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Viele Vorschusslorbeeren für den neuen Chef der Bischofskonferenz, Georg Bätzing

Porträt : Viele Vorschusslorbeeren für den neuen Chef der Bischofskonferenz, Georg Bätzing

Der ehemalige Trierer Generalvikar Georg Bätzing ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

Als Bischof von Limburg und damit Nachfolger des Skandalbischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst hat der 58-Jährige in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt, dass er schwierige Gemengelagen meistern kann. Ein Talent, das er in seinem neuen Amt an der Spitze der Bischofskonferenz gut gebrauchen kann.

Als der Trierer Generalvikar im Juli 2016 erfuhr, dass er die Nachfolge des nach Rom weggelobten Limburger Bischofs antreten würde, da wählte Georg Bätzing für sein ersten Statement mit dem Eingang zu einem in die Jahre gekommenen Bürogebäude einen der schmucklosesten Plätze des Trierer Generalvikariats.

Die bauliche Tristesse im Umfeld – das glatte Gegenteil zu der millionenschweren Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg, die Bätzings Vorgänger Franz-Peter Tebartz-van Elst Amt und Würden gekostet hat. Es war das erste Signal des scheidenden Generalvikars an seine zukünftige Wirkungsstätte nach dem Motto: Hier kommt jemand, dem Prunk und Protz nichts bedeuten, dem der Glaube und die Menschen wichtiger sind als ein überdimensioniertes Bad oder maßgefertigte Möbel.

Georg Bätzing enttäuschte nicht. Seit er die Nachfolge in Limburg antrat, ist die Diözese aus den Negativschlagzeilen raus, was in erster Linie Bätzings ruhiger und uneiteler Art zu verdanken ist. Aufbrausend kann man sich Georg Bätzing, der seine Worte sorgsam und druckreif formuliert, kaum vorstellen. Mit freundlich-einnehmendem Auftreten geht er auf die Leute zu. Abgehobener „Kirchensprech“ liegt ihm fern, obgleich er promovierter Theologe ist.

Bätzing ist bodenständig, fröhlich, geht auf Menschen zu, kann sie für eine Sache begeistern, ist offen. „Er kann einfach mit de Leut'“, sagt in Anlehnung an einen alten Kohl-Spruch jemand aus dem Bistum, der Bätzing seit vielen Jahren kennt. „Einen Besseren hätten die Limburger nicht bekommen können“, meinte nach Bätzimngs Ernennung Paulinus-Chefredakteur Bruno Sonnen, der den gebürtigen Westerwälder schon seit Jahrzehnten journalistisch begleitet.

Georg Bätzing, an der Sieg aufgewachsen, hatte seinen Lebensmittelpunkt drei Jahrzehnte in Trier. Hier wurde er 1987 zum Priester geweiht, war erst Vize-Chef, dann Regens des Priesterseminars. Nach seiner Promotion war Bätzing Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt, ehe ihn Bischof Stephan Ackermann zu seinem Generalvikar machte.

Das Motto der vergangenen Heilig-Rock-Wallfahrt – „Und führe zusammen, was getrennt ist“ – war für Georg Bätzing auch die Arbeitsbeschreibung nach seinem Amtsantritt in Limburg sein. Als seinen bischöflichen Wahlspruch wählte er „Congrega in unum“. Das heißt: Führe zusammen.

„Ich war tief erschrocken, ein echter Schock, bin immer noch wie auf einer Achterbahn“, kommentierte er vor dreieinhalb Jahre die Nachricht aus Rom. So ähnlich dürfte es dem 58-Jährigen auch am Dienstag gegangen sein, als er „merkte, dass es ernst wird“, wie er selbst sagte.

Vor schwierigen Aufgaben hat sich Georg Bätzing in der Vergangenheit nie gedrückt, „sondern immer die Aufgaben erfüllt, die mir gegeben wurden“, wie er selbst einmal einräumte. Bätzings letzter Trierer Herkulesjob war die Bistumssynode. Die Fortsetzung des unlängst in Frankfurt gestarteten synodalen Wegs wird ihn auch jetzt in seinem neuen Amt fordern.

In dieser Funktion hat Georg Bätzing in den vergangenen Jahren auch schon gezeigt, dass er nicht nur lächeln, sondern auch kämpfen kann. Einen Prozess über die nach Meinung des Bistums Unzulässigkeit von kritischen Äußerungen der Gesamtmitarbeitervertretung fechtete Bätzing bis vors höchste kirchliche Arbeitsgericht durch, aber auch dort unterlag er. Dass Bätzing diesen Weg unterstützt, machte er gleich in seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl deutlich. Er sei sehr überzeugt von dem neuen Miteinander von Laien und Priestern, ließ er die Journalisten wissen.

Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz pflegt übrigens beste Beziehungen ins rheinland-pfälzische Kabinett, allerdings sind die eher unpolitisch: Die Mainzer Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) ist die Cousine des Limburger Bischofs. Und ein Fan des neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz: „Georg ist ein sehr offener, bodenständiger und ruhiger Mensch, der für schwierige Aufgabe genau das richtige Fingerspitzengefühl hat“, meinte die Ministerin nach seiner Ernennung zum Limburger Bischof.