Abgedreht in der Drahtfabrik

Abgedreht in der Drahtfabrik

Die alte Fabrik in Gerolstein dient als Film-Kulisse für einen Krimi. Der Siegerbeitrag beim Junior-Award von Tatort Eifel wird zurzeit dort gedreht.

Gerolstein Es ist heiß, es ist staubig und stickig, aber die Stimmung ist locker: In einer Halle der ehemaligen Drahtwaren-Fabrik wuselt rund ein Dutzend junge Leute herum. Sie stecken mitten in den Dreharbeiten für "Abgedreht", den Siegerbeitrag beim Junior-Award von Tatort Eifel.
Chloé Camus vom Goethe Gymnasium in Bad Ems hat die Geschichte geschrieben, zu der Krimi-Autor Ralf Kramp den Einstieg geliefert hat. Bei der filmischen Umsetzung ist Chloé als Regie-Assistentin dabei. "Ich wollte für meine Geschichte ein aktuelles Thema nehmen und das spannend gestalten", erklärt die vierzehnjährige Autorin.
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist ihr aktueller Bezug - und die spannende Verpackung stellen weiß gekleidete Kapuzengestalten des Ku-Klux-Klan dar. "Ich habe die Sekte aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart geholt, und es gab sogar mal in Bitburg einen Ableger des Klans, gegründet von amerikanischen Soldaten", erklärt Chloé.
Dass sie mit ihrer Geschichte den Junior Award gewonnen hat, habe sie "total überrascht, weil ich sehr kurzfristig da mitgemacht habe, ich war baff."
Die Jung-Autorin hat bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der Mainzer Buchmesse mit einer Geschichte über Zeitreisen einen ersten Erfolg ihrer Schreibkunst feiern können. Auch wenn ihr Nachname Camus an den Schriftsteller und Philosophen erinnert: "Mit Albert Camus bin ich nicht verwandt. Mein Vater ist zwar Franzose, aber es gibt viele Camus in Frankreich."
Währenddessen proben die beiden Hauptdarsteller Nicole Veytsblit und Julius Thor eine Szene. Beide sind Mitschüler von Chloé Camus und durch ein Casting an der Schule zu den Dreharbeiten gekommen.
"Man lernt das Schauspielen kennen, das ist super hier, und die Location ist schlicht genial", erklärt Nicole, die im Film die Figur der Hauptdarstellerin Dana verkörpert. "Das ist keine Standardgeschichte, die Chloé geschrieben hat.
Schauspiel-Erfahrungen zu machen ist was Besonderes und das bei so einem Film ist was Spezielles", lobt Julius Thor, der als Filmfigur Pierre von Dana aus den Fängen einer rechtsradikalen Sekte befreit wird. "Wir erleben das Gegenteil von dem, was landläufig über Jugendliche gesagt wird. Die sind hier richtig dabei, machen ihre eigene Geschichte", erklärt Manfred Schwabe, der als Profi die Regiearbeiten leitet. Zum mittlerweile achten Mal ist Schauspielcoach Schwabe ("Unter uns"), gemeinsam mit Kameramann Nils Keber und Günther Bertram vom rheinland-pfälzischen Landesmedienzentrum verantwortlich für den Film zum Junior-Award bei Tatort Eifel. "Wir müssen uns jedes Mal neu auf die Rahmenbedingungen einstellen", erklärt Bertram. "Wir drehen hier an einem Ort ohne Strom, ohne Wasser, mit ganz viel Dreck, der aber ganz genau zu der Geschichte passt, die Chloé entwickelt hat." Trotz der Schwierigkeiten weiß Bertram aus der Erfahrung: "Interessanterweise kommt am Ende immer etwas sehr Vernünftiges raus." Davon können sich die Besucher von Tatort Eifel am 23. September bei der Premiere des Films zum Junior-Award im Dauner Kinopalast überzeugen.Extra: WETTBEWERB

Chloé Camus (Mitte), Siegerin beim Junior Award von Tatort Eifel, bespricht mit den Darstellern Nicole Veytsblit und Julius Thor deren Filmrollen. Foto: Alwin Ixfeld (AIX), ALWIN IXFELD ("TV-Upload Ixfeld"


Zum Junior Award, dem Wettbewerb für Kinder und Jugendliche beim Krimifestival Tatort Eifel, haben in diesem Jahr rund 250 Teilnehmer mehr als 130 Geschichten eingereicht. Chloé Camus hat in der Altersgruppe 14 bis 20 Jahre den Hauptpreis gewonnen. Das Festival Tatort Eifel bietet vom 15. bis 23. September eine Mischung aus Fachprogramm und publikumswirksamen Veranstaltungen. So werden unter anderem die Schauspieler Gudrun Landgrebe, Dominique Horwitz, Fritz Wepper oder Matthias Brandt erwartet.