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24-Stundenrennen auf dem Nürburgring: Fans erobern „ihre Nordschleife“ zurück.

Freizeit : „Ohne Camping ist kein Rennen!“

24-Stundenrennen auf dem Nürburgring: Nach zwei Jahren Pause haben die Fans endlich wieder ohne Auflagen „ihre Nordschleife“ zurückerobert.

Zwei Jahre ging nichts. Gar nichts. Totenstille auf den Campingplätzen. Brünnchen, Pflanzgarten, Schwedenkreuz. Wo auch immer. Ein kleines, schmutziges Virus hatte die Tausenden von Feierbiestern, denen das 24h-Rennen immer rund um den Vatertag Anlass zur Non-Stopp-PS-Party lieferte, ausgegrenzt. Und dieses Jahr endlich wieder: Hurra, wir leben noch. „Keine Zuschauerauflagen mehr“. So steht es im offiziellen Programm für die 50. Auflage des Langstreckenklassikers in der Eifel.

Und was bedeutet das jetzt? Wir haben uns umgesehen:

Wohnmobile, Zelte, mobile Theken „Weiß jemand, ob Wippermann schon auf ist? Kommt man da schon hin?“ – Nicht nur in den sozialen Medien herrschte am vergangenen Wochenende bereits reger Betrieb. Auch im „richtigen Leben“ ging es zu wie morgens um sieben zum Start vom Schlussverkauf. Viele Fans hatten die „Nürburgring Classic“ genutzt, um bereits frühzeitig anzureisen. Auf den „Bedarfscampingplätzen“, wie es im Veranstalter-Jargon heißt, hatten die Anreisenden aus nah und fern bereits ihre Claims abgesteckt. Wohnmobile, Zelte, mobile Theken, Feuerstellen, brutzelnde Steaks und Würstchen. Und dazu bereits zum Frühstück der unvermeidliche Gerstensaft, ohne den eine solche motorsportliche Dauer-Ekstase offensichtlich nicht zu überstehen ist.

„Uns auf die Tribünen setzen wie das im vergangenen Jahr angeboten wurde, war für uns kein Thema“, sagte Guido von den Wippermann-Freunden Eifel/Westerwald. Herkunft und Gesinnung hatten er und seine Freunde in einem eigenen Hashtag auf ihren T-Shirts verewigt. „Das wahre 24h-Feeling findet nur auf den Campingplätzen statt. Wir haben gestern aufgebaut, genießen jetzt die Rennen der alten historischen Fahrzeuge auf der Nordschleife, und stimmen uns dann so langsam ein.“

Ähnlich sieht es auch eine Gruppe junger Leute, die aus der Nähe von Weimar hinübergekommen ist. „Wir nehmen uns immer eine ganze Woche Urlaub für das 24-Stundenrennen. Für uns gehören die Fan-Aktionen einfach dazu. Am Mittwoch sind wir unten beim Adenauer Racing day. Der Korso der Teilnehmer, wenn die im Schritttempo durch die Stadt rollen, der Geruch von Öl, Benzin, Bier: Das alles macht die Stimmung aus. Hier beschwert sich auch keiner, wenn man mal nicht rasiert ist oder vielleicht auch nicht so riecht, dass man unbedingt ins Büro gehen könnte.“

Das Schöne an den Motorsportfans ist auch die Tatsache, dass es bei ihnen nicht so zugeht wie bei den „schlagfesten“ Fußball-Hooligans. Hier gehen die Porsche-Fans nicht auf die BMW-Freunde los. Und die Audi-Liebhaber hauen weder verbal noch mit Fäusten auf die AMG-Bewunderer ein.

Die Nordschleifen-Ekstase kommt aus den großen Boxen. Auch dann, wenn zum gefühlt hundertsten Mal Mickie Krauses „Zehn nackte Friseusen“ auf die saftigen Eifelwiesen losgelassen werden. Oder sie schöpft ihre Energie aus dem scheinbar nie versiegen wollenden Zapfhahn.

Ausgelastete Campingplätze Der Veranstalter rechnet damit, dass die Campingplätze in diesem ersten Jahr „nach Corona“ genau so ausgelastet sein werden wie das in all den Jahren zuvor der Fall war. Zum Schluss wurden an den vier Tagen von Donnerstag bis Sonntagabend an die 200.000 feierwütige Fans gezählt. Die genießen dann auch das ganz besondere Flair dieses einzigartigen Rennens.

Wenn nachts bei völliger Dunkelheit das Scheinwerfer-Gewitter zwischen den Curbs nicht aufhört. Und wenn das monotone Brummen der Hubraumriesen oder das infernalische Kreischen der GT3 aus dem Drehmoment-Keller heraus die akustische Kulisse bilden.

Endlich: Nach zwei Jahren Pause haben die Fans „ihre Nordschleife“ zurückerobert. Und am Pfingst-Wochenende, wenn rund 85.000 Musikfreunde bei „Rock am Ring“ die Stages erobern, wird es nicht anders sein.

 Die Fans erobern die Nordschleife zurück. Bereits am Vergangenen Wochenende waren die ersten 24h-Liebhaber vor Ort. So wie hier am Brünnchen.
Die Fans erobern die Nordschleife zurück. Bereits am Vergangenen Wochenende waren die ersten 24h-Liebhaber vor Ort. So wie hier am Brünnchen. Foto: TV/Jürgen C. Braun

Die Eifel lebt und bebt wieder.