sich auch in Heiligkreuz der Investitionsstau immer stärker bemerkbar. Insbesondere die Situation bei den Toiletten sei unbefriedigend, sagt Weber. Probleme gebe es auch bei der Mobilität. So müssten Schüler je nachdem, in welchen Stock sie müssten, die Aufzüge wechseln.

Das Bauschild steht, aber Bauarbeiter gibt es vorerst nicht auf der Schul-Großbaustelle in Schweich – Grund sind Unklarheiten bei der Finanzierung.
Das Bauschild steht, aber Bauarbeiter gibt es vorerst nicht auf der Schul-Großbaustelle in Schweich – Grund sind Unklarheiten bei der Finanzierung. FOTO: Albert Follmann