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Verona Kerl über Weinversteigerungen des Bernkasteler und Großen Rings

Auslese : Zum Ersten, Zweiten und Dritten!

Sie können spannend und kurzweilig wie ein Krimi sein, manchmal aber auch episch lang wie ein Roman von Tolstoi.  Weinversteigerungen werden herbeigesehnt und bereiten dem ein oder anderen Winzer doch so manches Mal Enttäuschung.  Sie sind der Höhepunkt des Weinjahres sowohl für den Verband Deutscher Prädikatsweingüter an Mosel, Saar, Ruwer (VdP) als auch für den Bernkasteler Ring.

Beide Vereinigungen treibt die brennende Frage um: Wie viel bringen die besten Weine ihrer Mitglieder auf dem internationalen Markt? Jahr für Jahr gelten sie daher als Gradmesser der Wertschätzung für die Spitzenweine des neuen Jahrgangs sowie der angestellten Raritäten. Preise von mehreren Tausend Euro sind dabei keine Seltenheit. Die Ware ersteigern darf aber nicht jeder. Dies tun sogenannte Kommissionäre, die wiederum Aufträge von ihren Kunden, Händlern oder Importeuren erhalten.

Nach welchen Weinen aber suchen die Kunden? Welche Kriterien werden angelegt? Die Antwort ist fast banal: Berühmte Lagen und der Name des Winzers lassen Gebote in die Höhe schnellen. Rekordhalter für Höchstpreise ist der VDP-Winzer Egon Müller aus Wiltingen an der Saar. Er erzielte 2015 mit seiner 2003er Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese (TBA) den höchsten Preis, der weltweit je erreicht wurde. 12 000 Euro netto für jede der 22 versteigerten Flaschen, hinzu kommen fünf Prozent Auktionsgebühr und 19 Prozent Mehrwertsteuer, macht also satte 14.994 Euro pro 0,75 Liter Flasche.

 So hoch gingen die Gebote in diesem Jahr allerdings nicht. Einige bemerkenswerte Geschäfte tätigten die Kommissionäre aber doch. Spitzenwinzer Markus Molitor, Mitglied im Bernkaster Ring, hat viele Fans seiner edlen Tropfen. Seine 2019 Berncasteler Doctor Riesling Auslese, Drei Sterne, trocken, schaukelte sich schnell hoch. Ergebnis: 1436,93 Euro brutto für eine Flasche. Den höchsten Preis bei der Versteigerung des VDP erzielte eine Magnumflasche vom Weingut Maximin Grünhaus. Der 2018er-Jahrgang Herrenberg Trockenbeerenauslese Nr. 221 ging für einen Preis von 7850 Euro netto weg.

            v.kerl@volksfreund.de