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"Wir können nur die Probleme abmildern"

Günther Schartz.TV-Foto: Archiv/Albert Follmann
Günther Schartz.TV-Foto: Archiv/Albert Follmann
Trier/Saarburg. Während Gemeinden an Saar und Mosel noch wachsen, stockt im Hochwald bereits jetzt die Nachfrage nach Baugrundstücken. Im TV-Interview erklärt Landrat Günther Schartz, wie die Kreisverwaltung Trier-Saarburg auf den demografischen Wandel reagiert.

Trier/Saarburg. Bis 2050 könnte der Landkreis Trier-Saarburg laut Statistischem Landesamt 16 Prozent seiner Einwohner verlieren (der TV berichtete). Mit Landrat Günther Schartz sprach unser Mitarbeiter Tobias Senzig.
Zukunft Der Region



Die Lebenserwartung steigt, und es werden immer weniger Kinder geboren. Welchen Folge hat das?
Günther Schartz: (lacht) Gegen den demografischen Wandel kann eigentlich jeder etwas tun. Aber im Ernst: Das Problem ist nicht nur die Rückläufigkeit der Einwohnerzahl, sondern auch die Altersentwicklung.

Warum entwickelt sich der Landkreis so ungleichmäßig?
Schartz: Damit sind wir kein Einzelfall - im Umkreis von Städten ist das oft so. Der städtische Raum profitiert auf lange Sicht. Wir müssen als ländliche Region dagegenhalten. Aber leider können wir gewisse Orte nicht in Wachstumszentren verwandeln, sondern nur die Probleme abmildern.

Müssen Sie in Zukunft Infrastruktur abbauen?
Schartz: Das hilft uns nicht. Gerade zum Abmildern der Abwanderungseffekte müssen wir Infrastruktur erhalten. Natürlich wird es irgendwann Grenzgrößen geben - aber man muss die Entwicklung nicht noch beschleunigen.

Welche Grenzgrößen sind das denn?
Schartz: In Waldweiler in der Verbandsgemeinde Kell waren nur noch fünf Kinder in der Grundschule in einem Jahrgang. Da kommen wir an einen Punkt, an dem wir sagen müssen: Das geht nicht mehr.

Was tun Sie, um den Wandel abzumildern?
Schartz: Jede Gemeinde hat ihr eigenes Programm. Über die Stiftung Zukunft in Trier-Saarburg steckt der Kreis Geld in gemeinnützige Projekte und Dorferneuerungsprogramme. Außerdem wollen wir die dezentrale Pflege und die medizinische Versorgung im ländlichen Raum verbessern.

Baut der Landkreis zu sehr auf die Nähe zu Luxemburg?
Schatz: Wir haben auch eigene Unternehmen. Aber Luxemburg ist ein Faktor, auf den wir vertrauen können. Die Luxemburger können schnell und effektiv Entscheidungen treffen.

Gibt es Integrationsprobleme in den Gemeinden mit den hohen Zuwächsen?
Schartz: Der Wandel hat zwei Seiten. Wer sich entwickeln kann und nicht will - der ist am schlechtesten beraten. Die Zuwanderer, die sich bei uns ansiedeln, haben einen gewissen Ausbildungsgrad und sind beschäftigt. Da kommen keine gesellschaftlichen Randgruppen.

Trotzdem scheint es in einigen Dörfern Probleme zu geben.
Schartz: Die Leute kommen nicht in ein Dorf, treten dem Fußballverein und dem Gesangsverein bei und bauen nach zwei Jahren ein Haus - sondern umgekehrt. Integration braucht Zeit, aber sie wird passieren. Das sind Erfahrungen, die ich in meinem Heimatort Wincheringen selbst gemacht habe. sen