Trierer NPD-Chef festgenommen

Trierer NPD-Chef festgenommen

Die Zahl rechtsextremer Straftaten hat in Deutschland stark zugenommen – um 16 Prozent. Das steht im gestern vorgestellten Verfassungsschutzbericht. Wenige Stunden zuvor war in Trier der Vize-NPD-Landesvorsitzende Safet Babic (28) vorübergehend festgenommen worden – wegen möglicher gefährlicher Körperverletzung.

(sey) Weil sie in der Nacht zum Dienstag einen 21 Jahre alten Mann in der Trierer Innenstadt krankenhausreif geschlagen haben sollen, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 23 und 29 Jahren. Unter ihnen ist nach TV-Informationen auch der NPD-Spitzenkandidat bei der Stadtratswahl, Safet Babic. Auch ein weiterer, einschlägig vorbestrafter NPD-Stadtratskandidat soll an der nächtlichen Schlägerei beteiligt gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Rechtsextremen wegen möglicher gefährlicher Körperverletzung. Sie sollen den 21-Jährigen, der am Boden lag, getreten und geschlagen haben. Der junge Mann liegt nach Informationen unserer Zeitung mit einer schweren Gehirnerschütterung im Krankenhaus.

Gegen den 21-Jährigen und zwei weitere Personen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Sachbeschädigung. Das Trio soll in der Nacht NPD-Wahlplakate beschädigt haben. Deshalb nahm sie die Polizei mit zur Wache in der Südallee. Als die zwischen 18 und 21 Jahre jungen Leute kurz nach Mitternacht wieder gehen durften, wurden sie von insgesamt acht Rechtsextremisten offenbar bereits erwartet. Zwei Neonazi-Gegner konnten weglaufen, der dritte stürzte und wurde von den Verfolgern eingeholt.

Der in Trier lebende NPD-Funktionär Safet Babic ist der Polizei kein Unbekannter. Seit einer nicht genehmigten Rechtsextremen-Versammlung auf dem Trierer Hauptfriedhof vor anderthalb Wochen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den 28-jährigen Jura-Studenten unter anderem wegen Volksverhetzung. Babic, wegen seiner bosnischen Herkunft selbst in Rechtsextremen-Kreisen nicht unumstritten, ist auch NPD-Vize-Landesvorsitzender und Partei-Sprecher.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte bei der gestrigen Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes, zwar sei die Zahl gewaltbereiter Rechtsextremisten im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Dafür seien allerdings die rechtsextremistischen Taten um 16 Prozent gestiegen. „Eine besorgniserregende Entwicklung“, meinte Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm.

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