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Zum Unterricht ins Hirtenhaus

Thomm. Heimatforscher und Chronist Dittmar Lauer präsentiert im Gasthaus zur Post vor über 100 interessierten Besuchern die Schule Thomm von 1778 bis zur Schließung. Mit dem ersten Teil der Ortschronik gibt er einen Einblick in sein Wirken. Renate Scherf-Pitzing

Thomm. Über die Geschichte seines Dorfes Thomm schreibt der Heimatforscher Dittmar Lauer eine Chronik. Der Arbeitskreis Dorfchronik, der Heimat- und Verkehrsverein sowie die Ortsgemeinde initiierten die erste Präsentation dieser Chronik. Ortsbürgermeister Hans-Peter Michels überraschte der große Ansturm. Es musste noch nachbestuhlt werden. Selbst Mitglieder des Jugendclubs ließen sich den Vortrag nicht entgehen. Michelle Antretter umrahmte den Abend mit Musikstücken auf der Querflöte und die Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins, Hannelore Weber, las zwei Mundartstücke zu Gegebenheiten in der Vergangenheit vor.
Mageres Lehrergehalt


Hauptakteur des Abends war Dittmar Lauer aus Kell, der Recherchen im Ort, in Archiven in Trier und in Berlin betreibt, damit Vergangenes nicht verloren geht und vergessen wird. Ortsbürgermeister Michels brachte es auf den Punkt: "Es war höchste Zeit mit der Ortschronik anzufangen, da bereits viele Zeitzeugen nicht mehr zur Verfügung stehen." Mit Lauer hat er einen Experten für diese Aufgabe gefunden. Der Chronist sagt: "Als junger Mann hatte ich zwei Berufsziele. Ich wollte Historiker oder Architekt werden. Letztendlich wurde die Architektur mein Hauptberuf und die Erforschung der Historie meiner Heimat mein Hobby."
Aktuell schreibe er noch an der Chronik von Hinzert-Pölert. Zwei seiner bisherigen Bücher behandeln als große Schwerpunkte die Hexenverfolgung im Trierer Land und die Herrschaft Dagstuhl. So habe er über das Leben und Wirken des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Philipp von Sötern geschrieben. Quellenangaben seien ihm sehr wichtig, denn nur so könne man Geschichte schreiben.
In seinem Vortrag berichtet er über die Geschichte der Thommer Schule von den Anfängen, als die Kinder noch im Hirtenhaus unterrichtet wurden, bis zu den Erweiterungen der Schule, da die Schülerzahl stetig stieg. Die Lehrer wurden aus der Gemeindekasse bezahlt. Doch das Loch in den Kassen zwang die Lehrer oft, das magere Gehalt mit einer weiteren Tätigkeit aufzubessern.
Alte Fotos und Zeichnungen von Simon Schabo, sowie kleine Episoden untermalten seinen Vortrag. Er präsentierte Bilddokumente von dem Lehrer, der am längsten und der Lehrerin, die am kürzesten an der Schule unterrichtet hatten. Karl Stolz war 17 Jahre an der Thommer Schule und Lilli Erschens, heute die Frau von Dittmar Lauer, nur einen Tag. Sie wechselte damals mit einer Lehrerin aus Bescheid die Stelle, da diese gern nach Thomm wollte. Der 76-jährige Lauer will auch künftig Licht ins Dunkel der Vergangenheit bringen. Schon in Kürze will der Hobby-Historiker wieder in Berliner Archiven weitere Einzelheiten zu seiner Heimat erforschen, damit auch künftige Generationen etwas über ihre Vergangenheit und ihre Heimat lernen können.