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Ärztliche Bereitschaftsdienst in Gerolstein wird drastisch reduziert

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheitsversorgung : Bereitschaftsdienst: Drastische Einschnitte 

Von 116 auf 37 Stunden pro Woche verringern sich im Krankenhaus Gerolstein die Öffnungszeiten an Wochenenden, Feiertagen und über Nacht. Heftige Kritik daran kommt aus der Kreisärzteschaft.

2009 wurde für die Vulkaneifel ein ärztlicher Bereitschaftsdienst mit Standorten sowohl in Daun wie in Gerolstein eingerichtet. An Wochenenden, Feiertagen oder nachts bleiben Menschen so nicht medizinisch unversorgt. Die Inanspruchnahme jedoch wechselt stark, zum Beispiel je nach Jahreszeit. „Es ist im Prinzip nicht vorhersehbar, wie viele Patienten ihn wann benötigen, er muss immer vorgehalten werden“, erläutert Allgemeinmediziner Wolfgang Luxen, der organisatorische Aufgaben des Bereitschaftsdiensts übernimmt. Zum 1. Juli werden die Öffnungszeiten dieses Angebots am Gerolsteiner Krankenhaus drastisch reduziert, von 116 Stunden pro Woche auf 37. Allein entschieden hat dies die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des Landes Rheinland-Pfalz. Denn bei ihr liegt der Sicherstellungsauftrag für die ambulante vertragsärztliche Versorgung.

„Das kommt völlig überraschend, bedeutet eine drastische Einschränkung und ist nicht mit den vor Ort Verantwortlichen abgestimmt oder mit der Landesregierung kommuniziert“, kritisiert die SPD-Landtagsabgeordnete Astrid Schmitt. Man könne die massive Verschlechterung des Angebots in der Region Gerolstein nicht einfach hinnehmen. Aber als Land selbst eingreifen, etwa mit finanzieller  Unterstützung, könne man ebenso wenig. Der Landesrechnungshof habe deutlich gemacht, dass eine Finanzierung des Bereitschaftsdiensts durch das Land nicht zulässig sei. „Ein Schwarzer-Peter-Spiel durch die KV ist hier völlig unangebracht“, erklärt Schmitt. Sie fordert eine gemeinsame Klärung der Verantwortlichen in der Region und der KV, wie mit den „gravierenden Herausforderungen“ im ländlichen Raum umgegangen werden kann.

Doch es geht nicht allein um Mängel in der Kommunikation, es geht beim ärztlichen Bereitschaftsdienst um das seit Anfang der 2000er Jahren generell geltende Prinzip des Gesundheitssystems, die Versorgung vor allem betriebswirtschaftlich zu regeln. „Natürlich hat der hier weniger Zulauf von Patienten als in den Ballungsgebieten, aber angesichts der großen Distanzen, die auf dem Land zu überwinden sind, machen die beiden Standorte in Daun und Gerolstein Sinn“, findet Wolfgang Luxen. Laut seinen Angaben wird ein Teil des zuschussbedürftigen Dienstes von einer Sonderumlage der niedergelassenen Ärzte in der Vulkaneifel getragen. Scharfe Kritik an der überraschenden Entscheidung der KV übt Manfred Rittich, Chefarzt Innere Medizin am Gerolsteiner Krankenhaus und Vorstand der Kreisärzteschaft.

„Am Tag, als im Trierischen Volksfreund ein Artikel darüber erschien, dass zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum eine ‚Landarztquote‘ bei Studienplätzen eingerichtet worden ist, um zukünftige Kollegen für die Arbeit als Hausarzt auf dem Lande zu gewinnen, haben wir erfahren müssen, dass die KV Rheinland-Pfalz die Versorgung der ländlichen Bevölkerung drastisch reduziert“, schildert er den auch unpassenden Zeitpunkt. „Es ist nicht nachvollziehbar, einerseits den Mangel an Ärzten auf dem Lande mit strukturellen Verbesserungen beheben zu wollen und gleichzeitig andererseits die Versorgung deutlich zu verschlechtern. Beteiligte Ärzte nicht zu informieren und betroffene Patienten nicht zu hören, ist Ausdruck einer abgehobenen Entscheidung.“ Das Argument, der ärztliche Bereitschaftsdienst in Gerolstein sei nicht genügend ausgelastet, macht für ihn keinen Sinn.

Stark beschnitten: Der ärztliche Bereitschaftsdienst wird vielerorts reduziert. So auch ab 1. Juli  im Gerolsteiner Krankenhaus. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

„Die Strukturen im ländlichen Raum sind nicht zu vergleichen mit städtischer Umgebung. Der Versorgungsauftrag sollte auch immer zum Ziel haben, gleiche Lebensbedingungen zu schaffen.“ Gerade auf dem Land befürchtet er andernfalls eine weitere Überlastung der Notfallambulanzen in den Krankenhäusern. Zudem werden, so seine Überzeugung, potenzielle neue Landärzte abgeschreckt, wenn ihnen klar wird, dass die ärztlichen Bereitschaftsdienste am Krankenhaus ausgedünnt wurden und sie darum selbst deutlich weitere Wege für Hausbesuche einkalkulieren müssen. „Ich fordere daher den KV-Vorstand auf, die Entscheidung zunächst auszusetzen, um mit allen Betroffenen eine für die Region tragfähige Lösung zu finden“, hofft auch Rittich auf eine Kurskorrektur.