Alkoholtest vor Prozessbeginn

Alkoholtest vor Prozessbeginn

Betrunken und bestraft: Ein 50-jähriger Angeklagter aus der Verbandsgemeinde Daun ist angetrunken zur Verhandlung ins Amtsgericht Daun gekommen. 1,35 Promille Atemalkohol haben den mehrfach vorbestraften Mann aber nicht vor Bestrafung geschützt. Wegen Körperverletzung wird er zu vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie 200 Sozialstunden verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Daun. (vog) "Das ist Premiere. So was habe ich noch nicht erlebt", meinte Hans Schrot, der seit mehr als 20 Jahren Richter ist. Dem Publikum, darunter drei junge Polizeianwärter, wurde ein ungewöhnliches Szenario geboten.

Der Angeklagte, geboren in Kasachstan, antwortete auf die Frage des Richters, ob er was getrunken habe, mit "Ja, Wodka." Der Richter war von Polizisten, die den Angeklagten auf richterliche Anordnung zum Prozess gebracht hatten, auf den Alkoholkonsum aufmerksam gemacht worden. Schrot und Staatsanwalt Klaus Pallien zweifelten zunächst, ob verhandelt werden kann.

Atemtest ergibt 1,35 Promille



Polizeihauptkommissar Herbert Etzig, der mit den Polizeianwärtern im Gerichtssaal saß, holte ein Testgerät. Ergebnis: 1,35 Promille Atemalkohol. Der Angeklagte ließ über seinen Dolmetscher ausrichten, dass er verhandlungstauglich sei. Schrot und Pallien zögerten, stellten aber nach etlichen gezielten Fragen fest, dass der Mann dem Geschehen in vollem Umfang folgen kann.

Ihm wird vorgeworfen, am 31. März 2008 seine ehemalige Partnerin mit Schlägen und Tritten misshandelt zu haben. Der Angeklagte, mehrfach wegen Körperverletzung, sexueller Nötigung und Missbrauchs von Kindern sowie Bedrohung vorbestraft, gestand die Tat.

Er sagte: "Ich hatte gesoffen und habe sie dann geschlagen und die Tür eingetreten. Ich will aber nicht in den Knast kommen." Richter Schrot meinte: "Das Problem ist, dass, wenn Alkohol im Spiel ist, der Angeklagte aufbrausend wird." Der Staatsanwalt plädierte für eine viermonatige Freiheitsstrafe, weil sich der 50-Jährige bisher von Geldstrafen nicht habe abschrecken lassen. Die Bewährungszeit von drei Jahren sei außerdem ein Druckmittel. "Wenn in dieser Zeit wieder etwas vorfällt, gehen Sie ins Gefängnis", warnte der Richter. Außerdem wurde der Mann zu 200 Sozialstunden verurteilt, die er innerhalb von sechs Monaten ableisten muss.

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