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Wetter
So kämpfen hier die Menschen gegen den Frost (Bilder, Video)

Konz/Trier/Saarburg. In einer Kühltruhe ist es derzeit gefühlt wärmer als im Freien. An Straßenbau ist da nicht zu denken. Doch der Frost hat auch seine guten Seiten. Pauline Leis

Sonne, klarer, blauer Himmel, Vogelgezwitscher. Schaut man in den Kalender, könnte man denken, der Frühling sei unterwegs. Doch dann: Der Wind peitscht um einen herum, der frisch gefallene Schnee knirscht unter den Schuhen, Frost überzieht den Asphalt, Menschen frieren, Körper zittern, eingehüllt in wärmende Winterkleidung, der Atem bläst Wolken in die Luft. Der TV hat nachgefragt, welche Folgen die Kälte hat.

Eiszeit in Trier und in der Region FOTO: Medienhaus Trieirscher Volksfreund

Bauarbeiten: Bei den Sanierungsarbeiten des Burgturms der Saarburg herrscht aktuell Stillstand. Seit ungefähr zwei Wochen, sagt Hans-Jürgen Theisen, Geschäftsführer der Firma Bautenschutz GmbH. Morgens sollten es bereits plus fünf Grad Celsius sein, um Arbeiten auf dem Gerüst ausführen zu können. Seine Mittel gegen die Kälte: warme Schutzkleidung und warme Aufenthaltsräume. Während der unfreiwilligen Arbeitspause nehmen die Arbeiter wie in vielen anderen Betrieben der Baubranche Resturlaub oder sie erhalten Schlechtwettergeld. Michael Schmitz, Sprecher der Stadtverwaltung Trier, sagt, dass die Kältepausen in der Regel in dem Zeitplan der Bauprojekte einkalkuliert seien.

Für Klaus Bartschat aus Föhren ist der Winter noch nicht vorbei. Er deckt sich noch mit Brennholz ein.
Für Klaus Bartschat aus Föhren ist der Winter noch nicht vorbei. Er deckt sich noch mit Brennholz ein. FOTO: Albert Follmann

Frank Barthel, Geschäftsführer der Firma Köhler Straßenbau GmbH & Co. KG aus Trier, sagt, dass derzeit nicht gebaut werden kann. Grund: Die Mischanlagen könnten bei den Minuswerten keinen Asphalt mischen. „Außerdem verhindert der gefrorene Untergrund das Aufsetzen einer neuen Schicht“, sagt Barthel. Er berichtet jedoch, dass die Arbeiten beim Erdbau wie gewohnt vorangehen.

Winzer Dirk Marmann vom Weingut Marmann-Schneider schneidet bei eisiger Kälte Reben in der Lage Schweicher Annaberg.
Winzer Dirk Marmann vom Weingut Marmann-Schneider schneidet bei eisiger Kälte Reben in der Lage Schweicher Annaberg. FOTO: Albert Follmann

Wald: Die Kälte ist nicht für jeden ein Fluch. Im Forst ist der Frost durchaus ein Segen. Das  sagt Helmut Lieser, Leiter des Forstamts Saarburg. Nach den nassen Wintermonaten sei der Frost nun hilfreich. Weil es so nass war, seien einige Waldstücke nicht befahrbar gewesen.  Die Frostperiode ermöglicht nun das Fällen von Bäumen und die Verarbeitung des Holzes.

Bei bis zu minus 10 Grad Celsius müssen auch die Hochwälder am Dienstag ganz schön bibbern.
Bei bis zu minus 10 Grad Celsius müssen auch die Hochwälder am Dienstag ganz schön bibbern. FOTO: Christa Weber

Lieser: „Der Frost nützt neben den Holzerntearbeiten ebenso zur Schädlingsreduzierung.“ Von einem Nachteil der Kälte spricht Lieser bei den Pflanzarbeiten. Eingefrorene Pflanzen aus den Baumschulen und eingefrorene Böden machten das Arbeiten schwierig.

