Trierer Mutterhaus nimmt keine krebskranken Kinder mehr auf

Patientenversorgung : Trierer Mutterhaus nimmt keine krebskranken Kinder mehr auf

Weil Pflegekräfte fehlen, können derzeit keine stationären Behandlungen vorgenommen werden. Der Förderverein zeigt sich entsetzt. Er sieht die Versorgung in Gefahr.

Die Kinderkrebsstation des Trierer Mutterhauses, zentrale Versorgungsstelle der Region, nimmt keine Patienten mehr auf. Grund ist Personalmangel bei den Pflegekräften. Offiziell spricht die Klinik in einer gestern versandten Pressemitteilung von einem „personellen Umbruch in der Pflege und Schwierigkeiten bei der Besetzung von offenen Planstellen“. Daher habe man sich bereits Anfang des Jahres dazu entschieden, Kinder und Jugendliche, bei denen Krebs diagnostiziert worden ist, nicht mehr stationär im Mutterhaus aufzunehmen, heißt es in der Pressemitteilung.

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Davon seien bisher zwölf Kinder und Jugendliche betroffen. Sie werden auf der Kinderkrebsstation der Uni-Klinik im saarländischen Homburg behandelt.

Ein weiterer Grund dafür, dass es keine stationären Behandlungen krebskranker Kinder im Mutterhaus mehr gibt, ist wohl auch, dass zwei Ärzte der Station „aus persönlichen Gründen“, wie eine Kliniksprecherin unserer Zeitung sagte, gekündigt haben. Der Arzt wird das Haus Ende März 2019 verlassen, um als Chefarzt in einer anderen Klinik zu arbeiten, die Ärztin wird ab Juli eine Qualifizierungsmaßnahme antreten.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Situation zu entschärfen“, sagte die Sprecherin. Eine Arbeitsgruppe habe in den vergangenen Wochen ein Konzept erarbeitet, wie krebskranke Kinder weiter in Trier stationär behandelt werden können. Es sei aber unklar, ob dies „im gleichen Umfang“ wie in der Vergangenheit angesichts des Fachkräftemangels gelingen könne, heißt es in einem Schreiben des Mutterhauses an Politiker aus der Region, das unserer Zeitung vorliegt.

Öffentlich geworden ist der Missstand erst dadurch, dass der Förderverein krebskranker Kinder Trier Alarm geschlagen und einen offenen Brief unter anderem an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und an die Bundes- und Landtagsabgeordneten aus der Region verschickt hat. Der Vereinsvorsitzende Eugen Schuh zeigt sich darin „entsetzt“, dass der Aufnahmestopp seit längerer Zeit bestehe, ohne dass der Verein darüber informiert worden sei. „Es ist für uns unverständlich und so nicht hinnehmbar, mit welchen großen Schwierigkeiten für krebskranke Kinder und ihre Familien diese Situation verbunden ist“, schreibt Schuh.

Die Nachsorgeeinrichtung für krebskranke Kinder, Villa Kunterbunt, die eng mit dem Mutterhaus zusammenarbeitet, hat gestern darauf hingewiesen, dass die Probleme auf der Krebsstation die Arbeit der Einrichtung nicht beeinträchtigten. Fast 600 Kinder werden derzeit von der Villa Kunterbunt betreut.

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