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Trier: Trotz sinkender Öko-Umlage steigen die Strompreise weiter

Trier : Trotz sinkender Öko-Umlage steigen die Strompreise weiter

Die Trierer Stadtwerke rechnen mit höheren Kosten und bieten 20 000 Kunden einen anderen Tarif an. Ein Energieexperte rät Verbrauchern, mehrere Anbieter zu vergleichen.

Verbraucher müssen weiter mit hohen Strompreisen rechnen – obwohl die Umlage zur Förderung von Ökostrom, die sogenannte EEG-Umlage, sinkt. Der Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Hans Weinreuter, geht sogar von leicht steigenden Strompreisen aus. Grund seien höhere Handelspreise, zu denen Versorger Strom einkaufen, und höhere Netzentgelte, sagte Weinreuter unserer Zeitung. Die Entgelte werden für den Bau und den Betrieb der Netze erhoben und machen etwa ein Viertel des Strompreises der privaten Verbraucher aus.

Ein weiteres Viertel macht die EEG-Umlage aus. Sie sinkt im kommenden Jahr von 6,79 auf 6,405 Cent pro Kilowattstunde. Durch die Umlage werden die festen Vergütungen finanziert, die Ökostrom-Produzenten für ihren Strom bekommen. Weil die Versorger die steigenden Beschaffungskosten und höheren Netzentgelte auf die Verbraucher umlegten, werde die mögliche Ersparnis durch die sinkende EEG-Umlage aufgefressen, kritisiert Weinreuter. Neben den Netzentgelten setzt sich der Strompreis auch noch aus Steuern, weiteren Abgaben sowie  Produktionskosten zusammen.  „Der Strompreis ist überteuert“, sagt Weinreuter. Er fordert daher den Wegfall der Stromsteuer, um Verbraucher nicht weiter zu belasten.

Auch die Trierer Stadtwerke rechnen offenbar mit höheren Strompreisen. Der regionale Energieversorger hat in den vergangenen Tagen (vor Bekanntgabe der sinkenden EEG-Umlage) rund 20 000 Kunden angeschrieben und ihnen angeboten, in einen anderen Tarif zu wechseln, um so „zukünftigen Preissteigerungen in den nächsten beiden Jahren aus dem Weg zu  gehen“, heißt es in dem Brief an die Kunden, deren Preisgarantie Ende des Jahres ausläuft. Die Stadtwerke begründen den Tarifwechsel mit steigenden Preisen aufgrund höherer Handelspreise und Netzentgelte. Kunden, die nicht darauf reagieren, wechseln automatisch in den teureren Grundversorgungstarif.

Auch Verbraucher, die sich für den neuen Tarif entscheiden, müssen laut eines Stadtwerkesprechers mit höheren Kosten rechnen. Und zwar je nach bisherigem Tarif zwischen einem Prozent mehr als bisher (circa 12 Euro im Jahr) bis rund drei Prozent mehr (circa 30 Euro im Jahr). Bislang hätten sich 6000 der rund 20 000 angeschriebenen Stadtwerkekunden für den neuen Tarif entschieden, sagte der Sprecher.

Rechtlich sei das Angebot der  Trierer Stadtwerke nicht angreifbar, sagt Energieexperte Weinreuter. Er empfiehlt jedoch den betroffenen Verbrauchern zu vergleichen, ob es womöglich günstigere Angebote anderer Anbieter für sie gibt. Verbraucher müssen Preiserhöhungen von Stromanbietern nicht hinnehmen. Darauf weist die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hin. Stromkunden könnten den Vertrag fristlos kündigen, bevor die höheren Preise wirksam würden.