Die Mattheiser Weiher in Trier sind fast vollständig zugefroren. Trotz der eisigen Temperaturen sind Spaziergänger unterwegs.
Die Mattheiser Weiher in Trier sind fast vollständig zugefroren. Trotz der eisigen Temperaturen sind Spaziergänger unterwegs. FOTO: Harald Jansen

Landwirtschaft und Weinbau: Die kurze und heftige Kältephase sei grundsätzlich gut, sagt der Kreisvorsitzende des Bauern- und Winzerverbands Trier-Saarburg, Walter Clüsserath. Durch den Frost werde die Vegetation zurückgehalten. Laut Clüsserath stelle die Kälte keinerlei Probleme für den Weinbau dar, wobei es im Bereich der Landwirtschaft eventuell zu Problemen kommen könnte. So können Auswinterungsschäden des Getreides dort auftreten, wo kein Schnee liegt.

Winzer Dirk Marmann (46) vom Weingut Marmann-Schneider aus Schweich halten die eisigen Temperaturen nicht vom Arbeiten im Weinberg ab. Im Gegenteil. Die Bedingungen für den Rebschnitt sind gut. „Dieses Wetter kommt uns entgegen“, sagt Marmann. „Dann kommt der Austrieb nicht so früh, und die Gefahr für Spätfroste ist nicht so groß. Außerdem sorgt der Frost für eine gute Bodenstruktur.“

Obdachlose: Das Sozialamt der Stadt Trier, so Pressesprecher Schmitz, konzentriert sich derzeit auf Menschen ohne feste Wohnung. Die zwei Streetworker, begleitet vom kommunalen Vollzugsdienst, sind öfter als sonst nachts unterwegs und suchen Plätze auf, an denen sich Obdachlose aufhalten könnten, beispielsweise unter Brücken, in Vorräumen von Banken und an einigen Stellen in der Fußgängerzone. Schmitz: „Derzeit sind alle Obdachlosen, von denen wir Kenntnis haben, im Benedikt-Labre-Haus regelmäßig zur Übernachtung zu Gast.“

Der dortige Einrichtungsleiter Werner Schultze spricht von einem Zulauf an Hilfebedürftigen. Vorallem am vergangenen Wochenende seien fünf Menschen zusätzlich gekommen, die das Angebot der Einrichtung nutzen wollten. Schultze sieht die Einrichtung mit 23 verfügbaren Betten als gut ausgestattet und vorbereitet an. Notbetten bieten auch Platz für zusätzliche Hilfebedürftigte. „Unseren Streetworkern ist das sehr wichtig: Niemand muss in Trier draußen übernachten, es gibt ausreichende Kapazitäten, jedem ein Bett zu bieten“, sagt Michael Schmitz.

Mobilität: Das großzügige Ausbringen von Salz auf die Straßen hat sicher dazu beigetragen, dass es abgesehen von einigen Unfällen relativ ruhig geblieben ist. Die Folge davon sind jedoch Fahrzeuge, deren eigentliche Farbe unter einer Salzschicht fast nicht mehr zu erkennen ist. Dagegen hilft nur eine Autowäsche. Doch darf man das überhaupt bei Frost? Dazu sagt Guido Malburg, der in Hermeskeil eine Autowaschanlage betreibt: „Grundsätzlich muss man bei diesen Temperaturen gut aufpassen.“ Er rät dazu, gegen Mittag in die Waschanlage zu kommen. „Wir hatten in Hermeskeil diese Nacht minus 13 Grad“, sagt Malburg. Wenn man da trotzdem am Abend sein Auto wäscht, könne man am folgenden Morgen möglicherweise eine unangenehme Überraschung erleben.

Skifahren: Kalte Temperaturen, Neuschnee, aber der Liftbetrieb am Dollberg bei Neuhütten bleibt eingestellt. Möglicherweise, sagt Bernd Rüdenauer, Vorsitzender des Skiclubs Dollberg, öffne der Liftbetrieb am Samstag – falls das Wetter so bleibe. Der Hochwälder Rüdenauer nimmt die niedrigen Temperaturen gelassen: „Minus elf Grad waren es heute Morgen, doch Skifahrer sind solche Temperaturen gewöhnt. Der kalte Ostwind ist aber schon unangenehm.“

Am bislang kältesten Tag des Jahres: Trier macht Dampf.
Am bislang kältesten Tag des Jahres: Trier macht Dampf. FOTO: Roland Morgen / Medienhaus Trierischer Volksfreund