Aktion für Sorgenkinder

GEROLSTEIN. Weil viele junge Autofahrer an Unfällen beteiligt sind, wurde an der Berufsbildenden Schule in Gerolstein erstmals ein Projekt zur Verkehrssicherheit für Fahranfänger angeboten. Ergebnis: Die 100 Fahranfänger waren durchweg interessiert. Daher wollen die Organisatoren mit dieser Art der Aufklärung weitermachen.

"Mensch, das ist echt Klasse. So ein Sicherheitstraining sollte für jeden Neuling Pflicht sein", fordert Michael Petry aus Utzerath. Fasziniert steht er auf dem Schulhof der Berufsbildenden Schule (BBS) in Gerolstein. Neben ihm steht ein so genannter Gurtschlitten der Kreisverkehrswacht Daun. Angeschnallt am Fahrersitz kann man auf dem Simulator einen Auffahrunfall erleben. Patrick Müller aus Kelberg sagt: "Ich hatte ein echt mulmiges Gefühl als ich mir vorstellte, direkt auf einen Baum zuzurasen." Noch kennt er die Regeln: Arme bei sich halten, Zunge rein, Beine locker lassen, also nicht gegen den Fahrzeugboden stemmen.Skeptisch meint der Berufsschüler, der ab nächstes Jahr hinter dem Steuer sitzen wird: "Wenn der Unfall plötzlich kommt, weiß ich nicht, ob ich mich noch daran erinnere." Er fordert ebenso wie Christian Keil aus Manderscheid mehr Sicherheitstraining.Der Schulhof gleicht einem Fahr- und Sicherheitszentrum. Im Verkehrsmobil der Landespolizeischule können Reaktionstests gemacht werden. Keil klettert gerade aus dem Überschlag-Simulator des Sicherheitszentrum Nürburgring. Er meint:"Ich finde es wichtig zu wissen, wie man sich aus einem überschlagenen Auto befreit." Beine gegen das Armaturenbrett stemmen, um den straffen, blockierten Sicherheitsgurt lösen zu können. Führerscheinneuling Christian Sicken aus Walsdorf erzählt aus Erfahrung: "Als Beifahrer habe ich schon einen Unfall erlebt und weiß, wie dann der Adrenalinspiegel steigt. Jetzt weiß ich, wie ich mich in Unfallsituationen besser verhalten kann."Auch Jennifer Geister aus Wallersheim gewinnt den Übungen nur Vorteile ab: "Nach dem ersten Schock werde ich mich bestimmt an die Regeln, die wir hier gelernt haben, erinnern."Die Initiatoren des Pilotprojekts waren Horst Krämer von der Polizei in Daun und BBS-Lehrer Manfred Stumps. Seine Kollegen Heinz Rohde und Rainer Uhlendorf schlossen sich an.Fahranfänger in viele Unfälle verwickelt

Polizist Krämer, seit 15 Jahren Verkehrserzieher für alle Altersklassen, erklärt: "An den 2200 Unfällen, die vergangenes Jahr im Kreis Daun passiert sind, waren 29 Prozent der beteiligten Personen Fahranfänger." Der Bundesdurchschnitt liegt bei 25 Prozent.Bemerkenswert außerdem: Vier Mal mehr Jungs als Mädchen sind an Unfällen beteiligt. "Die Jungen überschätzen sich und stehen stark unter Gruppenzwang", begründet der Polizist. Er freut sich über das Zustandekommen der Aktion, weil "für die Sorgenkinder der Verkehrssicherheit" was getan werden muss.Krämer kennt kein vergleichbares Angebot für Fahranfänger in der Region Trier. Er will den Jugendlichen "nix überstülpen, sondern die Gefahren bewusst machen". Besonders freut Krämer, dass er so viele Mädchen zum Mitmachen bewegen konnte. "Sie haben eine unheimliche Macht, und die Burschen richten sich danach, was sie sagen." Das gelte vor allem für das Autofahren nach Feten. Marieke Steffes aus Hinterweiler verrät: "Ich weiß von keiner Fete, wo nicht wenigstens einer, nachdem er bereits getrunken hatte, noch gefahren ist."Stefanie Groß aus Gerolstein berichtet: "Wenn ein Freund was sagt, gibt der Junge meistens nix drauf, aber wenn ein Mädchen was sagt, geben sie meistens freiwillig die Autoschlüssel ab."Die Organisatoren konnten für die Premiere auch Notarzt Detlev Horch und Norbert Kreten, Direktor des Amtsgerichtes Daun, gewinnen. Auch sie berichteten über ihre Erfahrungen. Notarzt Horch, sechsfacher Vater und Allgemeinmediziner in Dreis, sagt: "Es ist bedrückend, wie viele junge Menschen auf der Straße sterben." Er referierte unter anderem über die Einflüsse von Alkohol- und Drogenkonsum: "Es ist vielen nicht klar, dass ein Joint Wochen später noch nachweisbar ist." Die rechtlichen Aspekte eines Verkehrsunfalls und die Folgen für den Fahrer zeigte Kreten auf. Der Jurist machte den 100 Berufsschülern aus vier Klassen klar, welche Verantwortung sie tragen, sobald sie hinterm Steuer sitzen.Tiefe Betroffenheit und Tränen in den Augen etlicher Mädchen hatte der Vortrag eines Vaters zur Folge, der über den, für die Familie unfassbaren, Unfalltod seines Sohnes berichtete.Mitinitiator Manfred Stumps resümiert nach der Veranstaltung: "Es wird eine Wiederauflage geben und zwar mit noch mehr Jugendlichen."Die Schüler erhielten zudem Gutscheine über ein Fahrsicherheits-Training auf dem Nürburgring. Infos dazu gibt es unter Telefon 02691/30150 oder im Internet unter www.fahrsicherheitszentren.de.

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