| 17:19 Uhr

Seniorenheim in Kordel
Ums nötige Wasser für Löscharbeiten soll sich der Betreiber selbst kümmern

Das neue Seniorenheim in Kordel soll bald seinen Betrieb aufnehmen. Im Brandfall soll auch mit Wasser aus der Kyll gelöscht werden. Über die dafür notwendige Pumpe hat der Verbandsgemeinderat Trier-Land gestritten.
Das neue Seniorenheim in Kordel soll bald seinen Betrieb aufnehmen. Im Brandfall soll auch mit Wasser aus der Kyll gelöscht werden. Über die dafür notwendige Pumpe hat der Verbandsgemeinderat Trier-Land gestritten. FOTO: Friedemann Vetter
Langsur/Kordel. Wenn es im Seniorenheim Kordel brennt, muss zusätzlich Wasser herbeigeschafft werden. Eine dafür notwendige Hochleistungspumpe möchte der VG-Rat Trier-Land nicht haben. Von Harald Jansen
Harald Jansen

Wer schon einmal bei Möbel Martin in Konz war, der kennt die roten Hydranten, die rund um das weitläufige Gebäude platziert sind. An diese kann die Feuerwehr ihre Schläuche anschließen, damit bei einem Feuer ausreichend Wasser vorhanden ist. Solche zusätzlichen Entnahmestellen sind dann vonnöten, wenn das normale Leitungsnetz nicht genügend Wasser liefert. Um einige Nummern kleiner als der Bau in Konz ist das neue Seniorenheim in Kordel namens  Haus am Kyllufer. Dort gibt es keine roten Hydranten als Zapfstelle für die Feuerwehr. Eine Hochleistungspumpe soll nach dem Willen der zuständigen Projektentwicklungsgesellschaft mit Wasser aus der Kyll für ausreichend Druck auf den Schläuchen sorgen. Doch es gibt Ärger, weil die Verbandsgemeinde Trier-Land bei dieser Idee nicht mitspielen möchte.

Neben Bauleitplanung, Grundschulen und dem Bereich Wasser/Abwasser ist der Brandschutz die wohl wichtigste Aufgabe einer Verbandsgemeinde. Diese hat dafür zu sorgen, dass die Feuerwehren entsprechend technisch ausgestattet sind. Und dass beispielsweise beim Brand eines Hauses ausreichend Wasser vorhanden ist. Nämlich 800 Liter pro Minute. Dem ist auch in Kordel so. Nur handelt es sich beim neuen Seniorenheim, in das im neuen Jahr die ersten Bewohner einziehen sollen, nicht um ein normales Einfamilienhaus, sondern um ein größeres Anwesen. Laut Baugenehmigung der Kreisverwaltung Trier-Saarburg muss eine Löschwassermenge von mindestens 1600 Litern pro Minute über einen Zeitraum von zwei Stunden zur Verfügung stehen. Heißt unterm Strich, dass zu den von der VG zur Verfügung gestellten 800 Litern die in Bitburg beheimatete HP Projektentwicklungsgesellschaft mbH weitere 800 Liter pro Minute für den sogenannten Objektschutz sicherstellen muss.

Die Projektentwicklungsgesellschaft hat deshalb der Verbandsgemeinde folgendes Angebot gemacht: Sie schafft eine Pumpe mit dem klangvollen Namen Ziegler Ultra Power 4 Tragkraftspritze PFPN 10-1000/10-1500 an. Diese hat eine höhere Leistung als die normalerweise üblichen Pumpen. Die Kosten in Höhe von geschätzt rund 15 000 Euro sollen sich Kommune und Firma teilen. Die Pumpe soll  in den Besitz der Feuerwehr Kordel übergehen. Die soll für Wartung, Pflege und Ersatz zuständig sein.

Bei diesem Handel wollte laut Beschlussvorschlag für die Sitzung des Verbandsgemeinderats in Lang­sur die VG nicht mitmachen. Begründung: Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Trier-Land sieht keine Notwendigkeit, die Verantwortung für den Objektschutz zu übernehmen.

Sowohl Medard Roth (FWG, Ortsbürgermeister von Kordel) und Winfried Bindges (CDU) waren mit diesem Vorschlag nicht einverstanden. Beide argumentierten, das die VG auch an anderer Stelle den Objektschutz übernehmen würde. Unter anderem bei einer Schweinezucht und einem weiteren landwirtschaftlichen Betrieb. Bindges forderte, dsas Gespräch mit dem Investor zu suchen, um auf diesem Weg offene Fragen zu klären. Medard Roth: „Das Vorgehen der Verbandsgemeinde gibt mir zu denken.“ Er äußerte die Vermutung, dass die neue Pumpe vielleicht deshalb verhindert werden soll, weil dadurch möglicherweise ein anderes Feuerwehrfahrzeug für die Kordeler Wehr notwendig werde. Bisher ist geplant, dort ein Mittleres Tanklöschfahrzeug anzuschaffen. Eine gegenüber einer normalen Pumpe schwereres Modell könnte dazu führen, dass beispielsweise ein größeres Hilfeleistungslöschfahrzeug nötig wird.

Sowohl Bürgermeister Wolfgang Reiland als auch Wehrleiter Jürgen Cordie widersprachen der Darstellung des Ortsbürgermeisters. Sie warnten davor, freiwillig den Objektschutz für das Seniorenheim zu übernehmen. Von einem von der Neweler Wehr zu leistenden Objektschutz für einen Betrieb war ihnen nichts bekannt. Die 29 Jahre alte und kürzlich für 2500 Euro reparierte Pumpe der Kordeler Wehr halte aufgrund der wenigen Betriebsstunden „sicher noch etliche Jahre“. Redner von CDU oder SPD meldeten sich nicht zu Wort. Der Vorschlag, das Thema zu vertagen und zu verhandeln, fand keine Zustimmung. Mit 17 Ja-Stimmen bei vier Nein-Stimmen und acht Enthaltungen lehnte der Rat die Annahme der Pumpe ab.

Erwin Homes von der HP Projekt­entwicklungsgesellschaft mbH teilt auf Anfrage mit, dass er „in dieser Angelegenheit keinen Kommentar abgeben“ möchte. Deshalb ist derzeit nicht klar, wo die in der Baugenehmigung geforderte Wassermenge herkommen soll. Was feststeht, ist die Haltung der Kreisverwaltung. Dazu sagt Stephan Schmitz-Wenzel: „Falls die Bedingungen der Baugenehmigung nicht erfüllt sind, kann das Seniorenheim nur teilweise belegt werden oder möglicherweise überhaupt nicht eröffnet werden.“