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Wachsender Widerstand gegen Riesenrotoren

Fell. In der Gemeinde Fell wächst der Widerstand gegen geplante Windkraftprojekte. Immer mehr Bewohner des Feller Tals lehnen den Bau von zwölf Riesenwindmühlen in ihrem Umfeld ab und schließen sich der Initiative "Gegenwind" an. Im nächsten Schritt soll ein Verein gegründet werden. Friedhelm Knopp

Fell. Die Feller Windkraftgegner wollen einen Verein gründen und planen ein Bürgerbegehren gegen die positiven Windkraftbeschlüsse des Feller Gemeinderates. Dies erklären Vertreter der Bürgerinitiative (BI) "Gegenwind" im Gespräch mit dem TV. Das Windkraftthema beschäftigt die Bewohner Fells schon seit über zehn Jahren. Damals begann in der Nachbargemeinde Waldrach der Bau eines Windparks. Vergeblich versuchte die Gemeinde auf dem Rechtsweg, den Bau von sechs Anlagen mit 100 Metern Rotorhöhe zu verhindern. Mit den Jahren gewöhnten sich die Feller an die Windmaschinen über ihrem Tal, zumal ihre Geräuschentwicklung geringer war als zunächst befürchtet. Bewohner sehen sich umstellt

Als der Waldracher Windpark ab 2011 aber Zuwachs von vier 200-Meter-Riesen bekam - doppelt so hoch wie der Altbestand - wurden in Fell erste Stimmen laut. Nach weiteren Windkraftentscheidungen der Gemeinderäte Fell und Riol regte sich der Widerstand: Riol will auf der Höhe fünf Riesenwindmühlen genehmigen, und der Feller Gemeinderat sprach sich für vier weitere Großanlagen auf der eigenen Gemarkung aus.Einige Feller sahen sich schon von Riesenwindmühlen umstellt und gründeten 2012 die BI "Gegenwind". Die Aktivitäten der Gruppe beschränkten sich nicht auf die wöchentlichen Treffen. Zu einer Infoveranstaltung im Herbst erschienen rund 140 Besucher. Über 50 davon schlossen sich spontan der BI an (der TV berichtete). "Neben regelmäßigen Gesprächen mit dem Naturschutzbund (Nabu) gab es auch schon Kontakte mit dem Landtagsausschuss für Umwelt und Landwirtschaft", erklärt BI-Sprecher Erwin Britz im Gespräch mit dem TV. Die Mainzer hätten sondieren wollen, welche Auswirkungen auf Umwelt und Natur von den Projekten zu erwarten seien. Inzwischen hat die BI auch massenweise tierische Helfer gefunden - es sind die Fledermäuse. Laut Nabu ist das Feller Nossertal eine besonders artenreiche Heimstätte der nützlichen Flugsäuger (der TV berichtete). Helmut Schneiders von der BI: "Das Auftreten der Mopsfledermaus im Osburger Hochwald dürfte die dortigen Windkraftpläne mit Sicherheit beendet haben. Wir verlangen nun eine entsprechende Prüfung der Fledermauspopulation auch für das Nossertal." Beim nächsten großen Treffen der BI am 3. Februar soll ein Verein gegründet werden. Hinzu kommt ein Info-Programm über die Auswirkungen der Windkraft in Fell. Beleuchtet werden die Bereiche Lärmemission, Landschaftsbild, Naturschutz und Wertminderung von Immobilien.Meinung

Kalter Wind auf der HöheDer Feller Widerstand gegen einen möglichen Windkraftwildwuchs rund um den Ort gewinnt Konturen. Voraussichtlich am 3. Februar wird sich die Bürgerinitiative "Gegenwind" zum eingetragenen Verein formieren und damit als sogenannte juristische Person klagefähig werden. Beachtlich ist auch der Zuwachs an Gegnern: 2012 hatten sich zunächst zehn Anwohner zur Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Der neue Verein "Gegenwind" dürfte voraussichtlich mit mehr als 100 Mitgliedern starten. Unter diesen Vorzeichen geraten die Windkraftpläne der Gemeinde Fell zunehmend ins Wanken. Die Aussichten der Gegner steigen, bei einem Bürgerentscheid die 20-Pozent-Hürde zu knacken und die Windenergieträume des Feller Gemeinderats zu kippen. Nicht möglich ist ein direktes Bürgerbegehren gegen die Pläne im Nachbarort Riol - in dem Fall jedoch, dies zeichnet sich schon heute ab, wird der neue Verein von seinem Klagerecht Gebrauch machen. Der Wind über den Feller Höhen pfeift spürbar stärker und kälter … f.knopp@volksfreund.deExtra

Der Feller Ortsbürgermeister Rony Sebstiani sagte am Montag auf Anfrage: "Zu der Vereinsgründung gebe ich keine Stellungnahme ab - das ist Privatsache der Initiatoren. Die Ortsgemeinde hält jedenfalls an ihrem Beschluss zum Ausbau der Windkraft fest." Mit einem Bürgerbegehren können die Bürger einer Gemeinde in wichtigen Angelegenheiten einen Antrag auf Bürgerentscheid stellen (im Falle von Fell wäre dies die Forderung, auf den Bau von Windrädern innerhalb der Gemarkung zu verzichten). Das Bürgerbegehren ist schriftlich an die Verwaltung einzureichen und muss in Rheinland-Pfalz von mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten in der Gemeinde unterzeichnet sein (maßgeblich ist die Zahl der Wahlberechtigten bei der letzten Wahl). Ist es den Initiatoren eines Bürgerbegehrens gelungen, die notwendige Anzahl Unterschriften zu sammeln, wird das Begehren dem Rat zur Entscheidung vorgelegt. Lehnt der Rat das Bürgerbegehren (den geforderten Verzicht auf Windräder) mehrheitlich ab, kommt es zum Bürgerentscheid. Beim Bürgerentscheid stimmen die Bürger dann direkt über die fragliche Sache (hier: Windradbau oder nicht) ab. Um die vom Feller Gemeinderat beschlossenen Windkraftpläne zu verhindern, müssen sich mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten dagegen entscheiden. f.k.