| 19:07 Uhr

Soziales
Wahnsinn erwünscht: Behinderte und nicht Behinderte spielen Theater

Sie organisieren das Theaterprojekt mit behinderten und nicht behinderten Jugendlichen (von links): Regisseur Florian Burg, Sozialmanagerin Franziska Müngersdorff und Jugendpfleger Dirk Marmann.
Sie organisieren das Theaterprojekt mit behinderten und nicht behinderten Jugendlichen (von links): Regisseur Florian Burg, Sozialmanagerin Franziska Müngersdorff und Jugendpfleger Dirk Marmann. FOTO: Albert Follmann
Zemmer/Schweich. Das Jugendprojekt von Schönfelderhof und Jugendbüro Schweich startet nach den Herbstferien mit drei Workshops. Ein Regisseur ist auch dabei. Von Albert Follmann
Albert Follmann

„Tage des Wahnsinns” – so haben der Schönfelderhof der Barmherzigen Brüder und das Jugendbüro der Verbandsgemeinde Schweich ihr ambitioniertes Theaterprojekt genannt, das demnächst anlaufen soll. Es wird mit Unterstützung des Dachverbands Gemeindepsychiatrie und der Aktion Mensch als eines von fünf bundesweiten Aktionen realisiert und spricht behinderte und nicht behinderte Jugendliche im Alter zwischen 16 und 27 Jahren an.

Am Hauptstandort des Schönfelderhofs bei Zemmer erläutern Sozialmanagerin Franziska Müngersdorff, der Trierer Regisseur und Theatermacher Florian Burg und der Jugendpfleger der VG Schweich, Dirk Marmann, was sich hinter dem Theaterprojekt verbirgt. Ziel sei es, dass sich die Teilnehmer mit ihren persönlichen Stärken, Ideen und Kompetenzen einbringen und sich austauschen, sagt Franziska Müngersdorff. Erkrankte und Nicht-Erkrankte sollen Verbindendes und Unterschiedliches entdecken und Abgrenzendes überwinden.

„Wir wollen dem Publikum ein Stück mit viel Gefühl präsentieren”, sagt Regisseur Florian Burg. Deshalb habe man auch das Oberthema „Wahnsinn” gewählt. Burg: „Jugendsprachlich hat das Wort eine positive Bedeutung. Ausdrücke wie ‚wahnsinnig schön‘ oder ‚Das ist der ganz normale Wahnsinn!‘ werden ja gerne benutzt.” Andererseits stehe der Begriff für die ganze Palette zwischen Alltagswahnsinn und klinisch-pathologischem Wahnsinn.

Das Theaterprojekt sei ein offener Prozess, der Input der Beteiligten unbedingt erwünscht. Burg war auch 2010 am Aeneis-Projekt im Rahmen der Antikenfestspiele in Trier beteiligt. Bürger aus dem Stadtteil Trier-Nord, darunter Alteingesessene und Migranten, hatten eigene Erfahrungen zu den Themen Flucht, Heimatlosigkeit, Armut und Neuanfang in ein vielbeachtetes Theaterstück einfließen lassen.

Das Jugendbüro Schweich habe sich auf Anhieb mit dem Theaterprojekt identifizieren können und gerne mitgemacht, sagt VG-Jugendpfleger Dirk Marmann. Diese inklusiven Ansätze verfolge man auch mit dem Schulprojekt „Tage für Vielfalt und Toleranz”. Marmann will in den nächsten Tagen Schulen in Schweich kontaktieren, um Jugendliche für die „Tage des Wahnsinns” zu gewinnen.

Angespochen sind nicht nur Schüler mit Bühnenerfahrung, etwa in Theater-AGs. Jeder sei willkommen, sagt Projektleiterin Franziska Müngersdorff. Auch hinter der Bühne, etwa für Kostüme, Technik, Soufflage oder die kommunikative Begleitung in den sozialen Medien, würden Helfer benötigt.

Die Projektgruppe soll sich in drei Workshops herauskristallisieren, die im Bürgerzentrum in Schweich stattfinden (siehe Info). Geleitet werden die Treffen von Regisseur Florian Burg, der den Teilnehmern neben der individuellen Schulung ihrer Bühnenkompetenz ein „sanftes Abgleiten in den Wahnsinn des Theaters” bieten möchte. Wer mitmache, verpflichte sich zu nichts, so Burg. Die Workshops könnten auch einzeln besucht werden. Die genauen Proben- und Aufführungstermine werden noch festgelegt.