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Wetter
Und es wird noch heißer

So heiß wird es doch wohl nicht werden? Dieses Thermometer zeigt über 40 Grad an  – allerdings nicht im Schatten.
So heiß wird es doch wohl nicht werden? Dieses Thermometer zeigt über 40 Grad an – allerdings nicht im Schatten. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Trier. Der Hochsommer hat die Region im Griff. Die meisten Menschen freut es. Ärzte warnen davor, sich zu lange in der Hitze aufzuhalten. Das Viehfutter wird teilweise knapp. Viele Kühe liefern derzeit weniger Milch. Von Bernd Wientjes

34,9 Grad Celsius zeigte das Thermometer gestern Mittag um 15 Uhr im Weinort Kanzem (Trier-Saarburg) an. In Trier war es ein Grad „kühler“. Und selbst in der sonst eher frischeren Eifel ist es derzeit heiß. In Dreis-Brück (Vulkaneifel) wurden um die Mittagszeit 35,5 Grad gemessen. Und die hochsommerlichen Temperaturen bleiben uns in den nächsten Tagen erhalten (siehe Interview mit dem TV-Wetterexperten Dominik Jung auf dieser Seite).

Gut für die Freibäder und Badeseen in der Region. Dank der noch bis Ende nächster Woche dauernden Sommerferien sind sie bereits am frühen Morgen gut besucht. Gegen Mittag sind vielerorts dann freie Liegeplätze Mangelware, und auch im Wasser wird es oftmals sehr eng.

Auch die Gastwirte freuen sich über den Super-Sommer. In den Biergärten herrscht vor allem in den Abendstunden, wenn es etwas abkühlt, Hochbetrieb, und die Zapfhähne laufen im Dauerbetrieb. Daher gibt es auch bei der Bitburger Brauerei derzeit mehr als zufriedene Gesichter: „Auch bei uns macht sich das anhaltend schöne Sommerwetter – wie in der gesamten Branche – in einer verstärkten Nachfrage für unsere Produkte bemerkbar“, sagt Unternehmenssprecherin Angelika Thielen. Vor allem klassische Sommergetränke wie Radler und alkoholfreie Produkte profitierten „von den durstverstärkenden Temperaturen“.

Hochbetrieb herrscht derzeit auch in den Eisdielen und Straßencafés. Wer dort einen Platz im Freien ergattern will, muss oft länger warten.

Nicht ganz so voll wie sonst ist es hingegen in der Trierer Fußgängerzone und in den Geschäften. Trotzdem sei die Stadt voll, sagt Georg Kern, Präsident des Einzelhandelsverbands für die Region Trier. Derzeit seien viele Touristen unterwegs. „Und die lassen ja auch Geld hier.“ Trotz der Hitze könne sich der Einzelhandel nicht über mangelnden Umsatz beklagen, sagt Kern. Vor allem Sommerkleider seien gefragt. Viele Kunden kämen morgens, um gezielt einzukaufen.

Ähnliches empfiehlt auch die Krankenkasse AOK: „Erledigen Sie nötige Besorgungen oder Spaziergänge früh am Morgen oder warten Sie auf den kühleren Abend.“ Gerade mittags sind die UV-Strahlen am intensivsten und verursachen leicht Sonnenbrände und somit langfristig schwere Hautschäden, warnt der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis. „Auch die Gefahr, einen Hitzschlag zu erleiden, ist mittags am größten.“  Besonders wichtig bei den Temperaturen sei es, dass Erwachsene und Kinder viel trinken. „Ab etwa 30 Grad Außentemperatur setzt unser Körper noch stärker die eigene Kühlung in Gang, um uns vor Überhitzung zu schützen. Hierfür muss der Körper schwitzen. Dabei legt sich Schweiß auf die Haut und verschafft der heißen Körperoberfläche durch seine Verdunstung die nötige Abkühlung.“ An heißen Sommertagen verdunste der  Körper durchschnittlich mehr als zwei Liter am Tag. „Diese Flüssigkeit muss ihm natürlich auch wieder zugeführt werden.“ Daher sollten gesunde Erwachsene daher bis zu zwei Liter pro Tag trinken. Am besten Mineralwasser, verdünnte Fruchtsäfte oder auch ungesüßte Früchte- und Kräutertees. Zuckerhaltige Getränke oder Alkohol in großen Mengen sollte man bei Hitze meiden. Insbesondere ältere Menschen müssten darauf achten, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Matheis: „Im Alter lässt das Trinkbedürfnis nach, aber der Körper braucht trotzdem viel Flüssigkeit. Daher ist es wichtig, auch alte Menschen immer wieder daran zu erinnern, genügend zu trinken.“ Trotz der für den Körper anstrengenden Temperaturen verzeichnet die Notaufnahme des Trierer Brüderkrankenhauses derzeit wenig hitzebedingte Behandlungen.

Im wahrsten Sinne heiße Tage könnten den Feuerwehren in der Region bevorstehen. Laut Deutschem Wetterdienst besteht in weiten Teilen der Region eine erhöhte Waldbrandgefahr. Auch die trocknen Wiesen könnten vor allem in der Eifel zu einer Brandgefahr werden. Die verdorrten Grünflächen machen auch den Landwirten, vor allem den Viehhaltern zu schaffen. Laut Manfred Zelder, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich,  reicht das Grünfutter nicht aus, es müsse zugefüttert werden. Im Wittlicher Raum komme es wegen fehlenden Regens auch zu Engpässen bei der Maisernte. Vor allem bei den Milchkühen machten sich die Auswirkungen der Trockenheit bereits bemerkbar: „Die Tiere fressen weniger, gehen seltener zum Melkroboter und geben weniger Milch ab. Mit einem deutlichen Abfall bei der Milchanlieferung ist zu rechnen“, sagt Zelder. Beim Getreide falle die Ernte zwar durchschnittlich aus, aber die Qualität sei vielerorts mangelhaft.