Von Heiligen, Märtyrern, Kurfürsten und Franzosen

Von Heiligen, Märtyrern, Kurfürsten und Franzosen

Kein anderes Bistum in Deutschland kann auf eine so lange Geschichte von Bischöfen zurückblicken wie das Bistum Trier.

Ob der neue Trierer Bischof das 103. oder 100. Kirchenoberhaupt von Trier ist, darüber geben die Bischofslisten zwar keine eindeutige Auskunft. Sicher ist aber: Die Reihe der Trierer Bischöfe beginnt schon in der Römerzeit.

Der Gründerbischof Eucharius stand in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts der ersten christlichen Gemeinde auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands vor: Trier ist das älteste Bistum Deutschlands. Nachfolger von Eucharius war Valerius; der dritte Trierer Bischof war vermutlich Maternus, dessen Wirken allerdings im Dunkeln liegt.

Erster urkundlich nachweisbarer Bischof von Trier war der Nachfolger von Maternus: Bischof Agritius. In seine Amtszeit fallen die Anfänge des Doms als Bischofskirche: Der Trierer Dom ist die älteste Bischofskirche Deutschlands. In der Amtszeit von Bischof Agritius sollen nach mittelalterlicher Überlieferung auch die Gebeine des Apostels Matthias und der „Heilige Rock“ – die bis heute im Trierer Dom aufbewahrte Tunika Christi – nach Trier gebracht worden sein.

Ein bedeutender Trierer Bischof der Spätantike war im 4. Jahrhundert der Heilige und Märtyrer Paulinus, der sich in Glaubensfragen gegen den römischen Kaiser stellte und deswegen verbannt wurde.

Im 5. Jahrhundert endete in Trier die Römerzeit – Franken waren die neuen Herren in Stadt und Land. Es war eine Zeit des Umbruchs. Auch die Bischöfe wechselten im Übergang vom 5. zum 6. Jahrhundert schnell: Aber eine Unterbrechung der Bischofsliste gab es nie. Einer der wichtigsten Bischöfe dieser Zeit war Nicetius (525-566), der den durch ein Feuer zerstörten Dom wieder aufbauen ließ.

In der Folgezeit wuchs die politische Bedeutung der Trierer Bischöfe im deutschen Reichsgebiet. Bedeutende Vertreter waren unter anderem Egbert (977-993), der Kanzler von Kaiser Otto II. war, und Poppo von Babenberg (1016-1047). Unter Erzbischof Poppo wurde der vom Normannensturm 882 erneut erheblich beschädigte Trierer Dom restauriert; die Erweiterung wurde in Angriff genommen.

Im hohen Mittelalter wurden die Erzbischöfe auch immer mehr weltliche Fürsten. Als einer von sieben Kurfürsten im Reich hatte der Trierer Erzbischof zudem ab 1356 offiziell das Recht, den deutschen König mit zu wählen. Bedeutendster Vertreter dieser Epoche war Balduin von Luxemburg (1307-1354). Der letzte Erzbischof und Kurfürst von Trier war der seit 1768 amtierende Clemens Wenzeslaus von Sachsen. Der Einmarsch französischer Revolutionstruppen und die Säkularisation beendeten seine Herrschaft. 1802 wurde der Franzose Charles Mannay Bischof des jetzt in Frankreich liegenden neuen Bistums Trier. Er trat 1816 zurück, nachdem das linksrheinische Gebiet von Preußen zurückerobert worden war. 1824 wurde Josef Ludwig Alois von Hommer erster Bischof des 1821 nochmals neu umschriebenen Bistums Trier, das jetzt zu Preußen gehörte. Im sogenannten Kulturkampf wurde Bischof Matthias Eberhard (1867-76) für zehn Monate inhaftiert. Ihm folgten auf dem Bischofsstuhl der Elsässer Michael Felix Korum (1881-1921), der Kölner Weihbischof Franz Rudolf Bornewasser (1922-51), der Saarländer Matthias Wehr (1951-66) und der aus Weiler (Kreis Cochem-Zell) stammende Bernhard Stein (1967-88).

1981 ernannte Papst Johannes Paul II. Hermann Josef Spital zum Bischof von Trier. Fast 20 Jahre leitete der Münsteraner das Bistum Trier. Sein 2002 eingeführter Nachfolger Reinhard Marx wechselte nach nur sechs Jahren Anfang Februar 2008 als Erzbischof nach München und Freising. Seit dieser Zeit war der Trierer Bischofsstuhl vakant.