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Startschuss für neue Projekte in Karthaus

Der Stadtteil Konz-Karthaus, auf dem Luftbild rot hinterlegt, soll aufgewertet werden. Die Ergebnisse aus einer Umfrage im Ortsteil werden heute Abend vorgestellt. TV-Foto: Portaflug
Der Stadtteil Konz-Karthaus, auf dem Luftbild rot hinterlegt, soll aufgewertet werden. Die Ergebnisse aus einer Umfrage im Ortsteil werden heute Abend vorgestellt. TV-Foto: Portaflug
Konz. Kein Café, kein Jugendtreff, leerstehende Gebäude, einige dreckige Straßen und Plätze: Viele Bewohner des Konzer Stadtteils Karthaus sind unzufrieden. Geld aus dem Programm Soziale Stadt soll Abhilfe schaffen. Die geplanten Maßnahmen werden am heutigen Montag vorgestellt. Maren Meißner

Konz. Die Ergebnisse einer Umfrage der Konzer Stadtverwaltung, an der sich im Juni 525 Karthäuser beteiligt haben, zeigen, dass dort nach Meinung der Befragten viel zu tun ist.
Zentrum: 20 Prozent sagen, dass Karthaus kein Zentrum habe. Für 58 Prozent der Befragten ist das ehemalige Kloster das Zentrum. Auf Platz zwei folgt die Tankstelle (18 Prozent), auf Platz drei die evangelische Kirche (13 Prozent).
Freizeit: Die meisten Teilnehmer der Umfrage wünschen sich einen Treffpunkt wie ein Café, Bürger- oder Jugendzentrum, außerdem bessere Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche.
Infrastruktur: Den Befragten fehlen Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Apotheken.
Stadtbild: Die Teilnehmer der Umfrage bemängeln dreckige Straßen, renovierungsbedürftige Fassaden und leerstehende Gebäude, die das Stadtbild prägen.
Aber auch einige positive Aspekte werden genannt: Die Versorgung mit Kindergärten und Schulen sei gut, die Wohngegend ruhig. Die Nähe zu Trier und Luxemburg wird gelobt. Insgesamt stellen die Bewohner ihrem Stadtteil aber ein schlechtes Zeugnis aus: 4,23 ist die durchschnittliche Schulnote, die sie Karthaus geben.
Quartiermanager kommt


Als erste Reaktion auf die Ergebnisse soll im kommenden Jahr ein Quartiermanager für das Viertel eingestellt werden (der TV berichtete). Weitere Maßnahmen, die mit Geld aus dem Programm Soziale Stadt finanziert werden, sollen folgen. "Wir können natürlich nicht alles machen", sagt Alexander Queins, der bei der Stadtverwaltung für das Projekt zuständig ist.
Im vergangenen Jahr wurden die Mittel für das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt erheblich gekürzt. Außerdem soll der Schwerpunkt nun auf baulichen und weniger auf sozialen Maßnahmen liegen.
Ein Ansatz, den Josef Winkler, Bundestagsabgeordneter der Grünen, bei einem Ortstermin in Karthaus scharf kritisiert: "Ich bin damit sehr unzufrieden. Das Programm ist sehr erfolgreich, und die Grundidee war nicht die Bauförderung."
Verwaltungsmitarbeiter Queins will versuchen, auch Projekte zu fördern, die das soziale Miteinander in Karthaus verbessern: "Der Stadtteil sieht sich schlechter, als er ist." Es gebe viele Angebote, sie seien nur oft "nicht sichtbar". Queins hofft, dass sich dies durch die Teilnahme am Programm Soziale Stadt verändert.
Skeptisch ist Gisela Krämer, die Migrationsbeauftragte des Landkreises Trier-Saarburg. "Es ist toll, dass jetzt etwas geschieht", sagt sie, "aber es trägt nicht unbedingt zur Integration im Stadtteil bei." Es sei schwer, alle Menschen im Ort mitzunehmen. "Wichtig ist, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen."
Meinung

Sanierung allein reicht nicht
Blumenkästen, sanierte Fassaden, saubere Bürgersteige: All das ist wichtig, damit sich die Bewohner in ihrem Stadtteil wohlfühlen. Aber mit baulichen Veränderungen ist es nicht getan, auch die Bürger müssen aufeinander zugehen. Genau dafür ist der Ort der heutigen Veranstaltung gut gewählt: In einem Zelt vor der Moschee werden die Maßnahmen vorgestellt. Danach gibt es einen gemeinsamen Rundgang durch das Gotteshaus. Eine gute und vor allem wichtige Möglichkeit, Vorurteile abzubauen. Denn durch die Kürzungen im Programm Soziale Stadt wird die Verantwortung der Bürger größer: Sie müssen ihr Viertel selbst mit Leben füllen, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam dafür sorgen, dass Karthaus nicht auf dem Abstellgleis landet. m.meissner@volksfreund.de Präsentation: Vor der Präsentation am heutigen Montag im beheizten Zelt vor der Moschee in Konz-Karthaus beginnt bereits um 16.30 Uhr ein Kinderprogramm. Um 17.30 Uhr eröffnet Bürgermeister Karl-Heinz Frieden offiziell die Infoveranstaltung "Was nun, Karthaus?" Für Essen und Getränke ist gesorgt, auch ein Unterhaltungsprogramm gibt es. Um 19 Uhr folgt ein Rundgang durch die Moschee. mem