Alles begann mit "wilden Zeiten"

Alles begann mit "wilden Zeiten"

Zum 45. Mal geht am Samstag die Rallye Oberehe über die Bühne. Einer der Männer der ersten Stunde, der auch heute noch bei der Vorbereitung des Motorsport-Spektakels im Hintergrund aktiv dabei ist, ist Manfred Wilden. Der TV hat mit ihm gesprochen: Darüber, wie alles anfing und wie sich die Rallye zu dem entwickelte, was sie heute ist.

Foto: (e_eifel )

Oberehe. Die Behauptung mag hypothetisch sein, doch zu widerlegen ist sie jedenfalls nicht. Wenn Manfred Wildens Eltern Mitte des vergangenen Jahrhunderts nicht regelmäßig von Köln aus zum Urlaub in die Eifel gefahren wären und den jungen Manfred selbstredend mitgenommen hätten, dann gäbe es womöglich den Motorsportclub Oberehe gar nicht. Und damit auch die Rallye Oberehe nicht.
Denn Manfred Wilden, der in der nördlichen Eifel nicht nur die Liebe zum Motorsport, sondern auch zu seiner späteren Frau entdeckte, war einer der Betreiber der Gründung des Motorsportclubs Oberehe. "Wir waren alles junge Leute und hatten Spaß am Motorsport. Was in der Eifel kein Wunder ist, wir hatten ja den Nürburgring quasi vor der Haustür", erinnert sich der 67-Jährige, der in der Nähe von Köln wohnt, heute an jene Zeit. "Wir wollten bald nicht mehr nur zuschauen, sondern auch selbst fahren. Die für uns junge Burschen erschwinglichste Möglichkeit dazu war der Clubsport. Also alles in ganz kleinem Rahmen und mit viel eigenem Aufwand." So kam es zur Gründung des MSC Oberehe im Dezember 1971. Bereits ein Jahr später fand die erste Orientierungsfahrt des neu gegründeten Vereins statt. Als zusätzliche Attraktion der traditionellen Jacobus-Kirmes. "Das war damals eine richtige Blütezeit in den Motorsportclubs.
Es herrschte Aufbruchstimmung, auch wenn die Möglichkeiten noch ziemlich beschränkt waren. Aber wir waren voller Tatendrang", schildert Wilden die frühen 1970er Jahre. "Rund um die Nürburg-Quelle" nannte sich die erste Orientierungsfahrt unter dem Dach des ADAC, die der MSC Oberehe ausrichtete. Wilden war von Beginn an einer der unermüdlichen Macher. Wolfgang Bürgel, der heutige MSC-Vorsitzende sagt über ihn, dass "der Manfred unser Urgestein und mein Ziehvater in Sachen Motorsport" gewesen sei. Mit dem Engagement der Männer der ersten Stunde, die irgendwann fast zwangsläufig zu den Männern der ersten Jahre wurden, streifte sich auch die Orientierungsfahrt ihr Kleid der Kinderjahre ab. Die anspruchsvollen Strecken in der Eifel sprachen sich bei den Rallye-Sportlern genauso schnell rum wie das organisatorische Geschick der Veranstalter.
Wilden und seine Mitstreiter mussten viel Überzeugungsarbeit leisten. "Es war alles nicht sehr einfach damals. Wir mussten uns oft über Wochen und Monate mit den Genehmigungsbehörden bei der Kreisverwaltung herumschlagen. Es war ja nicht so, dass wir da überall offene Türen einrannten, wenn wir jedes Jahr im Sommer Feld- und Waldwege absperren und da Rennen fahren wollten." Aber der Geist, der aus der Flasche gestiegen war, ließ sich nicht mehr zurückschicken. Bald wurden aus den Klubsport-Prädikaten richtige Rallyes mit Teilnehmern aus mehreren Bundesländern unter dem Dach der nationalen Motorsportbehörden. Auch im benachbarten Belgien, Holland und Luxemburg hatte sich irgendwann herumgesprochen, dass da "irgendwo in der wilden Eifel" wohl richtig guter und anspruchsvoller Motorsport möglich war. "Irgendwann mussten wir sagen: Bei 150 Teilnehmern ist Schluss. Mehr geht nicht mehr", zogen Wilden und die MSC‘ler vor Jahren die Reißleine. Da war "die Oberehe" längst zu einem Markenbegriff geworden. Vor einigen Jahren gab Bürgels "Ziehvater" das Amt des Rallyeleiters ab. "Ich hatte das 40 Jahre lang gemacht, danach sollten mal andere ran." Von seinem Verein, den er vor fast einem halben Jahrhundert mitgegründet hat, kann er aber dennoch als Aktiver nicht lassen. "In der Vorbereitungszeit bin ich im Backoffice tätig, da gibt es genug zu tun."
Und auch am Samstag wird Manfred Wilden natürlich wieder vor Ort sein. Dann, wenn "die Oberehe" mit neuen zusätzlichen Prädikaten des Deutschen Motorsportbundes versehen, die nächste Qualitäts-Offensive starten wird. 45 Jahre nach der ersten Orientierungsfahrt.