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Sechs Hengste im besten Flegelalter

Kein Zaumzeug nötig: Lediglich am Stallhalfter führt Dresseur Robert Lauenburger die dreijährigen Hengste in die Manege zur Probe. TV-Fotos (2): Christiane Wolff
Kein Zaumzeug nötig: Lediglich am Stallhalfter führt Dresseur Robert Lauenburger die dreijährigen Hengste in die Manege zur Probe. TV-Fotos (2): Christiane Wolff FOTO: (h)
Trier. Rund 20 000 Besucher zählt der Trierer Weihnachtscircus in den Moselauen jährlich. Neben viel Artistik sehen die Zuschauer dieses Jahr auch eine Pferdedressur in der Manege. Über Tierhaltung und -auftritte in Zirkussen gab’s in den vergangenen Jahren in Trier mehrfach Streit zwischen Befürwortern und Gegnern. Der TV hat sich die Haltungs- und Trainingsbedingungen der Hengste angeschaut. Christiane Wolff

Trier. Hektor mag es gar nicht, wenn die anderen in der Manege einen Fehler machen. Aramis will schon mal mit dem Kopf durch die Wand. "Und Adonis ist ein ganz Braver, Vorsichtiger, der auf alles aufpasst", sagt Robert Lauenburger. Jeder seiner sechs Friesenhengste habe einen ganz eigenen Charakter. Jede der Eigenarten müsse man beachten, wolle man eine gute Dressur in die Manege bringen. "Wenn man wie ich mit Pferden aufgewachsen ist, erkennt man das Wesen der einzelnen Tiere schon, wenn sie noch sehr jung sind", sagt Lauenburger.Zaumzeug nicht nötig


Im Alter von etwa sieben Monaten hat er die holländischen Friesen gekauft, direkt bei einem Händler in den Niederlanden. Mittlerweile sind sie drei Jahre alt - im besten Pferdeflegelalter also.
Bei der Vorstellung tragen die schwarzen Tiere ein einfaches Gebiss und Schmuckzaumzeug, das den ohnehin schon stolz gewölbten Hals der Friesen noch betont. "Aber das ist nur für die Optik, die Dressur funktioniert genauso gut ohne Zaumzeug", sagt Lauenburger und führt die Hengste für die Probe am losen Stallhalfter ins Zirkuszelt. Der 28-Jährige lässt die Peitsche knallen, ruckzuck sortieren sich die Pferde in die richtige Reihenfolge und traben locker, mit spielenden Ohren und langen Schritten durch das Gemisch aus Sägespänen und Sand. "Die Peitsche ist lediglich mein verlängerter Arm, um den Pferden Signale zu geben, keinesfalls, um sie zu schlagen", betont Lauenburger. Lediglich mit Stimmkommandos und einer Touchierpeitsche, mit der er die Pferde anstupsen kann, wirkt der aus Norddeutschland stammende Dresseur auf die Tiere ein. Als er zwei war, schenkte ihm sein Vater sein erstes Pony. Mit 12 führte er das erste Mal eine Pferdenummer mit Hengst und Pony in der Manege auf - und setzte damit die Familientradition in vierter Generation fort. "Viel, viel Geduld und gegenseitiges Vertrauen sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Arbeit mit Pferden", sagt Lauenburger. Und wer sich mit Pferden auskennt, weiß, dass das stimmt: Unter Zwang und Prügel, mit so genanntem gebrochenem Willen, würde ein Pferd sich niemals so locker und willig bewegen. Zeichen von Unwillen oder Angst - angelegte Ohren, Rückwärtsgehen oder ein eingeklemmter Schweif etwa - zeigt keins der sechs Pferde.
Im Stallzelt hat jeder der Hengste und auch die sechs kleinen Ponys, die Lauenburger beim Weihnachtscircus vorführt, seine eigene, geräumige Box. Jeweils einen halben Ballen Stroh und einen halben Ballen Heu verbraucht Lauenburger täglich, um die Boxen einzustreuen und die Pferde zu füttern. Seit Jahren beliefert ein Landwirt aus der Region alljährlich den Zirkusbetrieb.
Um sieben Uhr am Morgen wird gefüttert, um acht Uhr kommen die Pferde raus auf eine extra abgesteckte Weide auf dem Messegelände. Das verlangt nicht nur das Tierschutzgesetz so. Ohne viel Auslauf und Bewegungsfreiheit wären die Tiere auch viel zu unausgelastet, um in der Manege brav mitzuarbeiten. Um 15.30 Uhr steht die erste Vorstellung auf dem Programm, um 19.30 Uhr die zweite.
"Ich kann meinem Vater nur dankbar sein, dass er mich mit Pferden hat aufwachsen lassen - ich habe definitiv mehr von ihnen gelernt, als sie von mir. Ich liebe meine Tiere", sagt Lauenburger. Seine zweijährige Tochter kommt ins Stallzelt gelaufen. In ihren Händchen trägt sie eine Packung Möhren für die Pferde.
Der Trierer Weihnachtscircus gastiert noch bis zum 1. Januar im Messepark. Vorstellungen täglich um 15.30 Uhr und 19.30 Uhr, am Sonntag, 1. Januar, nur 15.30 Uhr. Karten an der Zirkuskasse (nur Barzahlung) oder im Service-Center des TV, Neustraße 91.Extra

Die Amtstiersärztin der Kreisverwaltung Trier-Saarburg hat die Tierhaltung des Trierer Weihnachtscirucus am 19. Dezember kontrolliert. "Die Pferdehaltung war ohne Beanstandung bis auf ein paar kleinere formale Mängel bei der Dokumentation und Vollständigkeit der Unterlagen. Die Pferde und Ponys waren alle in einem guten Ernährungs- und Pflegezustand. Die Haltungseinrichtungen waren ordnungsgemäß, eine Erlaubnis gemäß Paragraf 11 Tierschutzgesetz vorhanden. Eine Weide für zusätzlichen Auslauf außerhalb der Manege war eingerichtet, jedes Pferd sollte dort täglich mindestens zwei Stunden Auslauf haben. Inwieweit diese Auflage in ausreichender Form eingehalten wird, kann von uns nicht in vollem Umfang überprüft werden", erklärt die Kreisverwaltung auf TV-Nachfrage. Bei den Hunden, die ebenfalls (mit einem anderen Dresseur) in der Manege auftreten, musste der Weihnachtscircus nachbessern: Das Hundehaus musste nachträglich isoliert und ein Teil des Auslaufs überdacht werden. woc

Entspannt warten die sechs Friesenhengste in der Manege des Trierer Weihnachtscircus auf den Beginn ihres Trainings.
Entspannt warten die sechs Friesenhengste in der Manege des Trierer Weihnachtscircus auf den Beginn ihres Trainings. FOTO: (h)