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Allergrößtes Verständnis für den Streik

Allergrößtes Verständnis für den Streik

GEROLSTEIN/BIRRESBORN. (vog) Mehrere hundert Schüler kamen gestern Morgen zu spät zur Schule. Grund: Der einzige Zug, der auf der Eifelstrecke bestreikt wurde, war der "Schülerzug" von Trier nach Gerolstein.

GesternMorgen, 6 Uhr, Bahnhof Gerolstein: Trotz des 45-minütigen Streiksder Lokführer fahren alle Züge planmäßig ab. Mit einer Ausnahme:Der Zug mit der Nummer 22098, der jeden Morgen die Schüler vonder "Kyllschiene" aus Richtung Trier in die Brunnenstadt bringt,bleibt für die angekündigte dreiviertel Stunde im Bahnhof Ehrangstehen. Planmäßige Abfahrt wäre in Birresborn um 7.24 Uhr. Um 7.16 Uhr ertönt es aus dem Lautsprecher: "Der Zug hat etwa 40 Minuten Verspätung." Die wartenden Schüler jubeln. Die Gymnasiastinnen Laura (5. Klasse) und Annalena (6. Klasse) berichten: "Wir brauchen nur eine halbe Stunde zu warten, und wenn der Zug bis acht Uhr nicht da ist, dürfen wir nach Hause gehen und haben schulfrei." Dazu kommt es aber nicht.

Mehr als 70 Schüler stehen auf dem Bahnsteig in Birresborn. Berufsschüler Christian zuckt lässig mit der Schulter und meint: "Gegen den Streik kann man nichts machen." Er fährt gemeinsam mit Kumpel Daniel, der zur Regionalen Schule geht, per "Eltern-Taxi" nach Gerolstein. Neuntklässler Daniel kommentiert den Streik so: "Das kann vorkommen, mein Vater schafft selbst bei der Bahn."

Auch Martina, 6. Klasse Realschule, und Pascal, 6. Klasse Gymnasium, haben Verständnis für den Arbeitskampf um höhere Löhne. Allerdings plagen die Realschüler Kevin und Phillip andere Sorgen. Sie hoffen trotz Verspätung noch den Anschlusszug nach Oberbettingen zu bekommen, denn für den Zug 22098 ist Endstation in Gerolstein. Auch Adrian aus der 6. Klasse des Prümer Gymnasiums meint: "Ich habe donnerstags sowieso die ersten zwei Stunden frei, aber um 9.05 Uhr fährt noch ein Bus nach Prüm, und der wartet in der Regel auf den Zug."

Peter Steffgen, Schulleiter der Hillesheimer Realschule, schätzt: "Etwa 300 Schüler kommen über die Kyllschiene zu uns." Zudem nutzen je rund 100 Gymnasiasten und Regionalschüler den Zug.

Schulen hätten im Vorfeld reagieren können

Densborns Ortsbürgermeister Alfred Brück, zugleich sechsfacher Vater, übt Kritik: "Der Streik war angekündigt, die Schulen hätten die Beförderung über die Schulträger bereits am Vortag anders regeln können." Schulleiter Steffgen kontert: "Die Schule hat keinen Einfluss auf die Schülerbeförderung. Das ist Sache von RMV und Bahn." Er ist im Stress, denn im Schulsekretariat klingelt das Telefon Sturm: Viele Schüler und Eltern rufen wegen der Verspätung an.

Volker Simon, stellvertretender Schulleiter der Regionalen Schule in Gerolstein, sagt: "Die reine Schülerbeförderung gibt es nicht mehr, alles ist jetzt ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr; Anmerkung der Redaktion) ." Damit seien die Schulen auch nicht mehr flexibel bei den Bus- oder Bahnfahrten zum Ferienbeginn oder bei Hitzefrei.

Heribert Steinmetz, Schulleiter des Sankt Matthias Gymnasiums, meint: "Es ist unrealistisch, für diese Zeitverzögerung das System auf den Kopf zu stellen." Außerdem komme diese Situation alle Schaltjahre mal vor, und der Schulablauf sei sowieso nicht davon beeinträchtigt. Er sympathisiert mit den Schülern: "Ist doch klar, dass die Kinder sich freuen, wenn sie später in den Unterricht kommen können, ohne selbst was dafür zu können."