Naturschutz: Affenliebe mit Folgen

Naturschutz : Affenliebe mit Folgen

Eine junge Eifelerin gründet eine Organisation zur Vermittlung von Freiwilligenarbeit in Tierschutzstationen in Afrika.

Wenn sich Abenteuerlust und Tierliebe vereinen, dann kann es schon mal sein, dass man in Afrika landet. So jedenfalls beginnt die Geschichte von Michelle Schreiber aus Darscheid. „Afrika und die wilden Tiere haben mich von Klein auf fasziniert“, sagt die 23-Jährige. Mit ein Grund, warum sie sich nach dem Abitur im Jahr 2015 mit 19 Jahren alleine auf die Reise begibt und als freiwillige Helferin in Johannesburg in Südafrika landet.

Im Internet sei sie auf die Möglichkeit gestoßen, auf einer Farm mit Wildtieren zu arbeiten. Zunächst hat es ihr eine Löwenstation angetan, doch schnell erkennt sie, dass dort eher der Jagdtourismus gefördert wird. „Hier wurden die Löwenbabys aufgezogen und später an die Jagdindustrie verkauft“, erzählt die junge Frau. Das gefällt ihr gar nicht und sie macht sich auf zum zweiten Projekt, das sie ebenfalls schon vorher gebucht hatte. „Und da stimmte alles“, freut sich Michelle. Dort entwickelt sich ihre, im wahrsten Sinne des Wortes, Affenliebe.

In der Provinz Limpopo fühlt sie sich in einer Aufnahmestation für Affen - Weißkehlmeerkatzen, Grünmeerkatzen, Bärenpaviane und Buschbabies – sehr wohl, auch deshalb, „weil ich Affen schon immer total toll fand, aber zur wahren Leidenschaft wurde es erst vor Ort, weil ich da gespürt habe, wie menschlich und ähnlich uns diese Tiere sind“, sagt Michelle. Zu dieser Station werden Waisenbabys gebracht, deren Mütter überfahren oder erschossen wurden sowie Affenbabys aus Tiershows, mit denen man nicht zurecht kam. „Wenn sie groß genug sind, werden sie Schritt für Schritt an die Freiheit gewöhnt, zunächst in einem rund acht Hektar großen Gehege untergebracht, bis sich ein Alpha-Tier herauskristallisiert hat und sie dann ausgewildert werden können“, sagt Michelle.

Und da war dann Barney, ein unterernährter Bärenpavian, der eine besondere Beziehung zu der jungen Frau aufgebaut hatte, aber auch umgekehrt. Diese Affenliebe sollte Folgen haben. Nach fünf Wochen stand das Eifeler Mädchen am Check-in-Schalter am Flughafen in Kapstadt und wollte den Heimflug antreten. Aber es kam anders.

Michelle drehte sich auf dem Absatz um und wollte zurück – zu Barney, der noch nicht ganz auf dem Damm war. Die Sehnsucht war groß und Michelle informierte ihre Eltern, dass sie noch nicht zurück komme. „Meine Mutter war damals einem Herzinfarkt nahe“, gesteht die Studentin für Grundschullehramt im Gespräch mit dem Volksfreund. Eine Nacht in der Toilette des Flughafens und 500 Kilometer Entfernung mussten überwunden werden. Aber sie schaffte es zurück, zur Freude Barneys und der rund zwölf Mitarbeiter. Weil ihr Visum auslief, kehrte sie schließlich nach insgesamt drei Monaten in Südafrika nach Deutschland zurück.

Klar, dass Afrika und die Affenstation weiterhin einen festen Platz im Leben der Eifelerin haben. Nach ihrer Rückkehr arbeitet sie bei der Post um Geld zu verdienen und zu sparen, damit sie 2017 und 2018 wieder nach Limpopo fliegen kann, schließlich gehen Flug, Unterkunft und Verpflegung auf eigene Kosten. Und im März diesen Jahres hat Michelle ihre Flitterwochen mit Ehemann Marc, der sie vollends unterstützt, dort verbracht. „2020 werden wir wieder nach Afrika fliegen, Marc bleibt drei Wochen und ich vier Monate in Verbindung mit einem Auslandssemester“, sagt Michelle.

Dabei wird es aber nicht bleiben. Michelle Schreiber wird im Januar 2020 eine Crowd-Funding-Kampagne (Spendenaktion) starten, um Geld für ihre eigene Organisation affis.adventures zu generieren, die im November 2020 an den Start gehen soll „weil ich dann freiwillige Helfer vermitteln und unterstützen kann, wir müssten rund 3.500 Euro zusammen bekommen, um die Kosten für steuerliche und rechtliche Beratungen und die bürokratischen Kosten vor Ort begleichen zu können. Mein Ziel ist es, eine Herzensorganisation zur Vermittlung von nachhaltiger Freiwilligenarbeit für Primaten zu gründen. Dabei möchte ich abenteuerlustigen Reisenden mit einem Herz für Affen, die Möglichkeit geben, in meine Welt als Tierschützerin in Afrika, einzutauchen. Gleichzeitig unterstützen wir damit lokale Stationen, die dringend auf finanzielle und physische Hilfe bei ihrer Arbeit angewiesen sind“, betont die Tierfreundin.

Weitere Infos auf der Internetseite: www.affisadventures.de oder  der Facebookseite www.facebook.com/AFFIS.ADVENTURES