Politiker: „... und der Franz spielt Fußball“

Politiker : „... und der Franz spielt Fußball“

Trier-Saarburger CDU-Politiker und Jurist Franz Peter Basten wird 75.

Wer den Jubilar treffen will, der muss früh an sein: Für gewöhnlich dreht Franz Peter Basten jeden Morgen seine Runden auf dem Sportplatz seines Heimatorts Mehring: 2000 Meter Laufen, 20 Liegestützen und noch ein bisschen Sportgymnastik. Wer dieses Pensum regelmäßig absolviert, der sieht auch mit Mitte 70 noch so gesund und fit aus wie der ehemalige Politiker, Honorarkonsul und Hobbywinzer. Am Donnerstag feiert Basten seinen 75. Geburtstag.

Ein großer Bahnhof wie zum 70. des Christdemokraten ist dieses Mal nicht geplant; Ende des Monates gibt es ein Fest mit der Familie, Anfang September eine kleine Feier mit alten Weggefährten.

Aus dem politischen Alltagsgeschäft hat sich Basten inzwischen zurückgezogen. Vor knapp zwei Jahren gab der gebürtige Detzemer seinen Sitz im Trier-Saarburger Kreistag ab. Freiwillig. Ein anderes politisches Amt hätte der überzeugte Christdemokrat einst gerne behalten: 1998 verlor Basten das Bundestagsdirektmandat nach nur einer Legislaturperiode an seinen SPD-Herausforderer und Kreistagskollegen Karl Diller.

Wenn Basten daran zurückdenkt, ist ihm anzumerken, dass ihn die Niederlage auch mehr als 20 Jahre später noch fuchst. Hätte der seit 1982 amtierende Kanzler Helmut Kohl damals nicht noch einmal für den Bundestag kandidiert, sondern den Weg frei gemacht für einen Nachfolger, wäre die Union womöglich nicht derart dramatisch eingebrochen, dass Sozialdemokrat Gerhard Schröder den Kanzler der Einheit ablöste. 60 Parteifreunde hätten seinerzeit ihr Direktmandat verloren, erinnert sich Franz Peter Basten, darunter eben auch er selbst.

Damit war die politische Karriere des studierten Rechtsanwalts nach zwei Jahrzehnten am Ende. Basten saß ab 1979 im Mainzer Landtag, war in der Regierung zwischendrin Staatssekretär im Innen- sowie Wirtschafts- und Verkehrsministerium, bevor er 1994 – als Nachfolger von Günther Schartz – in den (damals noch Bonner) Bundestag wechselte.

Zu seinen politischen Ziehvätern zählten der langjährige Ministerpräsident Bernhard Vogel und der ehemalige Wirtschaftsminister Heinrich Holkenbrink, der auch Vorsitzender des CDU-Bezirks Trier war und als solcher die Zügel der Partei fest in der Hand hielt.

Als Ende der 70er Jahre im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf SPD-Spitzenkandidat Klaus von Dohnanyi in der Eifel eine Großveranstaltung plante und Basten für Holkenbrink telefonisch zunächst nicht erreichbar war, weil er mit Freunden trainierte, polterte der Minister später los: „Der Dohnanyi steht vor Gerolstein, und du gehst Fußball spielen ...“

Die Sache ging aus Sicht der CDU noch einmal gut aus: Vogel gewann die 1979er Wahl – trotz des zuvor kickenden Franz Peter Basten – mit absoluter Mehrheit.

Basten selbst hatte knapp zweieinhalb Jahrzehnte später weniger Glück. Als er 2002 einen neuen Anlauf für den Bundestag unternahm, unterlag er auf dem Nominierungsparteitag seinem innerparteilichen Kontrahenten Bernhard Kaster. „Schnee von gestern“, kommentierte Basten schon vor Jahren die Niederlage, sieht seinen unfreiwilligen Rückzug aus der Bundespolitik längst als „glückliche Fügung“, der ihm neue Perspektiven eröffnete.

Der ehemalige Politiker konzentrierte sich in den Folgejahren auf seine Karriere als Rechtsanwalt, ist auch heute noch tageweise in einer Trierer Kanzlei und als  Avocat à la Cour in Luxemburg aktiv und vertritt im Großherzogtum häufig deutsche Klienten in Verkehrs-, Arbeitsrechts- oder Strafsachen.

Als Kind von der Mosel, der zu Hause Moselfränkisch gesprochen hat, war das Letzebuergisch für Basten kein Problem. „Natürlich merken die bei Gericht, dass ich ein Deutscher bin“, sagt der Anwalt. Aber dass er sich bemühe, in der Landessprache zu reden, bringe ihm Punkte ein. „Das hat mit Respekt gegenüber dem Land zu tun“, so Basten, der auch acht Jahre lang Honorarkonsul für das Großherzogtum war.

Inzwischen ist er kein Konsul mehr, und auch den Job als Hobbywinzer, der einen Weinberg in der Lage Köwericher Laurentiuslay bewirtschaftete, hat er vor zwei Jahren drangegeben. Die Arbeit in der Steillage sei doch etwas heftig gewesen, räumt Basten ein. Als „Elder Statesman“ schaut der ehemalige Berufspolitiker bei „seiner“ CDU natürlich weiter genau hin, wenn auch natürlich mit etwas mehr Gelassenheit als früher. Die Landes-SPD sei zwar mit ihrer Ministerpräsidentin Malu Dreyer „eine Hausnummer als Gegnerin“, lautet Bastens Einschätzung, aber er traue ihrem designierten Herausforderer Christian Baldauf zu, es bei der nächsten Landtagswahl zu schaffen – „wenn die CDU zusammenbleibt und solide Arbeit macht“.

Und die regionale CDU? „Könnte insgesamt besser aufgestellt sein“, sagt der Jubilar nach einigem Zögern und ergänzt, dass er eine starke Führung vermisse. Er selbst wollte heutzutage nicht mehr in die große Politik zurückkehren, sagt er. Die häufig anonym übers Internet verbreiteten Anfeindungen von Politikern gingen oft unter die Gürtellinie, meint Basten, „da kannst du Leute fertigmachen“. Das sei wohl auch mit ein Grund dafür, dass qualifizierter politischer Nachwuchs mancherorts  fehle.

Im Hause Basten sind Nachwuchsprobleme kein Thema. Vor zehn Monaten erblickte Enkelin Anna Isabel das Licht der Welt. „Jetzt bin ich Opa“, sagt Franz Peter Basten stolz; wieder ein Grund mehr, sich noch möglichst lange körperlich und geistig fit zu halten.