123 Jahre hat es die Lackfabrik Hein in Walsdorf gegeben

Wirtschaft : „Wir hatten echt Glück mit dem Verkauf“

123 Jahre hat es die Lackfabrik Hein als Familienunternehmen in Walsdorf gegeben. Jetzt ist Schluss. Warum die letzte Inhaberin Gabriele Hein erleichtert ist und ein Unfall in der Firmengeschichte eine große Rolle spielt, lesen Sie hier.

Vorne im Laden sind die Regale leer geräumt. Hinten im Büro sind die Schreibtische verwaist. Es ist ganz still in dem Betrieb, in dem ehemals zwei Dutzend Menschen beschäftigt waren und von wo aus Lacke, Farben, Holzschutzmittel und Dispersionen in alle Welt gingen.

Gabriele Hein schließt für den Trierischen Volksfreund die Ladentür noch einmal auf. Und erzählt die Geschichte des Unternehmens, die nun zu Ende ist.

Die Großkunden sind an ihre Produktionsfirma in Regensburg verkauft, die regionalen und Ladenkunden hat die Firma Otto Hammes GmbH in Hillesheim übernommen, das Wohn- und Geschäftshaus und die Hallen gehören bereits ortsansässigen Geschäftsleuten.

   „Wir hatten echt Glück“, meint Gabriele Hein mit Blick auf die reibungslose Abwicklung. Besonders froh sei sie, dass sich für die Kunden aus der Region so gut wie nichts geändert habe. Die Firma Hammes in Hillesheim vertreibe das gesamte bisherige Sortiment der Lackfabrik Hein. Dort werden die Kunden von Heins ehemaligem Mitarbeiter Michael Petry bedient und betreut.

    Die heute 70-Jährige leitete nach ihrem Großvater Peter Hein und ihrem Vater Jakob Hein die Geschicke des 1896 als „Großhandel für Öle und Fette“ gegründeten Unternehmens bis zuletzt. Dass die Firma gut 40 Jahre nach der Gründung in Rheinbach bei Bonn nach Walsdorf verlegt wurde, ist eine eigene Geschichte.

War doch Jakob Hein, der Sohn und Nachfolger des Firmengründers, 1936 auf dem Rückweg von einem Besuch bei seinem Bruder Peter (der am Amtsgericht in Hillesheim tätig war), in Walsdorf mit dem Motorrad schwer verunglückt.

Man hatte den Verletzten zunächst in das unmittelbar an der Straße gelegene Haus Michels gebracht. „Das war das Elternhaus meiner Mutter Berta“, sagt Gabriele Hein. Und erklärt: „Durch den Verkehrsunfall lernten meine Eltern sich kennen.“ 1938 war Hochzeit und Verlegung der Firma nach Walsdorf. Der Zweite Weltkrieg unterbrach den Aufbau des Unternehmens – „doch danach wurde richtig losgelegt“, sagt Gabriele Hein und erzählt vom fortlaufenden Ausbau der Firma in den darauf folgenden Jahrzehnten.

   Als jüngste der drei Töchter von Jakob und Berta Hein erhielt sie im elterlichen Betrieb ihre Ausbildung und übernahm nach und nach die Leitung. Die letzten 25 Jahre war sie die alleinige Inhaberin, unterstützt von ihrem Ehemann Lothar, der die nötigen EDV-Kenntnisse einbrachte und für die Technik zuständig war.

Immer mehr behördliche Vorschriften hätten dazu geführt, dass die Produktion an andere Firmen abgetreten wurde, räumt sie ein. Zu keiner Zeit angetastet wurde dabei die Hein’sche Rezeptur und der 1964 von Jakob Hein geprägte Firmennamen ‚Gefola’, die Abkürzung für „Gemeinsame Forschungs- und Laborarbeiten“ (mit fünf weiteren Lackfabriken in Deutschland). Das eingetragene Warenzeichen „Gefola“ ist nun von der Firma Hammes ebenso mit übernommen worden wie die Mischanlagen aus Walsdorf.

   Nein, sie habe keine Wehmut, dass es die Lackfabrik Hein nicht mehr gibt, beteuert Gabriele Hein. Ihr Berufsleben sei von Außendienst, der Ausbildung von etlichen Jugendlichen und den besonderen Herausforderungen eines mittelständischen Unternehmens geprägt gewesen, insbesondere auch von den zahlreichen Kontakten mit Menschen im In- und Ausland in 55 Berufsjahren, sagt sie.

Und betont noch einmal:  „Wir hatten echt Glück mit dem Verkauf.“ Sie freue sich auf alles, wofür bisher die Zeit gefehlt habe: Radtouren und Reisen mit ihrem Ehemann, das Haus mit Garten in Walsdorf, die Freizeit und die Freiheit.

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