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131.000 Setzlinge auf einer Fläche von fünf Fußballfeldern: In Mehren steht die große Tomatenernte bevor

131.000 Setzlinge auf einer Fläche von fünf Fußballfeldern: In Mehren steht die große Tomatenernte bevor

Im Mehrener Industriegebiet steht das große Gebäude, in dem nun Tomaten angebaut werden. 131.000 Setzlinge wurden gepflanzt, im nächsten Monat wird geerntet. Hinter der Fabrik steht ein niederländischer Gartenbaubetrieb, der gut sechs Millionen Euro investiert.

Mehren. Mollig warm ist es in dem riesigen Gewächshaus, das in den vergangenen Monaten im Mehrener Gewerbegebiet entstanden ist. Vor Kurzem wurden in dem 37 000 Quadratmeter großen Gebäude, was in etwa der der Fläche von fünf Fußballfeldern entspricht, 131 000 Setzlinge der Tomatensorte "Lyterno" gepflanzt, die in den Niederlanden gezogen wurden. Die ersten Früchte sollen Anfang Juli geerntet werden, kündigt Investor Donnè Jacobs-Rieter an.

Er investiert sechs Millionen Euro in den Betrieb in Mehren und will dort künftig jährlich rund zwei Millionen Tomaten ernten. "Dieses Jahr schaffen wir das natürlich nicht mehr, aber wenn wir in Zukunft von März bis Dezember ernten können, ist das machbar", erklärt Jacobs-Rieter.
Zunächst aber sind für den Betrieb besonders wichtige "Mitarbeiter" am Werk: Gut 7500 Hummeln tummeln sich in der Halle, ihr Zuhause sind Pappkisten zwischen den Tomatenpflanzen. Die Hummeln sorgen für die Bestäubung der Pflanzen, eine kleine Verfärbung an der Knospe der gelben Blüten zeigt Betriebsleiter Benjamin Hamann, dass es schon vielfach geklappt hat. Unter dem Glasdach muss sowohl nachts als auch am Tag eine bestimmte Temperatur herrschen, dafür sorgen unter anderem dicke Heizungsrohre am Boden.

Nachts herrschen in der Halle 16 bis 17 Grad, am Tage sind es 21 bis 27 Grad. Für die Wasserzufuhr der Pflanzen stehen fünf Außentanks mit 9000 Kubikmeter Regenwasser, die derzeit natürlich randvoll sind, zur Verfügung. "Damit kommen wir, wenn es richtig Hochsommer ist, etwa 50 Tage hin", erklärt der niederländische Investor. Die Tomatenpflanzen werden damit, je nach Sonne und gemessenem Licht, tropfenweise bewässert. "Eine erwachsene Pflanze braucht etwas drei Liter Wasser pro Tag", sagt Jacobs-Rieter. Die Wärme im Gewächshaus wird später vom benachbarten Biomassekraftwerk kommen.
Normale Erde haben die Tomatenpflanzen allerdings nicht und werden sie auch nicht sehen, denn sie stecken in einer Art Schwamm, der das Wasser gut aufnimmt. Noch ist nicht alles fertig gestellt auf dem Areal der Tomatenfabrik.
"Wir wollen später noch eine Verpackungshalle bauen, wo wir auch eine Art Hofladen einrichten. Dieses Jahr packen wir das aber nicht mehr, es muss alles zuerst einmal laufen und wir müssen mal was verdienen", sagt Jacobs-Rieter.
Im Dezember sind alle Tomatenpflanzen übrigens verblüht, dann werden wieder neue Pflanzen gesetzt.Extra

Die Firma Jacobs-Rieter aus dem niederländischen Belfeld bei Venlo ist ein Familienunternehmen und wurde 1982 gegründet. Sie beliefert auch Aldi und Edeka. Auf einer Gesamtfläche von etwa 17 Hektar baut die Familie in Holland Tomaten der Sorte Cherita und Erdbeeren unter Glas an. Die Tomaten werden im Dezember gepflanzt, die Ernte erfolgt von März bis Dezember. Temperatur, Bewässerung und Nährstoffzugabe laufen unter kontrollierten Bedingungen ab. Zur Bewässerung wird überwiegend Regenwasser genutzt, das in einem Rückhaltebecken oder in Tanks gespeichert wird. HG