1. Region
  2. Vulkaneifel

Alle Wege führen nach Gerolstein

Alle Wege führen nach Gerolstein

Die Agentur für Arbeit organisiert sich im Kreis Vulkaneifel neu. Künftig wird Gerolstein die zentrale Anlaufstelle für Arbeitslose sein. Beratende Angebote für junge und schwerstbehinderte Menschen bleiben in Daun. Aus Gewerkschaftskreisen kommt Kritik.

 Zentrale Anlaufstelle: das Arbeitsagentur-Gebäude in Gerolstein. TV-Foto: Stephan Sartoris
Zentrale Anlaufstelle: das Arbeitsagentur-Gebäude in Gerolstein. TV-Foto: Stephan Sartoris

Gerolstein/Daun. "Es ist für einen Arbeitnehmer, der in Mückeln wohnt, nicht zumutbar, bis nach Gerolstein fahren zu müssen, wenn er sich arbeitslos melden muss", beklagt Ulli Meyer, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Vulkaneifel. Die Kritik Meyers, der für die Linke im Kreistag sitzt, zielt auf die Arbeitsagentur in Trier, die entschieden hat, dass Gerolstein die zentrale Anlaufstelle im Kreis Vulkaneifel wird. Die relativ niedrige Arbeitslosenquote im Kreis von fünf Prozent spielt eine Rolle bei der Entscheidung.

Von den 1641 Arbeitslosen (Stand Juli 2010) betreut die Agentur für Arbeit 792 (siehe Extra). "Angesichts dieser Gesamtzahl müssen wir unsere Kräfte an einem Standort bündeln", sagt Wolfram Leibe, Leiter der Agentur für Arbeit Trier, der auch Gerolstein und Daun zugeordnet sind. Deshalb sei entschieden worden, ab Mitte September alle Dienstleistungen der Arbeitsvermittlung in Gerolstein zusammenzuführen. Leibe: "So können wir allen Bürgern im Kreis Vulkaneifel den gleichen Service und die gleichen Öffnungszeiten bieten wie an den anderen Standorten." Kostensenkungen seien kein Kriterium für die Entscheidung gewesen, heißt es seitens der Arbeitsagentur.

Von den 729 Arbeitslosen im Kreis werden die 252 Arbeitslosen der Verbandsgemeinde (VG) Daun durch die Agentur für Arbeit in Daun und die 378 Arbeitslosen der Verbandsgemeinden Hillesheim, Obere Kyll und Gerolstein durch die Geschäftsstelle Gerolstein betreut, während die 99 Arbeitslosen der VG Kelberg in die Zuständigkeit der Agentur für Arbeit in Mayen fallen.

Für Gerolstein als zentrale Anlaufstelle spreche, dass die Stadt zentraler im Kreis liege als Daun, auch mit Blick darauf, dass die VG Kelberg zum Zuständigkeitsbereich der Agentur Mayen gehöre. Das sieht der DGB-Kreisvorsitzende anders: "Für die Menschen, die einen Job suchen und Beratung brauchen, muss es zwei Standorte geben, einen im Nord- und einen im Südkreis." Und das nach Meyers Auffassung nicht nur für die Menschen, die von der Agentur für Arbeit betreut werden, sondern auch die mehr als 900 Personen, die Arbeitslosengeld II beziehen und für die das Jobcenter des Kreises zuständig ist.

"Auch für diese große Gruppe müsste es zwei Anlaufstellen im Kreis geben, nicht nur die in Daun." Meyer kündigt an, die Entscheidung der Arbeitsagentur in der Sitzung des Kreistags am 6. September zur Sprache zu bringen.

Vor knapp einem Jahr war spekuliert worden, ob die Arbeitsagentur in Daun komplett geschlossen werden könnte. Das ist aber nicht der Fall, wie die Zentrale in Trier versichert.

Da die Stadt Daun der größte Schulstandort im Vulkaneifelkreis sei, werde die Berufsberatung künftig den Schwerpunkt der Dienstleistungen in der Kreisstadt darstellen. Darüber hinaus werde dort auch die Beratung schwerbehinderter Menschen angeboten. Das rheinland-pfälzische Integrationsprojekt "Perspektive 50+" wird seinen Sitz in Daun behalten. Die Zahl der Mitarbeiter wird sich im Zuge dieser Neustrukturierung nicht verändern, die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit Daun werden nach Gerolstein umziehen.

Liebe Leser, schreiben Sie uns Ihre Meinung: Reicht eine Anlaufstelle der Agentur für Arbeit im Vulkaneifelkreis, oder sollten es zwei sein? Schreiben Sie uns bitte Ihre Meinung (den Namen und den Wohnort nicht vergessen) an

eifel-echo@volksfreund.de



Meinung

Nicht mehr als schöner Luxus

Ganz klar: Jede Postdienststelle, jedes Geschäft, jede Arztpraxis, die im ländlichen Gebiet schließt, ist ein Verlust. Sie bedeutet eine Reduzierung der Lebensqualität der dort lebenden Menschen, da diese weitere Anfahrtswege zur nächsten Filiale in Kauf nehmen müssen. Angesichts des zumeist nur spärlich ausgebauten öffentlichen Personennahverkehrs ist das oftmals mühsam und ärgerlich. Dennoch sind zwei Beratungsfilialen im Kreis nicht mehr als ein schöner Luxus. Und daher ist die Konzentration der Arbeitsagentur im Landkreis Vulkaneifel auf den Standort Gerolstein eine nachvollziehbare und vertretbare Entscheidung. Die Stadt ist für die Hilfebedürftigen in zumutbarer Entfernung erreichbar. Zweitens sind Einsparungen des Bundes (als Träger der Arbeitsagentur) durchaus zu begrüßen, wenn sie an der richtigen Stelle ansetzen. Und ein Abbau von Bürokratie ist zumeist richtig. Drittens kommt es in erster Linie darauf an, wie und nicht wo beraten wird. Schließlich hat ein Arbeitsloser viel größere Sorgen, als seine Fahrt zum Arbeitsamt zu organisieren. m.huebner@volksfreund.deExtra Im JobCenter des Kreises, der seit 2005 Optionskommune ist, werden - unabhängig von der Arbeitsagentur - Sozialhilfe-Empfänger und Arbeitslose, die Arbeitslosengeld (ALG) II beziehen, betreut. ALG II (Hartz IV) ist in Deutschland die Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Hilfebedürftige. In anderen Kreisen nehmen Arbeitsgemeinschaften von Arbeitsagentur und Kommunen diese Aufgabe wahr. Arbeitslose, die Anspruch auf ALG I haben, werden im Landkreis Vulkaneifel nach wie vor von der Arbeitsagentur betreut. Arbeitslosenzahlen: Im Kreis Vulkaneifel waren im Juli 1641 Menschen arbeitslos, 43 mehr als im Juni 2009. 1034 der Arbeitslosen im Juli waren zwischen 25 und 55 Jahre, 350 zwischen 55 und 65. 729 wurden von der Arbeitsagentur, 912 vom Jobcenter des Kreises Vulkaneifel betreut.