Über 70000 Frauen in Deutschland erkranken pro Jahr an Brustkrebs,

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie „Hauptsache gesund“ : Mutterhaus-Chefarzt: „Brustkrebs muss kein Todesurteil sein“

Diese Woche teilte die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, mit, dass sie Brustkrebs habe. Eine Diagnose, die jährlich über 70.000 Frauen in Deutschland erhalten. Allein im Trierer Mutterhaus werden pro Jahr 350 Patientinnen deswegen behandelt. Volksfreund.de sprach mit einer Betroffenen. Ihre Geschichte macht anderen Frauen Mut.

Im Juli erhielt sie die niederschmetternde Diagnose: Verdacht auf Brustkrebs. „Es war der 12. Juli“, erinnert sich Monika Müller (Name geändert) noch genau an den Tag, als der Anruf aus dem Mammografie-Zentrum des Trierer Mutterhauses kam. Sie solle doch noch mal vorbeikommen, man müsse den Befund abklären, habe ihr die Mitarbeiterin der Klinik mitgeteilt, sagt die 60-Jährige. „Da dachte ich mir schon, dass ich Krebs habe“, sagt die Lehrerin aus der Eifel.

Eineinhalb Wochen vorher war sie beim Mammografie-Screening. Wie alle zwei Jahre, seit sie 50 ist. Bei allen vorangegangenen Untersuchungen ihrer Brust sei nichts festgestellt worden. Auch bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen bei ihrem Frauenarzt habe es keine Hinweise gegeben, dass sie möglicherweise Krebs haben könnte.

Nach der Mammografie habe eine Mitarbeiterin ihr gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen. In der Regel werde nur bei jeder vierten Patientin irgendetwas festgestellt. „Ich war mir zu diesem Zeitpunkt sicher, dass ich dieses Mal genau die eine von den vieren war.“

Sie sollte recht behalten. Bei der Mammografie, eine Röntgenuntersuchung der Brust, wurde bei ihr Mikrokalk festgestellt. Die Vorstufe zu Krebs. Angst oder Trauer habe sie nicht verspürt, erzählt die lebenslustige Frau, als sie zwei Monate nach der Diagnose zur Nachuntersuchung ins Mutterhaus kommt. Sie habe früher schon mal Hautkrebs gehabt, den sie auch folgenlos überstanden habe. „Ich habe gewusst, dass ich es auch dieses Mal schaffen werde.“ Außerdem, so erzählt sie, habe auf ihrer Bucket-List, eine Liste der Dinge, die man vor seinem Tod noch unbedingt machen möchte, noch ein Vorhaben gestanden, das sie noch nicht abgehakt hatte: eine Weltreise. Diesen Wunsch zu erfüllen, das war für sie Motivation, schnell geheilt zu werden.

Um sich abzulenken, ging sie weiter arbeiten. Genau wie die mecklenburgische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Die 45-Jährige teilte diese Woche mit, dass bei ihr Brustkrebs festgestellt worden sei. Zwar legte sie das Amt der kommissarischen SPD-Chefin nieder. Doch als Ministerpräsidentin will sie nach Möglichkeit weiterarbeiten. Eine Entscheidung, die von einigen kritisiert worden ist. Monika Müller kann das nachvollziehen. Sie habe sich bewusst fürs Weiterarbeiten entschieden, auch um weiterhin einen strukturierten Alltag zu haben und nicht dauernd an die Krankheit zu denken.

Ein paar Wochen nach der Diag­nose erfolgte bei ihr dann die Operation. Es sei kein großer Eingriff gewesen, die Brust sei vollständig erhalten geblieben, Schmerzen habe sie danach keine gehabt. Einen Tag später konnte sie schon wieder nach Hause gehen. Und wie hat sich ihr Leben nun verändert? Sie lebe bewusster, sagt sie.

Ohne Mammografie, zu der Frauen zwischen 50 und 70 alle zwei Jahre eingeladen werden, wäre der Krebs bei ihr nicht entdeckt worden, ist sie sich sicher.

