Versuchter Ehrenmord: Bruder schweigt zu der Tat

Trier (wie) · Der Bruder, der am Dienstag seine 17-jährige Schwester mit einem Pflasterstein mehrmals auf den Kopf und ins Gesicht schlug, schweigt zu der Tat. Seit gestern sitzt der 21-Jährige in Untersuchungshaft. (aktualisiert um 15.58 Uhr)

Ihm wird versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Bereits im Mai hatte er seine Schwester angegriffen und ihr schwere Prellungen zugefügt. Bruder und Schwester stammen aus einer Familie mit irakischer Herkunft. Hintergrund der Tat: Der Bruder sah in der westlichen Lebensweise eine Verletzung der Familienehre.

Das Mädchen war im April aus dem Elternhaus ausgezogen und fand Schutz vor der Gewalt des Vaters und des Bruders in einem Frauenhaus in Trier. Nach dem versuchten Ehrenmord hat das Trierer Familiengericht heute morgen den Eltern des Mädchens die Vormundschaft entzogen. Das bestätigte das Jugendamt der Stadt Trier. Das Trierer Jugendamt hat nun die Vormundschaft über das Mädchen, die Eltern sind nicht mehr sorgeberechtigt. Bei Unterschriften etwa müssen sie nicht mehr gefragt werden.

Es sei ungewöhnlich, dass sich eine solche Tat wie der Angriff des Bruders auf seine 17-jährige Schwester in Trier geschieht, sagt der Trierer Kriminologe Hans-Heiner Kühne. Durch eine an sich gute Integration habe sich in der Region eigentlich keine Parallelgesellschaft von Ausländern gebildet.

Kühne, der auch in der Türkei lehrt, sieht Ehrenmorde nicht in der Religion begründet. Gewalt sei auch im Islam verboten. Vielmehr spiele die Herkunft der Familien, die aus falsch verstandener Ehre gewalttätig werden, eine Rolle. Oft stammten sie aus Unterschichten in ihrem Herkunftsland und hätten ein übersteigertes Religionsverständnis.