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Aktion gegen Mauer des Schweigens

Aktion gegen Mauer des Schweigens

Weil der Tod zu unserem Leben gehört und damit wir Sterben und Trauer besser verstehen, haben der Pfarrer Andreas Paul und die Gemeindereferentin Stefanie Peters eine Veranstaltungsreihe konzipiert. Am Anfang standen ein thematischer Gottesdienst, ein gleichermaßen inspirierender und informativer Vortrag sowie die Eröffnung einer Ausstellung über Suizid. Noch bis zum 23. November gibt es täglich Angebote.

Hillesheim. "Glauben Sie mir, niemand nimmt sich gern das Leben", sagt Henning Klein aus Euskirchen in die absolute Stille, die während seiner Ansprache unter den rund 70 Zuhörern in der Hillesheimer Kirche herrscht. Er leitet in seiner Heimatstadt die Gruppe Agus (Angehörige um Suizid), und er erklärt, solange man nicht selbst betroffen sei, sei das Thema weit weg. Statistisch gesehen nähmen sich in Deutschland jeden Tag 27 Menschen das Leben, darunter drei Kinder, sagt Henning Klein. Suizid stehe am Ende einer psychischen Erkrankung, die er als "Seelenkrebs" bezeichnet.
Lob für Organisatoren


"Und niemand sucht sich seine Krankheit aus", betont der Vater eines 14-jährigen Jungen, der vor zehn Jahren Suizid beging. Er begrüße die Aktionswoche und empfehle die Ausstellung - "damit Vorurteile abgebaut und Schuldgefühle abgelegt werden können."
Zwei Dutzend Banner hat die Ausstellung über Suizid; ihre Untertitel sind "Keine Trauer wie jede andere" und "Gegen die Mauer des Schweigens". Es geht unter anderem um Emmy Meixner-Wülker, die 35 Jahre alt, Lehrerin und Arztfrau ist, als sie im Februar 1963 aus ihrem Klassenzimmer gerufen wird und erfährt, dass sich ihr Ehemann das Leben genommen hat. 25 Jahre später outet sie sich in der Presse als Ehefrau eines "Selbstmörders" und gründet Agus. Es geht um die Erfahrungen von Betroffenen, wenn sich ein Elternteil, ein Kind, ein Partner, eine Schwester oder ein Bruder das Leben nehmen. Es geht um Trauer als "die dunkle Schwester der Liebe" und um das Warum. "Warum bist Du nicht einen anderen Tod gestorben? Krebs. Herzinfarkt, Unfall. Das Übliche", wird eine Hinterbliebene zitiert.
Der Trierer Theologie-Professor Martin Lörsch hält den Einführungsvortrag. Er lobt Pfarrer Paul und Gemeindereferentin Peters für den Mut, das Thema aufzugreifen.
Die Aktionswoche sei beispiel- gebend, sagt er mit Blick auf das Tabu, das auf Suizid und Suizidversuch liege. Die Rate gehe in Deutschland zurück dank verstärkter vorbeugender und unterstützender Angebote. Die Gefährdung steige allerdings mit zunehmendem Alter an. Zu den Risikogruppen gehörten an Depression, Sucht und Psychosen erkrankte und unter Einsamkeit leidende Menschen. "Informieren Sie den Arzt, wenn ein Angehöriger oder Freund Suizid thematisiert und danach unheimliche\' Ruhe eintritt", erklärt Professor Lörsch.
Er räumt ein, dass Glaube und Religion nicht ohne weiteres Suizide verhinderten. Wohl aber, wenn lebendiger Glaube mit anderen geteilt und Probleme und Ängste ohne Bevormundung und Vereinnahmung artikuliert werden könnten. Tröstlich angesichts des schweren Themas sind Lörschs Zuspruch: "Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand" und Stefanie Peters\' wunderbarer Gesang eines irischen Segenswunsches sowie die Möglichkeit, im "Garten der Erinnerung" eine Kerze anzuzünden oder einen Stein mit dem Namen eines Verstorbenen zu beschriften.Extra

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Leben mit dem Tod" ist heute, Donnerstag, 20. November, von 17 bis 18.30 Uhr im Pfarrheim Hillesheim Trauercafé und um 20 Uhr in der Bücherei Hillesheim Bibelabend. Am Freitag, 21. November, läuft um 18 Uhr in der Eifel-Film-Bühne Hillesheim der Film "Hin und weg", in dem es um Sterbehilfe geht. Am Samstag, 22. November, startet um 6.15 Uhr eine Tagesfahrt nach Karlsruhe mit Besichtigung des dortigen Modellfriedhofs, und um 19.30 Uhr gibt Ean Gidman in der Pfarrkirche Hillesheim das Konzert "Töne und Farben des Lebens". Die Veranstaltungsreihe endet am Sonntag, 23. November, um 17 Uhr mit einem Referat über Hospizarbeit; daran schließt sich um 18 Uhr eine Vesper an. Die Ausstellung über Suizid ist bis zum 23. November täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. bb