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Unter dem Hammer: Igeler Brücke zu kaufen

FOTO: Hans Krämer
Igel. Sie wollten schon immer eine Brücke besitzen? Kein Problem. Ein Berliner Auktionshaus versteigert am 1. Juli im Auftrag der Deutschen Bahn die Hindenburgbrücke bei Igel. Die frühere Eisenbahnverbindung über die Mosel ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Von Albert Follmann

Das Berliner Auktionshaus Karhausen AG ist bekannt für die Versteigerung ungewöhnlicher Objekte. Schlösser und Wälder kamen schon unter den Hammer, ebenso Bahnhöfe und Brücken. Unter den 90 Immobilien, die Karhausen in seiner Sommer-Auktion am 1. und 2. Juli anbietet, befindet sich auch die "Hindenburgbrücke". Die Moselüberquerung von Igel nach Wasserliesch diente ausschließlich dem Bahngüterverkehr.

Kohlen für Luxemburg

Am 20. April 1912 sei die Linie Karthaus-Saarbrücken-Moselbrücke-Igel freigegeben worden, berichtet Eisenbahnhistoriker Robert Kohns aus Langsur-Metzdorf. Die neue Brücke sei gebaut worden, um die nur einen Kilometer moselabwärts gelegene Konzer Moselbrücke zu entlasten. Über diese Brücke wurden bereits ab 1861 Güter transportiert - überwiegend Kohlen- und Kokszüge. Die schweren Wagen mussten vom Bahnhof Konz-Karthaus in Richtung Luxemburg umständlich "nachgeschoben" werden. Das heißt, es waren zwei Lokomotiven im Einsatz, eine vorne und eine hinten. Das erübrigte sich nach Inbetriebnahme der neuen Fachwerkbrücke (siehe Extra zur Hindenburgbrücke). Züge konnten fortan schneller und damit wirtschaftlicher bewegt werden.

Offiziell hatte die Hindenburgbrücke keinen Namen, es waren die Bürger, die den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg als Namenspatron auserkoren. Während des Zweiten Weltkriegs, im Februar 1945, wurde die Brücke zerstört. Das Berliner Autionshaus Karhausen sagt, es sei bis heute nicht bekannt, ob die Brücke beim Rückzug von der deutschen Wehrmacht gesprengt oder von den Alliierten zerstört wurde. Helmut Schiffhauer aus Konz, ein Kenner der Eisenbahngeschichte des Trierer Raums, hat vom Militärarchiv Freiburg die Auskunft bekommen, dass die Hindenburgbrücke zwar für eine Sprengung präpariert gewesen sei, diese sei jedoch nicht ausgeführt worden. Laut Zeitzeugen sei die Brücke von der deutschen Wehrmacht selbst gesprengt worden und nicht von den Alliierten, sagt Daniel Karl vom Heimat- und Verkehrsverein Igel. Hier könnte allerdings auch eine Verwechslung mit der Konzer Eisenbahnbrücke vorliegen.

Für den Verteidigungsfall waren an den gemauerten Brückenenden auch Unterkünfte für Wachpersonal vorhanden, inklusive Schießschächten. Am 5. Dezember 1953 wurde das Schicksal der Hindenburgbrücke endgültig besiegelt. Es wurde entschieden, sie nicht wieder aufzubauen.

Nutzung als Museum?

Die Überreste der Brücke sind noch heute zu sehen: Vier aus Ziegelsteinen gemauerte, gut erhaltene Brückenbögen, 75 Meter lang und sechseinhalb Meter hoch. Wer auf dem unmittelbar neben der Restbrücke verlaufenden Radweg unterwegs ist, dem fällt insbesondere der mächtige Brückenkopf mit Widerlager auf.

Nun also die Versteigerung. Doch wer braucht eine Brücke? Und wofür? Der leitende Auktionator Matthias Knake glaubt, dass sich ein "kreativer Investor" findet: "Es sind vielfältige Nutzungen denkbar, die den historischen Bezug berücksichtigen." Für Knake ist eine touristische oder museale Nutzung denkbar. Eine wirtschaftliche Verwertung hält er angesichts der Uferlage für unwahrscheinlich. Alle Maßnahmen müssten mit dem Denkmalschutz und der Bauaufsichtsbehörde vorher abgestimmt werden. Nach Mitteilung der Kreisverwaltung steht die Brücke nicht unter Denkmalschutz.

Unter den Hammer kommt neben der Restbrücke auch das dazugehörige Grundstück von 11.152 Quadratmetern Größe. Eigentümer ist die Deutsche Bahn AG.
Das Mindestgebot liegt bei 10.500 Euro (zuzüglich Courtage). Näheres zu den Auktionsmodalitäten im Kästchen links.

Die Hindenburgbrücke wurde nach fünf Jahren Bauzeit im Jahr 1912 für den Güterverkehr freigegeben. Die Fachwerkbrücke hatte eine Länge von 221 Metern. Von der Reiniger Seite (Wasserliesch) wurden zwei Stahlbögen über die Mosel gebaut, auf der Igeler Seite wurde in Steinbauweise gearbeitet. Der Pfeiler in der Flussmitte wurde 1960 im Zuge des Ausbaus der Mosel zur Schifffahrtsstraße geborgen. alf

Auktionshaus
Das Auktionshaus Karhausen AG versteigert am 1. Juli in Berlin die Reste der Hindenburgbrücke. Insgesamt kommen am 1. und 2. Juli 90 Immobilien aus Deutschland unter den Hammer, darunter 20 Bahnhofe. Interessenten können sich als Telefonbieter registrieren lassen. Exposé und Katalog über Telefon 030/8904856 oder www.karhausen-ag.de Auch Besichtigungstermine sind möglich. alf

Hindenburgbrücke
Brücken haben bei Auktionen offenbar einen Lauf. Wie Matthias Knake vom Auktionshaus Karhausen AG mitteilt, erwarb ein Architekt eine Brücke, die über einen Seitenarm des Rheins führt, für 60.000 Euro. Das Einstiegsgebot lag bei 18.000 Euro. Ein Niederländer hat die Elbbrücke Dömitz, eine Eisenbahnbrücke, für 305.000 Euro ersteigert. Das Mindestgebot lag bein 19.800 Euro. alf