Vermisste Tanja: Polizei und Eltern frustriert

Vermisste Tanja: Polizei und Eltern frustriert

19 Monate nach dem mysteriösen Verschwinden der Studentin Tanja Gräff löst die Trierer Polizei heute ihre Ermittlungskommission auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass das vermutete Gewaltverbrechen an der 21-Jährigen jemals aufgeklärt werden wird, sinkt damit weiter. Eltern und Ermittler sind frustriert.

(sey) Es war eine der größten Polizei-Aktionen der rheinland-pfälzischen Geschichte: Mehr als anderthalb Jahre lang suchten zeitweise hunderte Polizisten nach einer heißen Spur im Fall der seit dem Sommerfest der Trierer Fachhochschule 2007 verschwundenen Studentin Tanja Gräff. Es gab unzählige Such-Aktionen, Zeugen-Aufrufe, Befragungen, Überprüfungen und Hinweise, denen nachgegangen wurde. Einmal wurde sogar ein ganzer Stadtteil abgeriegelt, weil die vermisste Studentin in einem der Häuser vermutet wurde. Ein "falscher Alarm", wie sich später herausstellte.

Einer unter vielen: Letztlich sind die Ermittler heute nicht viel schlauer, als am Tag nach Tanjas Verschwinden. "Wir können mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Aber es gibt Fälle, da stößt man an seine Grenzen", sagt Kriminalhauptkommissar Christian Soulier. Der 43-Jährige leitet seit einem Jahr die 15-köpfige Ermittlungskommission im Fall Tanja, die heute aufgelöst wird. "Irgendwann ist man an einem Punkt angekommen", sagt er, "wo alles gemacht ist."

"Für unsere Tochter war es nicht genug und nicht das Richtige", meint Tanjas Mutter Waltraud. Zwar loben auch die Eltern der vermissten Studentin das Engagement der Polizei. Aber das Ergebnis sei frustrierend: "Sie haben keine Spur, gar nichts."

Dass die Ermittlungskommission heute aufgelöst wird, ist für Tanjas Eltern nicht einfach zu verkraften. "Es ist traurig", sagt die Mutter, "dass man einen Menschen einfach aufgibt. Terroristen werden gesucht, bis man sie findet, Vermisste nicht."

"Die Akten im Fall Tanja Gräff werden nicht geschlossen", verspricht dagegen der scheidende Ermittlungsleiter Christian Soulier. Er übergibt die Akten heute an das Fachkommissariat "Kapitaldelikte", wo sich künftig ein Kripobeamter um den Vermisstenfall kümmern werde. Aber nur dann, räumt Soulier ein, "wenn sich etwas Neues tut." In einem solchen Fall könne auch die bereits vor einem Jahr aufgelöste Sonderkommission (Soko) rasch wieder ins Leben gerufen werden.

Tanjas Mutter befürchtet indes, dass ihre verschwundene Tochter in Vergessenheit geraten könnte. "Nur wir bleiben mit unserem Kummer, unserem Schmerz und unserer Sehnsucht zurück."Meinung

Engagiert, aber erfolglos

Fall Tanja: Was man der Polizei vorwerfen kann und was nicht

Von Rolf Seydewitz

Wohl nie zuvor hat in der Region das Verschwinden eines Menschen eine solche Aufmerksamkeit erfahren wie der Vermisstenfall Tanja Gräff. Die Polizei setzte auf der Suche nach Hinweisen und Spuren ganze Hundertschaften in Bewegung, drehte rund um die Trierer Fachhochschule jeden Stein um, tauchte alle Gewässer ab und bat auch die Öffentlichkeit dutzende Male um Mithilfe.

Parallel dazu initiierte auch Tanjas Freundes- und Bekanntenkreis eine beispiellose Such-Aktion, verteilte Flugblätter, machte Info-Stände, informierte auf einer eigenen Seite im Internet. Das Ergebnis all dieser Bemühungen von offizieller und nichtoffizieller Seite: mehr als 1400 Hinweise, aus denen die Ermittler letztlich 600 Spuren anlegten.

Es ist eigentlich unvorstellbar, dass unter diesen mehrfach überprüften Spuren am Ende nicht eine einzige war, die die Fahnder in dem mysteriösen Vermisstenfall zum Ziel geführt oder zumindest weitergebracht hat. Niemand hätte dann den personellen Aufwand in Frage gestellt oder gewagt, die letztlich erfolglose Arbeit der Ermittler zu kritisieren.

Es ist verständlich, dass Tanjas Eltern jetzt, wo die Ermittlungskommission aufgelöst wird, enttäuscht sind, vielleicht sogar wütend. Ihnen bleibt die Ungewissheit über das Schicksal der wahrscheinlich einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallenen einzigen Tochter und die Gewissheit, dass der Täter weiter unbekannt und auf freiem Fuß ist. Dass sich daran noch etwas ändern könnte, ist unwahrscheinlich - zumal der Fall Tanja für die Polizei ab heute ein Vermisstenfall ist wie viele andere.

Andererseits: Warum soll eine Ermittlungskommission weiter bestehen bleiben, wenn alle Spuren zigfach überprüft sind und die Arbeit damit getan ist?! Wer als Kriminalbeamter zur Ermittlungskommission abgestellt ist, fehlt schließlich in einem anderen Fachkommissariat.

Mangelnden Erfolg kann man der Trierer Polizei im Fall Tanja Gräff vorwerfen, aber nicht mangelndes Engagement. Das gilt für den zuletzt federführenden Christian Soulier und die Ermittlungskommission; das gilt aber auch für Souliers Vorgänger Bernd Michels und die schon vor einem Jahr aufgelöste Sonderkommission.

Die Beamten haben alles daran gesetzt, das vermutete Gewaltverbrechen aufzuklären. Dass nach über anderthalb Jahren weder der Tatort bekannt ist, noch das Opfer oder der Täter gefunden sind, ist tragisch. r.seydewitz@volksfreund.de

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