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Trierer Waldforum zieht in die Europahalle

Großes Interesse : Trierer Waldforum zieht in die Europahalle

Das Trierer Waldforum am 8. März zieht wegen des großen Interesses in die Europahalle.

Eine Blaumeise hüpft fröhlich vor dem Forstamtsfenster umher. Dahinter schweift der Blick über Wiesen in die Weite des Trierer Meulenwalds. „Wenn ich ins Gras beiße, dann ist es noch einigermaßen schön hier“, sagt Gundolf Bartmann und weist auf das grüne Idyll. „Aber meine Kinder und Enkel, die werden mit ganz anderen Katastrophen zu tun haben als wir“, glaubt der Leiter des Trierer Forstamts. Als Förster wisse er, wie die Natur sich verändert. Wie „langsam und gnadenlos Ökosysteme reagieren können“. Und wie schwer solche Prozesse sich umkehren lassen, wenn sie erst einmal im Gange sind.

Bereits 2017 hatte Bartmann entschieden, das Trierer Waldforum des Jahres 2019 dem Thema Klimawandel zu widmen. Und nun, nach dem Extremjahr 2018 mit seinen Stark­niederschlägen, Schlammlawinen, Überschwemmungen und Stürmen, erst recht. Mit seiner extremen Hitze und Dürre, die junge Bäume töteten, Fichten zum Fraß der explodierenden Borkenkäferpopulation machten, die Waldbrandgefahr steigen und die Holzpreise fallen ließen, – nach einem Jahr, in dem jeder am eigenen Leib spüren konnte, dass sich das Klima wandelt, rennen die Leute Bartmann die Bude ein.

Ursprünglich sollte das (kostenfreie)  Waldforum – zu dem alle Interessierten willkommen sind – am 8. März ab 8.30 Uhr im Robert-Schumann-Haus stattfinden. Da bis gestern bereits 360 schriftliche Anmeldungen eingingen und Bartmann inzwischen mit mindestens 500 Besuchern rechnet, wurde die mit hochkarätigen Rednern besetzte Tagung in die Trierer Europahalle verlegt. Naturgemäß steht der Wald im Zentrum. Er wird sich wandeln müssen. Fichten haben bei höheren Temperaturen schlechte Chancen. „Buchen und Tannen sind klimaplastisch“, sagt Bartmann. Einen Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad könnten sie aushalten. „Aber wenn wir in 50 Jahren fünf Grad mehr haben, dann kommen auch diese Bäume nicht klar“, sagt der Forstwissenschaftler, der beim Klimaschutz akuten Handlungsbedarf sieht.

Der  Trierer Umweltmeteorologe Günther Heinemann wird in einem „Faktencheck Klimawandel“ darlegen, mit welcher Entwicklung zu rechnen ist, während Forstministerin Ulrike Höfken berichtet, welche Strategien die Forstpolitik hat. Ein Aachener Unternehmer erzählt, wie er sein Leben auf den Kopf gestellt hat, um eine ausgeglichene Lebens-Ökobilanz zu schaffen. Und das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen gibt Tipps, wie die 330 000 rheinland-pfälzischen Waldbesitzer reagieren sollten. Auch eine Vertreterin des WWF, die luxemburgische Umweltministerin Carole Dieschbourg und Cajus Caesar, Waldbeauftragter der Bundesregierung, sprechen über den Klimawandel. Ab 16 Uhr hat das Publikum – unter dem auch Schüler sein werden, die an diesem Freitag für mehr Klimaschutz demonstrieren statt in die Schule zu gehen – Gelegenheit, sich an einer Podiumsdiskussion zu beteiligen.

 Forstamtschef  Gundolf  Bartmann.  Foto:   Roland Morgen
Forstamtschef Gundolf Bartmann. Foto: Roland Morgen Foto: Roland Morgen

Bartmann hofft, mit dem Waldforum dazu beizutragen, „dass sich die Politik endlich bewegt, statt an den Markt, den technischen Fortschritt oder die Einsicht der Menschen zu appellieren“. Und er hofft, dass seine Enkel mit der Antwort zufrieden sind, wenn sie in ein paar Jahrzehnten fragen: „Was hat der Opa damals gemacht?“