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Virus-Experten sagen: Abwarten, ob die Maßnahmen greifen

Kostenpflichtiger Inhalt: Coronavirus : Robert Koch-Institut: Abwarten, ob die rigiden Maßnahmen greifen

Die Experten lassen offen, wann wieder Normalität einkehren kann, denn die Zahl der Neuinfektionen steigt weiter. Entwicklungen in Österreich und Belgien lassen hoffen.

Das für die Seuchenbekämpfung zuständige Robert Koch-Institut (RKI) legt sich noch nicht fest, ob die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie Wirkung zeigen: „Wir müssen abwarten“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. Noch am Montag hatte er von einem ersichtlichen Trend gesprochen, dass die exponentielle Wachstumskurve der Neuerkrankungen etwas abflache.

Laut RKI hat es bis Mittwoch in Deutschland 31 554 mit dem Coronavirus infizierte Personen gegeben, 4118 Fälle mehr als am Dienstag. Die Steigerung am Tag davor: 4764 Fälle. 5600 infizierte Personen sind wieder geheilt. Wie weit die Zahl der Neuinfektionen absinken müsse, damit Maßnahmen wie das Kontaktverbot und die Ausgangsbeschränkung aufgehoben werden, könne er derzeit nicht sagen. „Es gibt kein Patentrezept, wir werden die Maßnahmen immer wieder anpassen.“

Zahlen aus Österreich und Belgien lassen vermuten, dass die rigiden Ausgangsbeschränkungen Wirkungen zeigen. Beide Länder hatten vor Deutschland entsprechende Maßnahmen beschlossen. In Österreich hat sich der Anstieg der Neuinfektionen etwas abgeflacht. Auch in Belgien ist die Rede davon, dass die Entwicklung in eine „richtige Richtung“ gehe. Nur durch die Reduzierung der sozialen Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts könne der Anstieg der Neuinfektionen verlangsamt werden, sagt der Koblenzer Mathematiker Thomas Götz. Zusammen mit anderen Forschern, darunter Jan Pablo Burgard von der Uni Trier, hat er den Verlauf der Corona-Pandemie berechnet.

Laut der RKI-Statistik stellt sich das Infektionsgeschehen in der Region zur Zeit vergleichsweise milde dar. In Trier kommen demnach rund 19 Coronafälle auf 100 000 Einwohner, in Trier-Saarburg sind es rund 25 und in Bernkastel-Wittlich 26. Die höchsten Fallzahlen haben die Kreise Vulkaneifel mit 48 pro 100 000 Einwohnern und der Eifelkreis Bitburg-Prüm mit fast 50 Fällen. Zum Vergleich: Rheinland-Pfalz liegt laut RKI bei 39 und Deutschland bei 38 Fällen pro 100 000 Einwohnern. Allerdings weist das Institut darauf hin, dass die veröffentlichten Zahlen nicht den tatsächlichen Stand der Infektionen widerspiegeln, da von der Meldung der Gesundheitsämter und der Übermittlung der zuständigen Landesbehörden an das RKI einige Tage vergehen könnten.

Unterdessen werden in Deutschland die Rufe nach einer sogenannten Exit-Strategie, also einer Perspektive, ab wann das öffentliche Leben und die wirtschaftlichen Aktivitäten langsam wieder hochgefahren werden sollen, lauter. Es sei schwer zu sagen, wie lange die regionale Wirtschaft die aktuelle Situation noch aushalte, sagt Sebastian Klipp, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. Auf jeden Fall müssten die zugesagten finanziellen Unterstützungen von Bund und Land nun zügig bei den Betrieben ankommen. „Hält die Situation länger an, als wir alle hoffen, muss noch einmal nachgebessert werden“, sagt Klipp.

Der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Klaus-Peter-Hammer, geht nicht davon aus, dass schon nach den Osterferien wieder regulärer Unterricht an den Schulen stattfindet.