Trierer Soziologe gegen Polarisierung in Extremismus-Debatte

Trier · Die vom Trierer Stadtrat beschlossene Kampagne „für ein tolerantes und weltoffenes Trier“ geht nach Ansicht von Dr. Waldemar Vogelgesang von der Uni Trier am Kern des Themas vorbei. Statt einer Polarisierung rät der Soziologe zu einer sachlichen Auseinandersetzung nach demokratischen Gepflogenheiten, um auf rechtsextreme Parteien wie die NPD nicht unnötig aufmerksam zu machen.

 Das Rathaus am Augustinerhof in Trier.

Das Rathaus am Augustinerhof in Trier.

Foto: TV-Archiv/Friedmann Vetter

(cus) Auf Auftrag des Stadtrats soll die Verwaltung ein Konzept ausarbeiten, wie Vorurteile gegenüber Minderheiten abgebaut werden können und bürgerschaftliches Engagement zu stärken ist. Kritische Stimmen befürchten dadurch jedoch eine Aufwertung extremer Parteien wie der NPD.

Als „kontraproduktiv“ und „Aktionismus“ bezeichnete etwa CDU-Fraktionssprecher Berti Adams die Idee: „Trier ist eine durch und durch demokratische Stadt. Der kleinen Minderheit der Ewiggestrigen sollte keine Bedeutung beigemessen werden.“

Laut dem Wissenschaftler Waldemar Vogelgesang wird der Reiz einer neu auf der politischen Agenda erschienenen Partei schnell verfliegen: „Wenn Extremisten zu Sachthemen nichts Substanzielles zu sagen haben, werden sie auch nicht wahrgenommen.“ In westdeutschen Parlamenten seien rechtsextreme Parteien stets vorübergehende Erscheinungen gewesen: „Die symbolische Protestpolitik verbraucht sich irgendwann. Dann zeigt sich die Einfluss- und Machtlosigkeit etwa als fraktionsloses Mitglied im Rat.“

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