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Wahl
Fahnder fordert neue Töne

Er möchte es wissen: Lothar Zengerling kandidiert für das Amt des Bürgermeisters.
Er möchte es wissen: Lothar Zengerling kandidiert für das Amt des Bürgermeisters. FOTO: Medienhaus Trierischer Volksfreund / Harald Jansen
Welschbillig. Bürgermeisterwahl VG Trier-Land: Lothar Zengerling (CDU) hat 31-mal Bürger eingeladen. Von Harald Jansen
Harald Jansen

Ums Haus am Rand von Welschbillig herum wuseln die Maler. Hausherr Lothar Zengerling sagt „Die Maler sind vom Helenenberg.“ Zum dortigen Jugendhilfezentrum hat er seit Jahren gute Kontakte. Der Musik wegen. Und wenn man es so will, ist die Musik auch eine Ursache dafür, warum der 61-Jährige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land werden will.

Um das zu verstehen, muss man die Zeit ein paar Jahre zurückdrehen. Damals haben sich in der damaligen Trierer Robert-Schuman-Realschule der aus dem Stadtteil Biewer stammende Lothar Zengerling und der Ehranger Wolfgang Reiland zum ersten Mal getroffen. Beide wissen damals zwar nicht, dass der eine einmal Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land werden wird und der andere Zollfahnder. Doch die beiden Schüler sind sich offenbar sympathisch. Und sie verbindet eine Leidenschaft: die Musik. Und so gründen sie 1974 die Band Les Troubadours und machen Tanzmusik. Klavier und Akkordeon sind Zengerlings bevorzugte Instrumente.

Irgendwann ist dann der Beruf wichtiger geworden als die Musik, sagt der Vater einer Tochter. Doch der Kontakt zum Musikerkollegen ist nie abgerissen. Und so wird 2003 Zengerling Teil von Reilands Wahlkampfteam. „Zu diesem Zeitpunkt war ich noch gar kein CDU-Mitglied“, sagt Zengerling. Das kam später.

2005 fragt dann Reiland bei Zengerling an, ob der sich nicht um die Musikstiftung Trier-Land kümmern will. Das tut der dann auch. Das Ergebnis sind die jährlich in Welschbillig stattfindenden Rock-und-Pop-Workshops, die großen Anklang finden „Da sind unter anderem zehn Bands entstanden“, sagt Zengerling, dem man anmerkt, wie sehr ihm das Projekt am Herzen liegt. Geprobt wird dabei auch in Räumen der Jugendhilfeeinrichtung.

Stichwort Jugend: Es gibt wohl eher wenig Menschen, die mit 61 Jahren sich noch einmal beruflich so stark umorientieren wollen. Dazu stellt Zengerling klar: „Ich trete an, um eine komplette Amtszeit zu absolvieren.“ Er kandidiere sicher nicht, um sich nach zwei Jahren gemütlich in den Ruhestand zu verabschieden. „Das ist mir sehr wichtig“, sagt der Christdemokrat.

Eigentlich sahen Zengerlings kommunalpolitische Pläne anders aus. Derzeit ist er erster Beigeordneter seiner Heimatgemeinde. Bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr wollte er Ortsbürgermeister werden. Dieser Plan liegt natürlich derzeit auf Eis, sagt der Welschbilliger, der diplomierter Finanzwirt und Betriebswirt ist. Aufgrund seiner Erfahrungen als Beigeordneter möchte er als Bürgermeister unter anderem die Kommunikation zwischen Ortsgemeinde und Verbandsgemeinde verbessern. „Die Entscheidungsträger wissen oft nicht, was an der Basis los ist.“

Was die Bürger bewegt, hat er bei einer Tour durch die Orte der Verbandsgemeinde erlebt. Dabei hat er nicht auf den Haustürwahlkampf gesetzt. „Ich will mich nicht aufdrängen“, sagt Zengerling. Er ist deshalb einen anderen Weg gegangen und hat zum Gespräch eingeladen. „Dabei habe ich viele Dinge erfahren, von denen ich sonst nie etwas gehört hätte.“ Außerdem veranstaltet er mehrere Runden, bei denen Fachleute über Themen informieren.

Und was macht Zengerling, wenn es mit dem Bürgermeisteramt nicht klappt? Darüber will er derzeit nicht nachdenken. Eher darüber, was mit den Rock-und-Pop-Workshops passiert, wenn er Bürgermeister wird: „Es gibt mehrere frühere Teilnehmer, die künftig die Organisation übernehmen wollen.“