300 Jobs in Gefahr?

Ungewissheit: Die Ankündigung der Leitung des Gerolsteiner Brunnens, "bis zu 80 betriebsbedingte Kündigungen" bis 2012 auszusprechen, ist zwar niedriger als von vielen erwartet, dennoch ist die Sorge groß. Wegen der ebenfalls geplanten Ausgliederung von Unternehmens-Teilen glauben viele, dass mehr Jobs in Gefahr sind. Betriebsrat und Gewerkschaft gehen von bis zu 300 Stellen aus.

Gerolstein. Das Szenario ist buchstäblich: Am Tag nach der Ankündigung der Gerolsteiner-Geschäftsführung, bis 2012 bis zu 80 betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, verlassen die Arbeiter der Frühschicht das Werk - und stehen im Regen. Die Stimmung ist gedrückt, die Verunsicherung groß. Zwar wurden unter der Hand stets dreistellige Zahlen gehandelt, wenn es um Prognosen zum Jobabbau ging, und nun sollen es "nur" 80 sein.

Ausgliederungspläne werden skeptisch gesehen



Doch die Arbeiter, die alle nicht mit Namen genannt werden wollen, trauen dem nicht. Einer sagt: "Mal sehen, was am Ende rauskommt." Sein Kollege pflichtet ihm bei: "Die Besorgnis ist groß, viele befürchten, dass es mehr Jobs kosten wird. Ich auch." Und ein Auszubildender meint: "Uns wird es momentan wohl nicht betreffen, aber wie es nach der Ausbildung weitergeht, ist unklar."

Der Betriebsrat (BR) des Gerolsteiner Brunnens sowie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) befürchten, dass hinter den Einsparplänen der Verlust von bis zu 300 Jobs stecken könnte. Neben besagten 80 Kündigungen fallen laut Jung wegen des Auslaufens von Zeitverträgen sowie der Streichung frei werdender und unbesetzter Planstellen zusammen 138 Jobs weg. Eine zusätzliche Gefahr sehen BR und Gewerkschaft in der geplanten Ausgliederung von elf Betriebsteilen. "Wir sehen insgesamt 300 Stellen in Gefahr", sagte der stellvertretende NGG-Bundesvorsitzende Claus-Harald Güster (Hamburg) gestern in Birgel. Für Jung ist aber klar, "dass wir das nicht gesondert verhandeln, sondern nur im Paket. Eine Salamitaktik wird es mit uns nicht geben".

Der BR hat der Geschäftsführung bereits ein eigenes Konzept vorgelegt, aus dem hervorgehen soll, dass die laut Jung angepeilten Einsparungen von rund 20 Millionen Euro ohne betriebsbedingte Kündigungen möglich seien. Betriebsrat und NGG forderten die Geschäftsführung auf, nun gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten. Güster sagte: "Falls es der Arbeitsplatzsicherung dient, sind wir bereit, eine große Klaviatur von flexiblen Arbeitsplatzmodellen über Kurzarbeit bis hin zu Teillohn-Modellen zu spielen."

Matthias Pauly (CDU), Bürgermeister des Gerolsteiner Landes, sagte: "Es wäre absolut zu befürworten, wenn Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam nach Wegen suchten. Ziel beider Parteien muss es sein, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, denn die Mitarbeiter sind das Kapital eines Unternehmens."

Der Brunnen hat rund 760 Beschäftigte. 2008 setzte er mit 6,5 Millionen Hektolitern im Vergleich zum Vorjahr 4 Prozent weniger ab. Der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 197 Millionen Euro.