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Erster Weltkrieg
Verhandlungen im engen Salonwagen

Verhandlungen über eine Waffenstillstandsverlängerung in Trier am 16. Januar 1919: der deutsche Staatssekretär Matthias Erzberger auf dem Weg zu Marschall Foch (im Eisenbahnwagen sitzend).
Verhandlungen über eine Waffenstillstandsverlängerung in Trier am 16. Januar 1919: der deutsche Staatssekretär Matthias Erzberger auf dem Weg zu Marschall Foch (im Eisenbahnwagen sitzend). FOTO: Bundesarchiv / privat
Trier. Im Trierer Bahnhof sind vor 100 Jahren die Verlängerungen des Waffenstillstands zum Ersten Weltkrieg ausgehandelt worden. Von Bernd Wientjes

Mathias Müller aus Wiltingen wurde 21 Jahre alt. Er ist gestorben am 7. Dezember 1918 in einem Feldlazarett in Frankreich. Paul Jahn, geboren am 10. Mai 1897, starb am 21. November 1918. An ihn wird wie an 20 weitere Gefallene des Ersten Weltkriegs auf der Kriegsgräberstätte Kolmeshöhe in Bitburg gedacht. Der Name von Arno Kastel findet sich auf einer Steinplatte auf dem Trierer Hauptfriedhof.

Die amerikanischen Truppen in Trier wurden von General Pershing befehligt. Die Aufnahme zeigt ihn bei einer Ansprache vor seinen Truppen in der Göbenkaserne. Foto:
Die amerikanischen Truppen in Trier wurden von General Pershing befehligt. Die Aufnahme zeigt ihn bei einer Ansprache vor seinen Truppen in der Göbenkaserne. Foto: FOTO: Stadtarchiv / privat

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Am 1. Dezember 1918 zogen die ersten amerikanischen Truppen in Trier ein. Dazu sind viele Fotos von den Truppen und der Trierer Bevölkerung erhalten – hier eines davon.
Am 1. Dezember 1918 zogen die ersten amerikanischen Truppen in Trier ein. Dazu sind viele Fotos von den Truppen und der Trierer Bevölkerung erhalten – hier eines davon. FOTO: Stadtarchiv / privat

Am 1. Dezember 1918 zogen die ersten amerikanischen Truppen in Trier ein; dazu gibt es einige sehr schöne Fotos von den Truppen und der Trierer Bevölkerung
Am 1. Dezember 1918 zogen die ersten amerikanischen Truppen in Trier ein; dazu gibt es einige sehr schöne Fotos von den Truppen und der Trierer Bevölkerung FOTO: Stadtarchiv / privat

Wie die Ereignisse von 1918 bis heute nachwirken

Vor 100 Jahren: Deutsche Truppen besetzen Luxemburg

In Trier verlor Deutschland seine Handelsflotte

Der Soldat verlor sein Leben am 11. November 1918 – dem Tag, an dem der Erste Weltkrieg mit dem Waffenstillstandsvertrag im französischen Compiègne offiziell beendet wurde. Die Namen der drei Männer stehen stellvertretend für viele Soldaten, die auch nach Ende der vier Jahre dauernden Kampfhandlungen an den Folgen des verheerenden Krieges gestorben sind. Sie stehen auch für die Männer aus der Eifel, von der Mosel, der Saar und aus Trier, die in den Jahren von 1914 bis 1918 auf den Schlachtfeldern etwa in Frankreich oder Belgien ihr Leben verloren haben. Fast 15 000 Angehörige Trierer Regimenter fielen. Allein auf dem Trierer Hauptfriedhof wurden 900 Kriegstote bestattet, 100 sind es in Bitburg.Trier hat während und zum Ende des Krieges eine besondere Rolle gespielt. Die Moselstadt war damals eine bedeutende Garnisionsstadt. Von hier und von der Eifel aus marschierten die deutschen Truppen nach Frankreich, nach Belgien und nach Luxemburg ein.

