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Verdächtiger Koffer wurde absichtlich zurückgelassen

Verdächtiger Koffer wurde absichtlich zurückgelassen

Ein zunächst unbekannter Mann hat gestern in der Filiale der Sparkasse Trier in der Saarstraße einen Koffer zurückgelassen. Wegen des Verdachts auf Sprengstoff evakuierten Polizei und Feuerwehr etliche Häuser. Bei der Öffnung des Koffers kamen Kleidung und Pflegeprodukte zum Vorschein.

Donnerstagvormittag in der Trierer Saarstraße/Ecke Hohenzollernstraße. Ein Mann zwischen 30 und 40 Jahren betritt die Filiale der Sparkasse. Er fragt die Angestellten, ob er seinen Reisekoffer eine Stunde lang dort abstellen darf. Obwohl sie ablehnen, lässt er den schwarzen Stoff-Trolley (Koffer mit Rollen zum Ziehen) in der Kundenhalle zurück.

14 Uhr. Der unbekannte Mann ist nicht wieder aufgetaucht. Filialleiter Hans-Georg Schäfer informiert die Polizei. Die Beamten rücken aus und ermitteln vor Ort. Da der Unbekannte den Koffer offensichtlich nicht vergessen, sondern bewusst hinterlassen und nicht mehr abgeholt hat, gilt der Trolley nicht als gewöhnliches Fundstück. Eine Bombe?

Die neun Mitarbeiter der Filiale müssen das Gebäude verlassen. Die Sparkasse wird geschlossen, der Abschnitt der Hohenzollernstraße zwischen Saarstraße und Südbahnhof komplett gesperrt.

Die Polizei alarmiert einen Sprengstoff-Experten des Landeskriminalamts (LKA) aus Mainz, der die weite Fahrt nach Trier antritt. „Von seiner Einschätzung hängt das weitere Vorgehen ab“, sagt Polizei-Pressesprecher Karl-Peter Jochem.

Polizei prüft Identität des Koffer-Besitzers

17.05 Uhr. Polizei-Taktiker haben das gesamte Umfeld der Sparkassen-Filiale analysiert. In den gefährdeten Häusern sind 150 Bewohner gemeldet. Bei Bedarf könnten sie mit Sonderbussen der Stadtwerke etwa in eine Sporthalle in Sicherheit gebracht werden.

17.35 Uhr. Der Sprengstoff-Experte, ein sogenannter Delaborierer (Entschärfer), trifft ein. Umliegende Geschäfte schließen frühzeitig.

18 Uhr. Weitere Gebäude wie die gut gefüllte Kebab-Gaststätte werden mit Unterstützung der Feuerwehren evakuiert, Fußgänger nicht mehr durchgelassen. Dutzende von Menschen warten mehr oder weniger geduldig hinter den Absperrungen, darunter Jutta Lellinger (45) und ihr Sohn Kevin (18), der einen Handkoffer dabei hat. „Die Polizei hat gleich gefragt, was da drin ist“, erzählt Elektriker Kevin. „Das ist nur das Werkzeug aus der Firma.“

18.15 Uhr. Es wird ernst. Die Polizei sperrt die Saarstraße komplett und die Hohenzollernstraße ab dem Finanzamt.

18.35 Uhr. Plötzlich ist alles vorbei. Grund: Der mit einer Spezialausrüstung geöffnete Koffer enthält nur typische Reise-Utensilien. „Im Koffer befinden sich Hinweise auf die Identität seines Besitzers, denen wir nachgehen“, sagt Jochem. „Wir suchen den Mann und prüfen auch, ob wir ihm Kosten des Einsatzes in Rechnung stellen können.“ Filialleiter Schäfer ist „froh, dass alles gut ausgegangen ist. Die Zusammenarbeit mit der Polizei war angenehm und effektiv.“