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Zuhörer applaudieren den Pumpspeicherplanern

Voller Saal: Interessiert verfolgen über 300 Zuhörer die Vorstellung des Kraftwerkprojekts. TV-Foto: Klaus Kimmling
Voller Saal: Interessiert verfolgen über 300 Zuhörer die Vorstellung des Kraftwerkprojekts. TV-Foto: Klaus Kimmling
Schweich-Issel. Das Pumpspeicherprojekt der Stadtwerke Trier hat seinen ersten öffentlichen Test bestanden: Bei der Präsentation ihrer Pläne am Dienstag in Schweich stießen die Stadtwerker auf überwiegend freundliche Resonanz. Friedhelm Knopp

Schweich-Issel. Die Stadtwerke Trier (SWT) haben in die ICV-Halle in Schweich-Issel geladen, und viele kommen. Die Öffentlichkeit soll aus erster Hand über den Stand des Pumpspeicherprojekts informiert werden. Der riesige Energiespeicher auf den Moselhöhen zwischen Schweich und Ensch wäre das größte Projekt, das die SWT in ihrer fast 100-jährigen Geschichte angefasst hätten.
Ein leichtes Lampenfieber ist dem Stadtwerketeam mit SWT- Vorstand Olaf Hornfeck, Projektentwickler Rudolf Schöller, Assistentin Sandra Folz und Landschaftsplaner Bernhard Gillisch anzumerken, denn eine unausgesprochene Frage schwebt im voll besetzten Raum: "Wie wird das Publikum, wie werden die Bewohner der unmittelbar vom Projekt betroffenen Orte die Sache aufnehmen?"
Vorschusslorbeeren kommen von der Verwaltungsseite. "Was erneuerbare Energie betrifft, sind wir in der Verbandsgemeinde Schweich besonders gut aufgestellt und begrüßen das Projekt, auch wenn rund 120 Hektar Ausgleichsfläche noch einige Anstrengungen erfordern werden", erklärt Beigeordneter Erich Bales in Vertretung von Bürgermeisterin Christiane Horsch, die sich wegen eines Trauerfalls entschuldigen musste. "Das ist nicht nur ein Schweicher Thema, sondern das geht die ganze Region an. Und alle können daran letztlich nur gewinnen", sagt Landrat Günther Schartz.
SWT-Chef Hornfeck dankt für das hohe Interesse, spricht von einem "Projekt über viele Jahre" das die SWT nicht alleine stemmen können. Man sei auf finanzielle Partnerschaften angewiesen und hoffe auf Beteiligungen der Kreise und Kommunen, aber auch der Bürger und heimischer Unternehmen, sagt Hornfeck.
Als das Projektteam Schöller, Folz und Gillich ansetzt, die Details von Bauphase, Speichertechnik und der beiden Seen (TV vom Mittwoch) zu erläutern, hebt lauter Protest an. Ein einzelner Zuhörer fordert das Wort, spricht von Naturzerstörung, Größenwahn, Geldgier und kündigt ein "Stuttgart 21 an der Mosel" an. Kippt die positive Grundstimmung nun? Sie kippt nicht - der Protestler findet keinen Rückhalt, das Publikum murrt und fordert Ruhe. Ein zweiter Vorstoß des Protestlers wird vom Projektteam zurückgewiesen - der Mann verstummt und geht.
Als anschließend die Zuhörer das Wort haben, bilden sich zwei Frageschwerpunkte. Einer davon überrascht nicht: "Welche optische und technische Auswirkung werden die beiden Speicherseen haben? Nicht alle scheinen ganz froh mit der Vorstellung an die künstlichen Seen auf dem Hummelsberg und im Kautenbachtal - dies ist spürbar. Aber auch die Bezeichnung "Kautenbachstausee" kommt in der Diskussion spontan auf - das Kind hat nun auch schon einen Namen.
Überraschend häufig sind die Fragen nach einer Bürgerbeteiligung. Doch SWT-Vorstand Hornfeck muss die Frager "in dieser frühen Phase" vertrösten: "Sicher ist heute nur, dass heimische Anleger den Vorrang haben werden." Wie die Beteiligungsmodelle im Einzelnen aussehen könnten, stehe in dieser Frühphase noch nicht fest.
Dann danken die Planer, und lauter wie langer Applaus beschließt den Abend.Meinung

Die Ruhe könnte trügerisch sein
Die Premierenvorstellung des Pumpspeicherprojekts ist trotz einzelner Pfiffe gelungen. Die Informationspolitik der Initiatoren beginnt sich auszuzahlen: alles offen auf den Tisch - etwa die unbequeme Tatsache, dass ein 60 Meter hoher Damm gebaut werden soll. Bezeichnend ist auch die oft gestellte Frage der Zuhörer nach künftigen Beteiligungsmöglichkeiten. Wer so fragt, will kein Großprojekt verhindern, sondern daran partizipieren. Eine trügerische Ruhe? Es wäre jedenfalls unwahrscheinlich, wenn sich bei einem Vorhaben dieser Ausmaße nicht auch Gegner einfinden würden. f.knopp@volksfreund.deExtra

Erstmals haben die SWT in der Öffentlichkeit auch ein grobes Finanzierungsmodell für das Pumpspeicherprojekt aufgezeigt. Dabei ging SWT-Chef Hornfeck von 450 bis 500 Millionen Euro Gesamtkosten aus. Dies sei eher realistisch als die bisher genannten 400 Millionen. Die Finanzierung sieht der SWT-Chef wie folgt: Wenn man von 500 Millionen Euro ausgehend 80 Prozent kreditfinanziert, sind mindestens 100 Millionen Euro Eigenkapital mitzubringen. Diese Summe können die SWT nur zu 25 Prozent aufbringen. Die restlichen 75 Prozent müssen von Partnern finanziert werden. Genannt werden Kommunen, Firmen und private Kleinanleger. Welche Auswirkungen wird ein jahrelanger Baustellenbetrieb (voraussichtlich 2015 bis 2020) auf die umliegenden Orte haben? Bei dieser Frage verweisen die Planer auf ihr Konzept einer "abgeschlossenen Baustelle". Dazu sollen die Baustelle und das spätere Kraftwerk bei der Auffahrt Schweich unmittelbar an die A 1 angeschlossen werden. So lassen sich nach dem Willen der Planer während der mehrjährigen Bauphase schwere Beeinträchtigungen der Anrainerorte vermeiden." Tausende Tonnen Aushub aus den Untertagebaustellen für die Stollen und Kavernen könnten unmittelbar im Baustellenbereich wieder für die Dammkronen der Becken verwendet werden. Das andere Baumaterial werde direkt über die A 1 herantransportiert. Projektplaner Schöller: "Das wird eine in sich geschlossene Baustelle. Kein Schwertransport und kein Baustellenlaster muss die umliegenden Orte durchfahren."