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Ärger an den Maaren in der Vulkaneifel - Baden im Naturschutzgebiet verboten!

Ohne Rücksicht auf die Natur : Ärger an den Maaren in der Vulkaneifel - Baden im Naturschutzgebiet verboten!

In Naturschutzgebieten rund um die Maare darf nicht gezeltet, gelagert oder gebadet werden. Es gibt aber immer mehr Menschen, die das rein gar nicht interessiert.

Was tun bei der Bullenhitze? Ein Sprung ins Wasser ist für viele Menschen derzeit ein großes Bedürfnis. Besonders die Maare der Vulkaneifel locken scharenweise Besucher an. Die Corona-Pandemie aber lässt derzeit nur eine begrenzte Anzahl im Zwei-Schichtbetrieb zu.

Am Schalkenmehrener Maar hat man die Besucherzahl von zunächst 250 auf 320 erhöht. „Das klappt auch ganz gut, im Großen und Ganzen sind die Menschen ganz vernünftig“, sagt Thomas Salker, der den Kiosk am Maarbad betreibt. Allerdings gebe es auch einige, die sich nicht an die Regeln halten und das Bad gegen 14 Uhr nicht verlassen wollen, obwohl die coronabedingte Reinigung vor der nächsten Öffnung gegen 15 Uhr ansteht. Davon abgesehen sei der Umsatz um mindestens 50 Prozent gesunken, und er brauche mehr Personal wegen der Hygienevorschriften. Und natürlich fehlen der Gemeinde auch die Eintrittsgelder, „was wir zu kompensieren versuchen mit einer leichten Erhöhung des Eintrittspreises“, sagt Ortsbürgermeister Peter Hartogh.

Was aber allen Beteiligten ein Dorn im Auge ist, sind die vielen Menschen, die außerhalb der Badeanstalt ins Wasser gehen. Und das im Naturschutzgebiet, das an mehreren Stellen auch als solches gekennzeichnet ist.

Ein Rundgang ums Maar vergangenen Freitag am frühen Nachmittag beweist es. An den Plätzen, an denen das Wasser leicht zugänglich ist, haben sich grob geschätzt mindestens 100 Personen auf den Wiesen niedergelassen, egal ob auf privaten oder gemeindeeigenen Grundstücken, die sogar teilweise mit Zäunen abgesperrt sind. Da sind Zelte aufgebaut, Sonnensegel und Decken ausgebreitet, auf denen es sich Familien oder Pärchen gemütlich gemacht haben.

Und es kommen immer mehr über die Feldwege heran. An anderer Stelle lagert eine große Besuchergruppe im Schatten der Apfelbäume. „Für alle, die ihren Eintritt bezahlen, ist das ein Schlag ins Gesicht“, sagt Hartogh. Er geht auf die Menschen zu und klärt darüber auf, dass in einem Naturschutzgebiet weder gelagert noch geschwommen werden darf (siehe Extra).

Müsste er eigentlich nicht weiter ausführen, wenn die Menschen die Schilder läsen. Mehr kann er allerdings nicht tun, als auf die Nachsicht der Menschen zu hoffen. Manche zeigen Verständnis und versprechen gleich aufzubrechen, tun sie aber nicht. Andere hören demonstrativ weg. Sogar ein Hund läuft verbotenerweise unangeleint herum, während Frauchen im gesetzlich geschützten Reservat des Maares schwimmt.

Wieder andere nehmen es mit der Ruhe der Haubentaucher, die ebenfalls unter Naturschutz stehen, nicht so genau, machen im Beisein des Dorfchefs sogar noch Andeutungen, dass man sich zum Abendessen Ente wünscht.

Die erneute Bitte des Ortsbürgermeisters, das Wasser an dieser Stelle zu verlassen, wird regungslos ignoriert. Einen endgültigen Platzverweis spricht er dann einem jungen Mann aus, den er bereits mehrmals abgemahnt hatte. Der schwimmt aber seelenruhig weiter.

Vor der Pandemie sei es schon so gewesen, dass das Naturschutzgebiet missachtet wurde. Aber derzeit sei es noch viel schlimmer, bestätigt auch Kioskbetreiber Thomas Salker, der das vom Maarbad aus gut beobachten kann.

Ein weiteres Ereignis brachte nur wenige Tage zuvor das Fass zum Überlaufen – und der Ortsbürgermeister wandte sich ratlos und hilferufend an den Trierischen Volksfreund. „Der Schäfer Mario Lehnen musste seine Schafe von einer Maarwiese abziehen, weil illegale Maarbader ein neugeborenes Lamm anfassten, das noch nicht abgeschleckt war und deshalb von seiner Mutter verstoßen wurde“, erzählt Hartogh. „Ein unglaublicher Vorgang und ein Skandal, dass ein Elektrozaun überstiegen und ignoriert wird, um ans Wasser außerhalb des Maarbades zu kommen“.

Auf Hilfe von den Behörden wartet er vergebens: „Polizei und Ordnungsamt sagen, sie seien nicht zuständig, darum kümmern müsste sich die Untere Naturschutzbehörde“.

 Trotz Hinweis auf das Naturschutzgebiet wird dem keine Beachtung geschenkt.
Trotz Hinweis auf das Naturschutzgebiet wird dem keine Beachtung geschenkt. Foto: Lydia Vasiliou
 Ein Hund, verbotenerweise nicht angeleint, wartet auf sein Frauchen, die illegal im Wasser schwimmt.
Ein Hund, verbotenerweise nicht angeleint, wartet auf sein Frauchen, die illegal im Wasser schwimmt. Foto: Lydia Vasiliou

Doch die klagt über Personalmangel. Zumindest sei aber von dort erlaubt worden, Zäune an den leicht zugänglichen Stellen zum Wasser zu errichten, was in Kürze auch geschehen soll. Zusätzlich werden zehn weitere Schilder aufgestellt, die auf das Naturschutzgebiet hinweisen. „Die Behörden schauen tatenlos dieser Ungerechtigkeit zu, das Wildlagern und -schwimmen bleibt ohne Konsequenzen“, bedauert Hartogh, zudem habe er schon manche Beleidigung einstecken müssen, wenn er seine Runde ums Maar drehte.