Trierer Rockerprozess: Gefängnisstrafe für Höllenengel

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Rockerprozess: Trierer Gericht „verlängert“ Gefängnisstrafe für Höllenengel (Update)

Im Nötigungsprozess gegen ein Mitglied des Rockerclubs Hells Angels hat das Trierer Landgericht den Hauptangeklagten zu einer anderthalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der Anwalt des Opfers schilderte, wie die Familie des Mandanten unter den Vorfällen leidet.

Weil er einen Bediensteten der Wittlicher Justizvollzugsanstalt attackiert und mit dem Tod bedroht hat, muss ein Mitglied des Rockerclubs Hells Angels („Höllenengel“) für anderthalb Jahre ins Gefängnis. Das hat das Trierer Landgericht entschieden. Da der 37-jährige Angeklagte bereits wegen Totschlags eine zwölfjährige Haftstrafe verbüßt, kommen die anderthalb Jahre jetzt noch hinzu. Zudem dürfte eine vorzeitige Entlassung mit der jüngsten Verurteilung vom Tisch sein.

Der mehrfach vorbestrafte Rocker hatte vor zwei Jahren einen Wittlicher Justizbediensteten nach einem Besuch im Sanitätsbereich am Hals gepackt, weil er seiner Meinung nach nicht schnell genug auf die Zelle zurückgebracht wurde. Als es wegen dieses Vorfalls ein Jahr später zu einem Prozess kommen sollte, legte der Häftling noch einmal nach und drohte dem JVA-Beamten über eine eigens angelegte Internetseite indirekt mit dessen Tod. Unter dem Bild einer geköpften Person stand der Text: „Irgendwann, irgendwo finden wir dich (...). Für deine Lügen wirst du zahlen.“

Versuchte Nötigung, Körperverletzung und Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten bilanzierte am Montag die Dritte Große Strafkammer des Landgerichts und verurteilte den inzwischen seit knapp acht Jahren einsitzenden Rocker zu einer weiteren Gefängnisstrafe. Ein mitangeklagter ehemaliger Mitinsasse des 37-Jährigen wurde wegen Beihilfe zur versuchten Nötigung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der 26-Jährige hatte die Internetseite angelegt und ein Foto mit dem Gesicht des Justizbediensteten samt Fadenkreuz darauf montiert.

Der Vorsitzende Richter Armin Hardt hielt beiden Angeklagten zugute, dass sie die ihnen zur Last gelegten Vorwürfe zumindest teilweise eingeräumt hatten. Der Hauptangeklagte bestritt allerdings bis zuletzt, den Justizbediensteten attackiert zu haben. Der vor drei Jahren angegriffene Beamte ist seit dem Vorfall traumatisiert. Seinen Job im Wittlicher Gefängnis hat der inzwischen in einem Zeugenschutzprogramm untergebrachte Beamte an den Nagel hängen müssen, die Familie ist umgezogen, weil sie sich im ehemaligen Wohnort nicht mehr sicher fühlt. „Er und seine Familie leben in Angst“, sagte sein Rechtsanwalt Andreas Ammer im Prozess. Der Trierer Jurist kritisierte, dass sich der Rocker noch nicht einmal im Prozess bei seinem Mandanten entschuldigt habe.

Das Urteil gegen den Hauptangeklagten ist noch nicht rechtskräftig.

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