Die Kriegsbegeisterung der ersten Tage wich im Laufe der Zeit auch in Trier und Umgebung der Kriegsmüdigkeit und der Zermürbung. Trier erlebte 145 Fliegeralarme, davon 22 Bombenangriffe. 347 Bomben wurden auf Trier geworfen, 30 Menschen in der Stadt starben dadurch. Beate Dorfey vom Landeshauptarchiv in Koblenz schreibt: „Von der an­fäng­li­chen Kriegs­be­geis­te­rung war auch in Trier nach vier lan­gen Jah­ren Krieg nicht mehr viel üb­rig, da konn­te der Trie­rer Re­gie­rungs­prä­si­dent Baltz in sei­nem letz­ten Be­richt an den Kai­ser vom 30.4.1918 noch so sehr den Durch­hal­te­wil­len und die Sie­ges­ge­wiss­heit der Be­völ­ke­rung pro­pa­gie­ren.  Im No­vem­ber 1918 war auch in Trier al­les vor­bei, und ei­ne neue Zeit hat­te be­gon­nen.“

Das Ende des Krieges war für die Menschen in Trier unmittelbar sichtbar. „Die soziale Revolution hat in der Nacht zum Samstag (8./9. November) auch in Trier eingesetzt und gestern mit dem Übergang der Gewalt in die Hände des Arbeiter- und Soldatenrats ihren Abschluß gefunden. [...] Im Laufe der Nacht wurden die Bahnhöfe besetzt und die durchfahrenden Soldaten entwaffnet. Im Laufe des Vormittages griff die Bewegung auf die Stadt über. Soldatentrupps, die bereits Waffen und Achselklappen abgelegt hatten, zogen durch die Straßen der Stadt“, schrieb der Trierische Volksfreund am 11. November 2018. Der revolutionäre Prozess in Trier im Spätherbst 1918 sei unblutig und und ohne gewaltsame Ausschreitungen verlaufen, so der Historiker Kevin Hecken.

Was wenig bekannt ist: Trier ist auch mit dem Ende des Weltkriegs verbunden. Der in Compiègne unterzeichnete Waffenstillstand war nur für die Dauer von 36 Tagen gültig. Danach musste das Abkommen zwischen den Alliierten (Serbien, Russland, Frankreich, Großbritannien, Belgien, USA) und Deutschland neu verhandelt werden. Die Internationale Waffenstillstandskommission, die ihren Sitz im belgischen Spa hatte, bestimmte Trier, genauer gesagt den dortigen Bahnhof, als Verhandlungsort.

Am 12. Dezember 1918 trafen sich dort die deutsche Kommission, die geleitet wurde vom Staatssekretär Matthias Erzberger, unter anderem mit dem französischen Oberkommandierenden Marshall Foch. Verhandelt wurde in Fochs Salonwagen. „Dieser Eisenbahnwagen war klein, und wir und sie waren zahlreich. Wie sollten wir uns verhalten? Einander die Hand geben? Wir drängten uns am einen Ende des Wagens zusammen, mit einem schmalen Kartentisch zwischen uns und dem Feind“, erinnerte sich der Engländer John Maynard Keynes. Der spätere Nationalökonom hat an den Verhandlungen als Vertreter Großbritanniens teilgenommen. Die deutschen Vertreter hat er als widerliche Gestalten bezeichnet.

 Wie es dazu kam, dass in der Moselstadt verhandelt wurde, schildert der frühere Archivar der Trierer Universität, Horst Mühleisen, vor 30 Jahren in einem Beitrag für das Kurtrierische Jahrbuch so: „Die Alliierten hatten Trier vermutlich deshalb als Verhandlungsort bestimmt, weil sich das französische Hauptquartier in Luxemburg befand. Und amerikanische Truppen hatten Trier seit 1. Dezember 1918 besetzt, wo General John Joseph Pershing, Oberbefehlshaber der 3. Armee, sein Hauptquartier eingerichtet hatte.“ Es waren schwierige, zähe Verhandlungen in dem ehemaligen Speisewagen, der auf einem Nebengleis des Trierer Bahnhofs stand. „Marschall Foch ließ uns eine Aufstellung über die Nichterfüllungen des Waffenstillstandsvertrags vorlesen“, heißt es in den Erinnerungen Erzbergers. Dieser wiederum warf den Alliierten unmenschliches Verhalten vor, weil durch die seit Kriegsende anhaltende Blockade Deutschlands Lebensmittellieferungen verhindert und so die Hungersnot vorangetrieben würden.

Am 13. Dezember wurde die Verlängerung des Waffenstillstands in Trier unterzeichnet. Die Verlängerung galt bis zum 17. Januar 1919. Noch zweimal. im Januar und Februar, traf sich die Waffenstillstandskommission in Trier, um über weitere Verlängerungen des Abkommens zu verhandeln.

Die Trierer Medienwissenschaftlerin und Historikerin Brigitte Braun hält am Dienstag, 13. November, 19 Uhr, im Stadtmuseum Trier einen Vortrag über die Waffenstillstandsverhandlungen in Trier.