Das bestätigt auch Günther Sigmund. Er ist Leiter des Mammografie-Screening-Center im Mutterhaus. Im vergangenen Jahr wurden 34 652 Frauen zu dem von den Krankenkassen bezahlten Programm eingeladen. Die Teilnahme an der Untersuchung ist freiwillig. 15 342 hätten teilgenommen, sagt Sigmund. Bei 103 sei Brustkrebs gefunden worden, das seien im Schnitt zwei neue Fälle pro Woche. Neben Trier finden solche Untersuchungen auch in Wittlich statt.

Je früher der Krebs entdeckt werde, desto größer sei die Heilungschance, sagt Wolfgang Günther. Er ist Chefarzt der Gynäkologie und Leiter des Brustzentrums im Mutterhaus. „Brustkrebs“, sagt er, „muss kein Todesurteil sein.“ 70 bis 80 Prozent der rund 70 000 Brustkrebsfälle, die es pro Jahr in Deutschland gebe, würden erfolgreich therapiert. „Wenn der Krebs rechtzeitig erkannt wird“, betont Günther und appelliert an die Frauen, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, und eben ab 50 Jahren alle zwei Jahre zum Mammografie-Screening zu gehen.

Zwischen 50 und 70 ist die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, am höchsten. Aber auch ältere Frauen können betroffen sein. Genau wie auch ganz junge. Die jüngste Patientin, die er wegen Brustkrebs behandelt habe, sei Anfang 20 gewesen, sagt Günther. 350 neu an Brustkrebs erkrankte Frauen aus der gesamten Region werden von ihm und seinem Team pro Jahr behandelt.

Meist müsse operiert werden, wenn die Diagnose Brustkrebs laute, erklärt Marion Klieden. Sie ist Leitende Oberärztin und Brustoperateurin. Die Angst vieler Frauen, dabei eine Brust zu verlieren, sei oft unbegründet. In 80 Prozent der Fälle könne brusterhaltend operiert werden, sagt Klieden. Nach dem Eingriff würden sich die Frauen relativ schnell erholen und könnten in den meisten Fall rasch das Krankenhaus verlassen. Die nachfolgende Therapie werde dann individuell auf die einzelne Patientin zugeschnitten. In sogenannten Tumorkonferenzen werde jeder einzelne Fall und die notwendigen Behandlungsschritte besprochen, sagt Günther. Eine Chemotherapie, vor der viele wegen der zahlreichen Nebenwirkungen zurückschrecken, sei nicht immer notwendig. Klieden sagt aber auch: „Auch wenn eine Chemotherapie unangenehm ist, sie hilft viel und rettet schließlich Leben.“

Oft reiche eine Bestrahlung und eine Antihormontherapie. Die Tabletten sollen verhindern, dass sich Östrogene  und neue Tumorzellen bilden.

Seitdem 2007 in ganz Deutschland das Mammografie-Screening eingeführt worden sei, habe sich die Zahl der zu spät entdeckten Brustkrebserkrankungen deutlich reduziert, sagt Sigmund. In den Niederlanden sei nachgewiesen worden, dass die Sterblichkeit der an Brustkrebs erkrankten Frauen deutlich zurückgegangen ist. Für Deutschland gibt es bislang noch nicht eine solche Statistik. Mammografie sei eine „sehr gute Methode“, sagt Sigmund. „Aber sie ist nicht perfekt.“ Auch nach der Untersuchung könnten Veränderungen des Brustgewebes auftreten. Daher sollten Frauen regelmäßig selbst ihre Brust abtasten und eben zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen.

Ein Mammografiegerät im Mutterhaus. Foto: TV/Mutterhaus

Das Risiko zu erkranken, könne man reduzieren, wenn man gesund lebe, sich vitaminreich ernähre, nicht rauche und Sport treibe, sagt Günther. Das sei aber keine Garantie, keinen Brustkrebs zu bekommen. Wie auch Monika Müller erfahren musste. Sie ist froh, alles gut überstanden zu haben und als geheilt aus dem Mutterhaus entlassen worden zu sein. Nun kann sie sich demnächst einen Wunsch auf ihrer Bucket-Liste erfüllen. Nächstes Jahr, sagt sie, gehe es auf Weltreise.

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