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Sie danken der Kanzlerin und dem Präsidenten

Der Syrer Yusuf Alsayyed und seine Kinder empfinden Dankbarkeit gegenüber Bundeskanzlerin und Bundespräsident. Denn die Familie gehört zu den 5000 Flüchtlingen, die Deutschland bislang aufgenommen hat. TV-Foto: Katja Bernardy
Der Syrer Yusuf Alsayyed und seine Kinder empfinden Dankbarkeit gegenüber Bundeskanzlerin und Bundespräsident. Denn die Familie gehört zu den 5000 Flüchtlingen, die Deutschland bislang aufgenommen hat. TV-Foto: Katja Bernardy
Zemmer-Rodt. Sie haben miterlebt, wie Menschen getötet, Kinder entführt und ihr Haus zerbombt wurde. Seit Dezember lebt die syrische Familie Alsayyed in Zemmer-Rodt in Sicherheit vor dem Bürgerkrieg. Sie gehört zu den 5000 Flüchtlingen, die Deutschland bisher aufgenommen hat. Katja Bernardy

Zemmer-Rodt. Der syrische Bürgerkrieg hat Familie Alsayyed aus ihrem alten Leben katapultiert. Vor gut einem Jahr ist Yusuf Alsayyed (40) erst einmal alleine in den Libanon geflohen. Er musste Geld verdienen, um Schleuser bezahlen zu können, die seine Frau Fatima (36) und die sieben Kinder zu ihm bringen sollten. "Nachts glaubte ich, meine Kinder schreien zu hören", erinnert sich der Familienvater an die Zeit der Trennung.
Die Zurückgebliebenen haben überlebt, der Rettungsplan ging auf. Im Dezember vergangenen Jahres landete die Großfamilie im niedersächsischen Bramsche-Hesepe. Sie gehören zu den 5000 Kontingentflüchtlingen, die Deutschland bislang aufgenommen hat - 240 Flüchtlinge wurden Rheinland-Pfalz zugeteilt. Die Alsayyeds erhielten Anträge auf Arbeitslosengeld, Ausweise und Bescheide und ein neues Zuhause im ehemaligen Fideier Hof, eine früheren Gaststätte in Zemmer-Rodt.
Kinder gehen zur Schule


In der Schrankwand im Wohnzimmer steht ein Foto, das die Bundeskanzlerin und den Bundespräsidenten zeigt. "Wir bedanken uns sehr bei Frau Merkel und Herrn Gauck und drücken unseren Respekt aus", sagt der 40-jährige Syrer. Dankbar ist er auch Hanna Schröter vom Migrationsdienst des Diakonischen Werks in Trier. Sie habe ihnen sehr geholfen zurechtzukommen. Doch es ist noch ein weiter Weg, bis alle ihren Platz in dem fremden Land gefunden haben. "Wir waren wie verlassen, als wir ankamen. Niemand verstand uns", sagt Alsayyed. Seine Ehefrau war bei der Landung in Deutschland im dritten Monat schwanger. Maryam (17) und Amal (14), Monzer (16) und Amani (13) gehen zur Schule. Am Auguste-Viktoria-Gymnasium in Trier lernen sie Deutsch. Saprina (9) besucht die Grundschule, Mohammed (6) und Machmod (4) den Kindergarten.
Der Familienvater wird sich während eines Alphabetisierungskurses eine Basis schaffen, um Deutsch lernen zu können. Der Spracherwerb ist die Voraussetzung etwa, um den Führerschein machen oder Arbeit annehmen zu können. "Ich habe in Syrien in Ehre und Stolz gelebt", sagt Yusuf Alsayyed. Er war erfolgreich, verantwortlich für Baustellen, hat in Kuwait und Dubai gearbeitet. Die Familie war wohlhabend, hatte ein schönes, großes Haus. Bomben haben ihr Zuhause vernichtet, Räuber das Vermögen erbeutet.
Traumatische Bilder haben alle im Kopf. Auf seinem Handy trägt Yusuf Alsayyed das Foto seines getöteten Bruders mit sich. Das ist nur die Oberfläche der Fratze des Bürgerkrieges, der seit mehr als drei Jahren in Syrien herrscht. Weitere Details erzählen die Eltern nicht, die Kinder wollen während des Pressegesprächs mit dabei sein.
Der Alltag in der Großfamilie läuft wieder. Ihr ausgefeiltes Ordnungssystem und die klare Aufgabenteilung innerhalb der Familie haben sie mitgebracht. Sowie ihre Gastfreundschaft. Maryam serviert Kaffee und viertelt Orangen für die Gäste. "Alles, was sie können, geben sie. Sie wollen sich integrieren", sagt Karin Stoffels (55), Vorsitzende des örtlichen Pfarreienrats. Die Katholikin hilft, wo sie kann, damit die Familie in Zemmer-Rodt Fuß fasst. Religionen spielen dabei keine Rolle. "Yusuf hat Allah gedankt, dass Gott mich geschickt hat", sagt Stoffels.
Auch die Nachbarin hilft


Auch Nachbarin Christel Trautmann (71) packt mit an: Sie kutschiert die Kinder schon mal zum Arzt oder hilft mit dem Rasenmäher aus. Äußerlich scheint es der syrischen Flüchtlingsfamilie in der zugewiesenen neuen Heimat gutzugehen. Und die Kinder verkriechen sich mittlerweile nicht mehr unter dem Tisch, wenn sie ein Flugzeug hören, wie der Syrer berichtet. Aber er sagt auch: "Ich lasse die Schwere in meinem Herzen. Ich bin 40 und fühle mich wie 60." Sein Herz hänge an Syrien und an seinen Angehörigen, zu denen er keinen Kontakt habe.
Anfang Juni ist das achte Kind der Familie, Baby Ahmed, in Trier zur Welt gekommen. In Sicherheit vor dem Krieg in Syrien.Extra

Flüchtlinge: Kontingentflüchtlinge sind Menschen, die im Rahmen einer humanitären Hilfsaktion von der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen werden. Sie durchlaufen kein Asyl- und auch kein sonstiges Anerkennungsverfahren, sondern erhalten mit ihrer Ankunft sofort eine Aufenthaltserlaubnis. Auch dürfen sie sofort eine Arbeit aufnehmen. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der Asylsuchenden im Landkreis Trier-Saarburg deutlich erhöht. Nach Auskunft der Kreisverwaltung Trier-Saarburg gab es im ersten Quartal 2013 188 Flüchtlinge im Kreis, ein Jahr später waren es bereits 294. Aktuell liegt die Zahl bei 343 Menschen. Für die Flüchtlinge wird ständig Wohnraum gesucht. Wer eine Wohnung zur Verfügung stellen möchte, kann sich an die Kreisverwaltung, Telefon 0651/715-0, wenden. har