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Stillstand am Weltkulturerbe

Der Blick auf die „Neue Terrasse“ hinter der Igeler Säule. Bald sollen dort mehr Bänke und ein schöner gestaltetes Umfeld zum Verweilen einladen. TV-Foto: Sarah München
Der Blick auf die „Neue Terrasse“ hinter der Igeler Säule. Bald sollen dort mehr Bänke und ein schöner gestaltetes Umfeld zum Verweilen einladen. TV-Foto: Sarah München
Igel. In Igel steht ein Weltkulturerbe. Und niemand kann es sehen. Die Igeler Säule ist seit fast einem Jahr von einem Baugerüst umgeben. Die Restaurierungsarbeiten haben jedoch noch nicht begonnen. Für die Umfeldgestaltung gibt es schon konkrete Pläne. Sarah München

Igel. Wie ein Werk des Verhüllungskünstlers Christo ragt die Igeler Säule in den Himmel. Eingepackt in milchige Planen und umgeben von einem Gerüst, lässt sich das römische Grabmal nur noch erahnen. Die Werke von Christo verhüllen allerdings nur für ein paar Tage berühmte Bauwerke. Die Igeler Säule ist nun bereits seit rund einem Jahr verborgen. Als ursprünglicher Baubeginn war das Frühjahr 2014 genannt worden (der TV berichtete).
Abstimmungen laufen noch



Die Sanierung soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. Über den Beginn der Restaurierungsarbeiten gibt es beim Landesmuseum Trier "zum derzeitigen Zeitpunkt" keine Auskunft. Das sagt Frank Unruh, Pressesprecher des Landesmuseums. "In einigen Bereichen sind die notwendigen Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten Institutionen noch nicht abgeschlossen."
Für die Neugestaltung des Umfelds der Säule gibt es konkrete Pläne. In einer Gemeinderatssitzung hat der Igeler Rat dem Entwurf der Landschaftsarchitektin Silke Oeffling einstimmig zugestimmt (siehe Grafik). Der Entwurf sieht vor, das Gelände hinter der Säule und den Weg zur Kirche neu zu gestalten. Auch die Terrassen sollen angelegt und mit Bänken und Sandsteinblöcken versehen werden.
Möglich wird diese Umgestaltung nur, da der Privateigentümer das Gelände an die Gemeinde übergeben hat. Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig sagt, dass er sich "sehr bemüht habe, das Grundstück zu erwerben und der Rat sich zügig mit der Umsetzung befasst hat".
Im Protokoll der Sitzung des Gemeinderats heißt es: Die LAG Moselfranken hat einen Leader-Zuschuss in Höhe von rund 58 000 Euro bei Gesamtbruttokosten von rund 125 000 Euro bereitgestellt. Zusätzliche Landesmittel werden beantragt. Scharfbillig: "Wenn die Mittel genehmigt sind, können wir mit der Umgestaltung anfangen."
Ein schönes Umfeld reicht nicht aus, um die Besucher an die Igeler Säule zu locken. Scharfbillig ärgert sich über den aktuellen Zustand. Er hat keine Informationen über das Vorgehen und die Pläne des Landesmuseums. "Ich verstehe nicht, wieso dort seit einem dreiviertel Jahr noch nichts passiert ist. Die Touristen bekommen seit Monaten nur ein Gerüst zu sehen. Das ist wirklich erschreckend."
Meinung

Information tut Not
Das Geld ist genehmigt, das Gerüst steht. Die Sanierungsarbeiten an der Igeler Säule könnten morgen losgehen. Doch es passiert nichts. Für Außenstehende gibt es keinen triftigen Grund, die Arbeiten weiter hinauszuzögern. Denn bei dem Grabdenkmal handelt es sich um ein Weltkulturerbe. Und das muss nach den Richtlinien der Unesco als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden. Die Substanz der Säule ist gefährdet. Und womöglich werden die Schäden, je länger die Sanierung hinausgezögert wird, immer größer. Die Kosten werden vermutlich ebenfalls immer höher, je länger es dauert. Und wenn die Verantwortlichen sich bezüglich der Umsetzung noch uneinig sind, so sollten sie doch zumindest die Öffentlichkeit über den Stand der Dinge informieren. s.muenchen@volksfreund.deExtra

Goetheplatz: Der Platz vor der Säule wird Goetheplatz heißen. Das hat der Igeler Gemeinderat beschlossen. Die Benennung erinnert an einen Besuch Goethes im Jahr 1792. Goethe zeichnete die Igeler Säule und hat in der autobiografischen Schrift Kampagne in Frankreich darüber geschrieben: "Auf dem Wege von Trier nach Luxemburg erfreute mich bald das Monument in der Nähe von Igel. Da mir bekannt war, wie glücklich die Alten ihre Gebäude und Denkmäler zu setzen wussten, warf ich in Gedanken sogleich die sämtlichen Dorfhütten weg, und nun stand es an dem würdigsten Platze." müs