"50 Jahre Winter mit viel Wärme"

Vor genau 50 Jahren, am 20. Dezember 1957, nahm Bernhard Krämer den Küsterdienst in seiner Heimatgemeinde an. Am Sonntag, 23. Dezember, wird der emsige 71-Jährige in der Messe geehrt.

Seit 50 Jahren im Amt: Bernhard Krämer. TV-Foto: Gabi Vogelsberg

Gerolstein-Lissingen. Bernhard Krämer ist kein Mann der großen Worte. Seinem bescheidenen Naturell ist die Aufmerksamkeit anlässlich des Jubiläums eher unangenehm, weil "alles irgendwie selbstverständlich ist". Und doch blitzt der Schalk in seinen wachen Augen, als er sich an die Anfänge erinnert. Sein Vorgänger war überraschend gestorben, und die Suche eines Nachfolgers war schwierig. Als Vollerwerbslandwirt habe er nie an einen zeitintensiven Nebenjob gedacht. Drei Mal lehnte er ab. Er erzählt: "Doch mein Vater sagte dann, mach es mal über den Winter. Es blieb dabei, und so dauert dieser Winter schon 50 Jahre, den ich aber mit sehr viel Wärme und guter Atmosphäre verbinde." In den ersten Jahrzehnten, als Gerolstein noch eine der größten Pfarreien in der Region war, profitierte die Filialkirche in Lissingen von der guten personellen geistlichen Besetzung mit einem Dechanten und zwei Kaplänen. Krämer: "Da war in Lissingen an zwei Werktagen im Monat sowie an jedem Sonn- und Feiertag Messe." Krämer, ein stimmgewaltiger Tenor, liebt die kirchlichen Angebote. Für die Messen bereitet er alles vor. Für Kreuzwege, Andachten und Rosenkränze ist er alleine verantwortlich. Sitzt beim Gottesdienst jeder Handgriff, so schreibt er sich für die Andachten Notizzettel. Der rührige Witwer berichtet: "Ich versuche, da immer Abwechslung reinzubringen. Der Zettel ist meine Rückversicherung, damit nichts ins Stolpern kommt." Apropos Stolpern. An Missgeschicke kann er sich nicht erinnern. Dafür an "viele schöne Erlebnisse in den Zeltlagern mit den Messdienern" und einen kleinen, kecken Messdiener. Lachend erzählt Krämer: "Er stand mit 20 anderen in der Kirche, als der Pastor ihn fragte, wo er herkomme und er antwortete: Direkt aus dem Himmel." Rund 50 Geistliche hat Krämer in seiner Dienstzeit erlebt. Ein Mal sei aber wegen ihm ein Gottesdienst ausgefallen. Krämer: "Das war vor 30 Jahren. Eine Messe war außer der Reihe angesetzt. Ich habe es vor lauter Arbeit auf dem Hof total vergessen." Wie auch die Messbesucher. Denn außer der Organistin war niemand da. Krämer, der auch als Lektor, Kantor und Vorbeter fungiert, liebt wegen der fröhlichen Lieder im Kirchenjahr die Osterzeit und den Marienmonat Mai. Er gehört zu einem Team mit Putzfrauen sowie Verantwortlichen für den Blumenschmuck und das Mittagsgeläut. Ans Aufhören denkt der 71-Jährige noch nicht: "Ich mache so lange mit, wie es die Gesundheit und die geistige Verfassung es zulassen."