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Trierer Wissenschaftler entwickeln eine App, die Landwirten helfen soll, weniger Klimagase freizusetzen.

Landwirtschaft : Damit Äcker weniger Lachgas freisetzen

Trierer Wissenschaftler entwickeln eine App, die Landwirten helfen soll, Böden zu schonen und das Klima zu schützen.

Wenn einem im Alltag Lachgas begegnet, dann hat man sich vielleicht gerade Sahne neben den Kuchen gesprüht oder ist kurz davor, einzuschlafen. Denn sowohl zum Aufschäumen als auch zu Narkosezwecken wird Distickstoffoxid verwendet. Der Großteil des Lachgases – 77 Prozent – wird allerdings nicht in Küchen oder in Kliniken freigesetzt, sondern in der Landwirtschaft.

Problematisch ist das laut Umweltbundesamt, weil das Treibhausgas 300-mal so klimaschädlich ist wie Kohlendioxid. Trierer Bodenforscher wollen nun gemeinsam mit anderen Experten aus Forschung und Praxis eine App entwickeln, die Landwirten hilft, ihre Böden bei der Bearbeitung weniger stark zu verdichten – und so auch weniger Lachgas freizusetzen. Gefördert wird das Projekt vom Bundeslandwirtschaftsministerium.

Der Trierer Bodenkunde-Professor Christoph Emmerling erklärt die Hintergründe: Wenn Landwirte bei der Ernte oder beim Ausbringen von Gülle mit schweren Maschinen über nasse Äcker rollen, dann zerquetschen sie den feuchten Boden. Dieser wird vom Sauerstoff abgeschlossen. Fachleute sprechen von „anaeroben Prozessen“. „Wenn der Boden gut durchlüftet ist, bilden Bakterien Nitrat, wenn er vernässt ist und keinen Sauerstoff mehr besitzt, dann bilden sie Lachgas“, erklärt Emmerling.

Die Forschung läuft. In etwa drei Jahren soll die App fertig sein, die den Landwirten wie eine Ampel mitteilt, ob sie fahren können (grün),  besser warten (rot) oder mehr Infos brauchen (gelb).

Unter Federführung des Instituts für Agrarökologie in Neustadt  arbeiten die Bodenkundler mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Bad Kreuznach, dem Maschinenring Trier-Wittlich und dem Eifeler Sensorenentwickler Premosys GmbH zusammen. Mit Hilfe von Klima-, Boden- und Satellitendaten entwickeln sie dann die App. So werden Emmerling und zwei weitere Trierer Wissenschaftler für alle relevanten Bodenarten untersuchen, welche Eigenschaften diese in Bezug auf Bodenfeuchte haben und wie leicht sie sich verdichten lassen.

 Durchwachsene Silphie könnte nach Ansicht des Trierer Bodenkundlers Christoph Emmerling Mais ersetzen. Foto: Christoph Emmerling
Durchwachsene Silphie könnte nach Ansicht des Trierer Bodenkundlers Christoph Emmerling Mais ersetzen. Foto: Christoph Emmerling Foto: Christoph Emmerling

Und was haben die Landwirte davon? „Jedem Landwirt sollte das ein Anliegen sein“, sagt Emmerling. Der Boden sei schließlich die Produktionsgrundlage. „Wenn er verdichtet ist, dann nehmen die Erträge ab, weil die Pflanzen nicht genug Sauerstoff bekommen“. Zudem sei auch die Landwirtschaft verpflichtet, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, findet der Bodenkundler, der mit Bauern zusammenarbeitet, die ihre Äcker für Versuche bereitstellen. Die Untersuchungen beschränken sich zwar auf Rheinland-Pfalz, sind aber übertragbar.  Die App soll Landwirten in ganz Deutschland Handlungsempfehlungen geben können.