165 Pferde und ein störrischer Esel

165 Pferde und ein störrischer Esel

STEININGEN. Der kleine Ort Steiningen feierte die 257. Auflage der Pferdesegnung. Hunderte von Reitern und Zuschauern zeigten, dass sich der alte Brauch auch in heutiger Zeit großer Beliebtheit erfreut. Der Heilige Mauritius wird dabei um Schutz von Tier und Mensch gebeten.

Einmal im Jahr ist das Eifeldorf Steiningen im Ausnahmezustand. Dann erwarten die 210 Einwohner Hunderte von Besuchern. Autos stehen an allen Ecken im Ort und parken sogar noch außerhalb am Straßenrand. Mittelpunkt des Besucherinteresses sind die Pferde verschiedener Rassen. Die Reiter erbitten bei der Pferdesegnung den Segen der Kirche für ihre Tiere und sich. "Die Kutsche ist doch was für alte Männer"

Seit 1749, so berichtet stolz die Orts-Chronik, kommen die Pferdehalter nach Steiningen, um sich und ihre Tiere segnen zu lassen. Anders als üblich lagerten die Reiter diesmal nicht beim Festplatz, wo die Buden und das Zelt für die Osterkirmes aufgebaut waren. "Die bisher genutzte Wiese beim Festzelt war einfach zu nass, deshalb haben wir den Sammelplatz auf eine Wiese außerhalb vom Ort verlegt", erklärt Ortsbürgermeister Reinhold Schäfer. So zogen die Reiter diesmal mit ihren Pferden etwas außerhalb vom Dorf auf eine Wiese, auf der sie sich noch von ihrer Anreise entspannen konnten. Die zahlreichen Besucher nutzten die Gelegenheit, sich bei einem Bummel durchs Dorf die Pferde noch genau anzuschauen. Aus allen Richtungen kamen Pferdebesitzer mit ihren Tieren. Einige hatten ihre Tiere im Anhänger nach Steiningen transportiert. Die meisten Pferdebesitzer kamen aber angeritten. Manche von ihnen sind stundenlang unterwegs gewesen, um zur Pferdesegnung zu kommen. Doch der Feiertagsritt hatte ein lohnendes Ziel: Zusätzlich zur wichtigen Segnung bekamen die Reiter als Belohnung noch die Stallplakette. Manche haben schon ganze Wände damit in ihren Ställen bestückt. Pater Hugo Pöpping ist nun zum zweiten Mal dabei und kam diesmal nicht in der Kutsche von Hermann Häp angefahren, sondern wollte unbedingt hoch zu Ross die Pferde im Dorf neben der Kirche segnen. Aus seiner Zeit als Pater in Südamerika kennt der Geistliche den Umgang mit Pferden und Mulis. "Die Kutsche ist doch etwas für alte Männer", betont der 70-jährige Pater forsch. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel hatte Haflinger "Max" von Hermann Häp deshalb die Ehre, dem Pater ein braves Reittier während der Pferdesegnung zu sein. Und Pater Pöpping segnete Pferdehalter und die Tiere. Man merkte ihm die Freude dabei an. Zwischendurch wurden auch noch die Besucher am Rand der Straße gesegnet. Lustige Sprüche über Pferde gab es noch gratis dazu. Fazit: 165 Pferde, zehn Kutschen und ein (störrischer) Esel waren diesmal zur Pferdesegnung nach Steiningen gekommen.