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Infrastruktur
Windstrom saust ab 2020 unter der Erde von Thalfang nach Osburg

Die Projektleiter Bernd Kirsch und André Stegmann sowie Westnetz-Regionalleiter Jürgen Stoffel und Landrat Günther Schartz (von links) beim symbolischen Spatenstich für den Netzausbau im Hochwald.
Die Projektleiter Bernd Kirsch und André Stegmann sowie Westnetz-Regionalleiter Jürgen Stoffel und Landrat Günther Schartz (von links) beim symbolischen Spatenstich für den Netzausbau im Hochwald. FOTO: Albert Follmann
Osburg/Thalfang. Westnetz gibt den offiziellen Startschuss für den Netzausbau im Hochwald. Das Erdkabel ist 17 Kilometer lang und wird in 1,50 Meter Tiefe verlegt. Von Albert Follmann
Albert Follmann

Die Bagger graben schon seit September, doch nun wurde auch offiziell der Startschuss für den Netzausbau im Hochwald gegeben. Die Firma Westnetz, eine Tochter von Innogy (früher RWE), verlegt ein Erdkabel von Osburg nach Thalfang (Strecke siehe Grafik).

Die etwa 17 Kilometer lange und rund 19 Millionen Euro teure 110-Kilovolt-Verbindung wird benötigt, um überschüssige Windkraft-Energie vom Einspeisepunkt Thalfang zur Umspannanlage bei Osburg zu transportieren. Das bestehende Verteilnetz ist angesichts des starken Zuwachses an Windernergie im Hunsrück an seiner Kapazitätsgrenze angelangt.

Die Inbetriebnahme der neuen Verbindung sei für Mitte 2020 vorgesehen, teilte Projektleiter Bernd Kirsch anlässlich des Spatenstichs am Montagmorgen auf dem Gelände der Firma Josef Becker in Lorscheid mit. Ende 2016 hatte Westnetz die Entscheidung getroffen, das Kabel in die Erde zu legen und nicht oberirdisch zu führen. Für die landschaftsschonende, aber auch teurere Lösung hatten sich Bürger und Gemeinden der Region stark gemacht (der TV berichtete).

Trier-Saarburgs Landrat Günther Schartz sprach von einem innovativen technischen Verfahren, das wegweisend für die Energiewende sei. Schartz: „Man hat hier nicht auf den Euro geguckt und eine Lösung zum Wohl der Gemeinden gefunden. Das ist ein guter Anfang, aber es muss auch jedem klar sein, dass wir für den weiteren Leitungsausbau Zeit benötigen.”

Laut Jürgen Stoffel, Leiter des Regionalzentrums Trier der Westnetz, ist das Projekt eine planerische Herausforderung. Es sei das mit Abstand längste Kabel, das Westnetz je verlegt habe.

Netzausbau_Osburg_Thalfang
Netzausbau_Osburg_Thalfang FOTO: TV / Lambrecht, Jana

Details zur Umsetzung erläuterte Projektleiter Kirsch: Für die 17,3 Kilometer lange Erdkabel-Strecke werden Gräben von 1,50 Meter Tiefe und 1,70 Meter Breite ausgehoben – überwiegend auf öffentlichen Flächen (meist Wirtschaftswegen) und vereinzelt auf privaten Flächen. Westnetz hat die dafür erforderlichen Genehmigungen in Einzelverhandlungen bei Kommunen und Privatleuten erwirkt. Dies sei zwar aufwendig, bringe aber einen Zeitvorteil gegenüber einem mehrere Jahre dauernden Planfeststellungsverfahren, sagte Kirsch.

Eine technische Besonderheit ist der Flüssigbeton, in den die Rohre gebettet werden. Der Bodenaushub von den Gräben werde mit Wasser, gemahlenem Ton und Zement vermischt und wiederverwertet, erläuterte Michael Belz von der Firma Belz-Bau (Bonn). Dadurch könne Wasser in kristalliner Form im Boden gebunden werden. Das erhöhe die Wärmeleitfähigkeit.

Zunächst werden nur Leerrohre eingebaut. Anschließend werden die Gräben wieder verschlossen. Anfang 2020 werden die Kabel eingezogen. Von den sechs Kabelrohren werden drei tatsächlich mit Kabel befüllt, die anderen drei dienen als Reserve.

Oberhalb von Lorscheid liegen die Leerrohre für die Hochspannungsleitung schon unter der Erde. An drei Stellen wurde mit den Arbeiten begonnen.
Oberhalb von Lorscheid liegen die Leerrohre für die Hochspannungsleitung schon unter der Erde. An drei Stellen wurde mit den Arbeiten begonnen. FOTO: Albert Follmann